Der Selbstzünder auf dem Sterbebett

Dieselmotoren verlieren an Bedeutung

Der Selbstzünder auf dem Sterbebett
Preisspirale © Foto: dpa

Experten erwarten angesichts der Preisentwicklung einen Rückgang des Interesses am Diesel. Erdgas und Autogas könnten sich als interessante Alternativen entwickeln.

Jahrelang galten Diesel-Pkw in Deutschland als das Nonplusultra in Sachen Wirtschaftlichkeit. Ein niedriger Verbrauch in Verbindung mit dem günstigeren Preis für Dieselkraftstoff machte die im Vergleich zu Benzinern höheren Anschaffungs- und Unterhaltskosten allemal wett - selbst bei geringer Fahrleistung im Jahr. Doch diese Zeiten sind vorbei. Schuld daran sind die Spritpreise: Inzwischen kostet der Liter Diesel genauso viel wie der Liter Benzin - vergangene Woche im Bundesdurchschnitt 1,52 Euro. An manchen Tankstellen ist Diesel sogar teurer, was nach Ansicht von Experten bald ohnehin die Regel sein wird. Dieselfahren lohnt sich daher kaum noch. Autokäufer müssen umdenken und genau nachrechnen, welcher Motortyp sich für ihre Zwecke am besten eignet.

Diesel nicht mehr günstiger

Früher war der Diesel fast schon automatisch die günstigere Wahl, sagt Branchenexperte Nick Margetts vom Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg: «Da musste man die Rechnung gar nicht machen.» Selbst bei Fahrleistungen ab etwa 15 000 Kilometern im Jahr war der Selbstzünder dem vergleichbaren Benziner in Sachen Wirtschaftlichkeit überlegen. Zu groß war die Preisdifferenz zwischen dem Liter Benzin und dem Liter Diesel. Da fielen der höhere Anschaffungspreis, die höhere Kfz-Steuer und die teurere Versicherungseinstufung kaum ins Gewicht.

Nur noch ein Kostenvorteil

V6-diesel im Audi A5 Foto: Audi

Laut ADAC-Sprecher Maximilian Maurer in München geht diese Rechnung vor allem dann nicht mehr auf, wenn die Neuwagenpreise für Diesel deutlich höher sind als für vergleichbare Benziner. «Diesen Kostennachteil muss man erst wieder herausfahren», sagt Maurer. Bei gleichem Preisniveau der Spritsorten muss ein Dieselkäufer jedoch immer länger fahren, bis er die Mehrkosten durch den geringeren Verbrauch wieder einspart. Denn die Sparsamkeit ist inzwischen der einzige Kostenvorteil, der dem Diesel in der Vergleichsrechnung noch bleibt. Bei manchen Fahrzeugen wird die «Gewinnzone» nach Maurers Einschätzung gar nicht mehr erreicht - zum Beispiel wenn bei Fahrzeugen der Kompaktklasse die Verbräuche der jeweiligen Diesel- und Benzinvariante dicht beieinander liegen.

Effizienzvorteil schmilzt

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der sich zum Nachteil des Diesels auswirkt: Die Benziner holen bei der Effizienz weiter auf. Kleine Aggregate werden mit Turboladern und modernen Einspritzsystemen bestückt, um den Wirkungsgrad zu steigern. Moderne Konstruktionen erlauben nach Angaben des Center Automotive Research (CAR) an der Fachhochschule Gelsenkirchen Kraftstoffeinsparungen von 15 Prozent.

Dieselboom geht zu Ende

TSI-Benziner holen auf Foto: Volkswagen

Im Gegenzug werden Dieselmotoren in der Herstellung teurer, da schärfere Abgasnormen zusätzliche Reinigungssysteme erfordern. Saubere Diesel müssen künftig regelrechte kleine Chemiewerke aus Rußpartikelfilter, Oxi- und «DeNOx»-Katalysator mit Harnstoff-Einspritzung im Abgasstrang haben. Das macht sie außerdem wartungsintensiver und treibt ihre Unterhaltskosten in die Höhe. Selbstzünder rechnen sich daher für die meisten Verbraucher nicht mehr. «Das ist das Ende des Diesels», bestätigt Branchenexperte Margetts. Nur in Ausnahmefällen dürfte die Kalkulation noch aufgehen - etwa wenn ein vergleichbarer Benziner nur Super Plus verträgt oder der Wagen extrem viel gefahren wird. Die CAR-Experten gehen daher davon aus, dass beim Diesel-Boom in Deutschland bereits der Höhepunkt überschritten ist: Bis zum Jahr 2010 werde der Dieselanteil bei Pkw-Verkäufen von derzeit 47,7 Prozent auf 44 Prozent, bis 2020 auf nur noch 30 Prozent zurückgehen. Der Trend gehe wieder zu Benzinmotoren.

Diesel teurer als Benzin?

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen empfiehlt Margetts verunsicherten Autokäufern, gründlicher als früher durchzurechnen, welche Motorisierung für sie die günstigste Lösung ist. Die Zeiten, in denen beim Händler blind ein Diesel gekauft werden konnte, seien unwiederbringlich vorbei. Denn neben Ölexperten geht auch Margetts davon aus, dass Diesel in Deutschland auf lange Sicht teurer sein wird als Benzin: «Das wird der Dauerzustand sein.» Neben dem Anschaffungspreis sollten laut Margetts bei der Kostenrechnung die jährliche Fahrleistung sowie die Kosten für Kfz-Steuer und Versicherung berücksichtigt werden. Hilfe bei dieser Kalkulation bieten sogenannte Autokostenrechner, die unter anderem die Automobilclubs im Internet anbieten.

Gas als Alternativantrieb

Autogastank in der Reserveradmulde Foto: dpa

Die Kostenrechnung sollte sich jedoch nicht nur auf die Diesel- und Benzinvarianten beschränken. Denn auch Erd- oder Flüssiggas-Versionen - als Neufahrzeug oder als umgerüstete gebrauchte Benziner - können in Frage kommen. «Für die nächsten zehn Jahre kann man sie als Alternative empfehlen», sagt Daniel Kluge vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. Bis zum Jahr 2018 seien Flüssig- oder Autogas und Erdgas von der Mineralölsteuer befreit, weshalb sich beim Tanken erhebliche Preisvorteile ergeben. Laut Kluge sind die Tankkosten jeweils um rund die Hälfte niedriger im Vergleich zu Benzin und Diesel. «Für Fahrer mit einer Jahresfahrleistung bis etwa 20 000 Kilometer würde sich das lohnen.» (dpa/gms)

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