Dacia Jogger: Gemacht für die kostenbewusste Familie

Dacia Jogger: Gemacht für die kostenbewusste Familie
Dacia schickt den Jogger als Nachfolger des Lodgy ins Rennen - und bietet sieben Plätze. © Dacia

Mit bis zu sieben Sitzen stößt das Modell Jogger für die Marke Dacia in neue Dimensionen vor. Doch es gibt noch mehr Gründe, warum es dem bisherigen Bestseller Sandero den Rang ablaufen könnte.

Der Begriff „Billigmarke“ ist in der Autowelt auch nicht mehr das, was er einmal war. Dank des rumänischen Herstellers Dacia hat er sich vom Ruch minderwertiger Discounter-Ware emanzipiert und feiert frech das Statussymbol für jene, die keines zu brauchen meinen.
Komfortsysteme sind inzwischen reichlich verfügbar, Radar- und Ultraschall-Sensorik wird aber noch für entbehrlich gehalten. Die Kunden, zuletzt mehr als 50.000 in Deutschland, greifen trotzdem gern zu.


Vor allem jene, die beim Pkw-Kauf für ihr sauer verdientes Geld einen maximalen Gegenwert suchen und nicht die Möglichkeit haben, Leasingraten als Betriebskosten von der Steuer abzusetzen. Dacia gehört zu den Marken mit dem höchsten Privatkunden-Anteil in Europa. Wenn im März der Jogger zu den Händlern kommt, wird dieser Anteil mit großer Wahrscheinlichkeit weiter wachsen.

Clio-Plattform stark gestreckt

Trotz farblich abgesetzter Beplankung sieht der Jogger eher unscheinbar aus, erscheint ein bisschen wie ein Kombi mit erhöhter Bodenfreiheit, ist aber nur 4,55 Meter lang und hat einen markanten Knick in der Dachlinie über der B-Säule. Laut Marketing-Prosa des Herstellers will er ein „Familienauto mit Offroad-Gefühl“ sein, dank seiner Vielseitigkeit „das Schweizer Taschenmesser unter den Personenwagen“. Viel Platz und Funktionalität verspricht der Jogger, dessen technische Basis die so genannte CMF-B-Plattform darstellt, auf der auch der Renault Clio fußt

Der Dacia Jogger hinterlässt bei der Qualitätsanmutung einen akzeptablen Eindruck. Foto: Dacia

Der hat zwar nur 2,58 Meter Radstand, doch beim Jogger zeigt die Plattform ihre Vielseitigkeit: Auf fast 2,90 Meter streckt sich der Radstand beim Dacia-Neuling, genug, um drei Sitzreihen unter dem 1,63 Meter hohen Dach unterzubringen. Gleichzeitig besänftigen 200 Millimeter Bodenfreiheit allzu große Sorgen, beim Verlassen befestigter Straßen umgehend Schäden an Auspuffanlage oder Aufhängung zu riskieren. Gleichwohl: Der Jogger ist kein Geländewagen, dazu fehlt ihm nicht nur der Allradantrieb.

Innenraum mit wenig Hartplastik

Der Innenraum präsentiert sich sachlich, aber nicht unflott. An vielen Verkleidungen und Oberflächen wurden Textilbezüge eingesetzt, was eine gewisse Wohnlichkeit schafft. Wer dies nicht für den letzten Chic hält, sollte erkennen, dass das Webwerk großflächige Hartplastik-Landschaften vermeidet, die in Autos der unteren Preisklasse inzwischen überhand genommen haben.

Positiv fällt außerdem auf, dass die Türen mit stabilen Bügelgriffen versehen sind, mit denen man auch angefrorene Dichtungsgummis überwinden kann. Mit den schmalen Klappgriffen, wie sie zum Beispiel beim Duster verbaut sind, ist das kaum möglich.

Erstaunlich umfangreiche Ausstattung

Die Platzverhältnisse sind trotz der überschaubaren Außenlänge durchaus anerkennenswert: Vorn haben die Passagiere eine Kabinenbreite von 1,41 Metern zur Verfügung, auf der dreisitzigen, teilbaren Bank dahinter sind es noch 1,37 Meter. Für die beiden Insassen in Reihe drei sind 1,28 Meter auskömmlich – wenn man erstmal drin ist. Sich zwischen C-Säule und Reihe zwei hindurch zu quetschen, bedarf einer gewissen Übung. Die Ladekante ist mit 68 Zentimetern erfreulich niedrig und das maximale Ladevolumen nach Ausbau von Reihe drei und Umlegen von Reihe zwei beträgt 1820 Liter.

Die Kabine verfügt außerdem über zahlreiche Ablagen und Staufächer, die sich auf 23 Liter summieren sollen. Drei Multimedia-Systeme bietet Dacia in den vier verschiedenen Ausstattungslinien an. Was ein Top-Jogger für nicht einmal 19.000 Euro an Bord hat, kann sich sehen lassen: Elektrische Fensterheber rundum, Regensensor, Klimaautomatik, elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel, Rückfahrkamera, Tempomat, akustische Einparkhilfe, Toter-Winkel-Warner, Sitzheizung vorn, Aluräder und abgedunkelte Seitenscheiben hinten stellen noch nicht die vollständige Aufzählung aller Merkmale das, für die andere Hersteller gerne Aufpreise verlangen. Auf höhenverstellbare Gurte muss man allerdings verzichten. Das schlüssellose Zugangssystem funktioniert nur dann prächtig, wenn man die Keycard, die an keinem Bund oder Anhänger befestigt werden kann, nicht in der Kleidung vom Vortag vergessen hat.

Bis zu 1000 Kilometer Reichweite

Zunächst gibt es den Jogger lediglich mit einem Dreizylinder-Motor und manuellem Sechsgang-Getriebe. Das Aggregat hat 999 Kubikzentimeter und ein Turbolader entlockt ihm je nach gewählter Ausführung 101 oder 110 PS. Der Einstiegsmotor kann alternativ mit Autogas (LPG) befeuert werden, was bekanntlich der preisgünstigste Autokraftstoff für Verbrennungsmotoren ist. Die beiden Tanks sind 40 und 50 Liter groß, so dass 1000 Kilometer Reichweite kein Wunschdenken ist.

Für 2023 hat Dacia eine Mildhybrid-Version avisiert, mit PHEV oder reinen Elektromodellen ist nach Auskunft des Herstellers erst zu rechnen, wenn die Daumenschrauben der EU-Abgasbestimmungen zu schmerzen beginnen.

Preis ab 13.990 Euro

Die Preise für den Dacia Jogger starten bei 14.000 Euro. Foto: Dacia

Auch ein turbo-befeuerter Einliter-Motor ist kein Drehmoment-Riese, so dass die 170 Newtonmeter (beim Tce 100) trotz des vergleichsweise geringen Gewichts von 1300 Kilo für spritzige Fahrmanöver nicht so recht taugen wollen. Der Jogger ist ein hochflexibles Gebrauchsauto, dessen Stärken nicht auf der linken Spur, sondern in der Vielseitigkeit und dem genügsamen Fahrverhalten stecken. Der TCe 110 (200 Newtonmeter Drehmoment) ist fühlbar agiler, sofern man geschickt mit dem Ganghebel operiert. Ab 2900 Umdrehungen stellt er sein Drehmoment-Maximum zur Verfügung. Nach WLTP-Norm sollen die verschiedenen Jogger mit einem Kraftstoffkonsum zwischen 5,7 und 7,6 Litern je 100 km auskommen, auf dieser Probefahrt wurden zwischen 5,9 (Benzin, Landstraße) und neun Liter (LPG, Stadtverkehr und Autobahn) protokolliert.

Die preisliche Kampfansage an die Mitbewerber beziffert Dacia auf 13.990 Euro. Ein Fiat Tipo Kombi zum Beispiel startet bei 7500 Euro mehr. Der Dacia Jogger „Extreme +“, der lediglich beim Lack noch eine Sonderpreis-Option hat, kostet 18.790 Euro.

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