Jeep Avenger: E-SUV mit überzeugendem Auftritt

Rund 400 Kilometer Reichweite

Jeep Avenger: E-SUV mit überzeugendem Auftritt
Die 1st Edition des Jeep Avenger kostet rund 40.000 Euro. © Jeep

Dieses Auto ist nicht irgendein Auto. „Es ist für uns ein Gamechanger“, sagt Antonella Bruno zum neuen Jeep Avenger.

Warum ein Gamechanger? „Weil es das erste Modell ist, das komplett in Europa entwickelt und designt wurde“, so die Europa-Chefin von Jeep. Die Stellantis-Tochter hat Jury-Mitglieder des europäischen Autopreises „Car of the Year“ (Coty) nach Nizza eingeladen, damit sie mit dem Avenger das erste rein elektrische Modell von Jeep testen können.

Das Kompakt-SUV von Jeep scheint dabei genau das Auto zu sein, auf das die Kundinnen und Kunden der Marke gewartet haben. So liegen seit dem Start der Vorbestellungen am 17. Oktober für den Jeep Avenger bis zum 15. November bereits mehr als 7400 Reservierungen für die „First Edition“ (39.900 Euro) vor. „Und es werden jeden Tag immer mehr“, freut sich die Europachefin. „Es ist genau das richtige Auto zum richtigen Zeitpunkt“, so Bruno.

Auch als Verbrenner im Angebot

Allerdings sind darunter auch Kundinnen und Kunden, die den Avenger mit einem Verbrennungsmotor bestellt haben. 44 Prozent haben ihr Kreuz nicht bei der E-Variante gemacht, sondern beim Verbrenner, erzählt Bruno. Das Gros der Verbrennerkunden kommt dabei aus Spanien und Italien, übrigens dem wichtigsten Markt von Jeep in Europa. In Deutschland indes wird der Avenger ausschließlich als E-Variante angeboten. 2000 Kundinnen und Kunden haben hier bereits ihre Reservierung abgeschlossen.

Im Innenraum des Avenger ist viel Plastik verbaut worden. Foto: Jeep

Dass Jeep den Avenger auch mit Verbrenner anbietet, ist schade. Schließlich befindet sich Jeep mitten in der Transformation. Bis 2030 will man eine reine E-Marke sein, zumindest in Europa. Vor diesem Hintergrund wäre es ein klares Bekenntnis auf dem Weg zu einer Zero-Emission-Marke gewesen, ihn auf allen Märkten nur als E-Variante anzubieten. Am Ende gaben dann aber die wirtschaftlichen Gründe den Ausschlag – schließlich erreicht man so weitaus mehr potenzielle Kundinnen und Kunden. Der Avenger wird übrigens ausschließlich in Europa angeboten, nicht im Heimatmarkt USA. Mit seiner Länge von 4,08 Metern ist er für den dortigen Markt schlicht zu klein.

Rundumschutz dank Beplankungen

Für Europa und seine immer voller werdenden Städte ist dieses SUV indes ein ideales Gefährt. Man genießt die Vorteile eines SUVs mit seiner erhöhten Sitzposition – und ist gegen typische Parkschäden geschützt. So hat Jeep den Avenger rundherum mit Kunststoffbeplankungen versehen, die das Fahrzeug vor ärgerlichen Blechschäden beispielsweise beim Parken schützt. Das alles wirkt stimmig – und passt zur DNA der Marke. Das Exterieur-Design ist ansprechend – gerade in Kombination mit der Lackierung Sun ist der Avenger optisch gelungen. Designer Daniele Colonaci und sein Team haben hier mit den klar gezeichneten Linien einen guten Job gemacht.

Panoramaglasdach optional im Angebot

Optional ist der Avenger übrigens auch mit einem Panoramaglasdach zu bekommen – was für eine luftige Atmosphäre im Innenraum sorgt. Im Fünftürer finden Fahrer und Beifahrer ausreichend Platz vor. Die Sitze sind straff, aber dennoch komfortabel; im Fond kann man selbst mit 1,91 Metern akzeptabel sitzen, wenn vor einem kein Sitzriese Platz genommen hat. Für drei erwachsene Personen wird es hinten dann aber doch etwas eng. Da gibt es wenig zu beanstanden. Das Kofferraumvolumen liegt übrigens bei 380 Liter.

Wenn es etwas gibt, was beim Avenger störend wirkt, sind es zwei Dinge: Da ist zum einen die haptische Anmutung der Mittelkonsole. Hier wurde schlicht Hartplastik verbaut, geschäumter Kunststoff hätte die Wertigkeit des Innenraums erhöht. Zudem ist der Beifahrersitz nicht in der Höhe verstellbar. Ansonsten macht der Innenraum einen stimmigen Eindruck. Das 10,25 Zoll große Infotainmentsystem bietet eine gute Darstellung, die Bedienung über den Touchscreen ist intuitiv. Allerdings hätte die Display-Größe ruhig etwas größer ausfallen können.

Reichweite von bis zu 400 Kilometer

Unterwegs ist der Avenger mit einer 54 kWh großen Batterie, die eine Reichweite von bis zu 400 Kilometer (WLTP) beziehungsweise 550 Kilometer (City-Range) aufweist. Die Leistung des Avenger liegt bei 156 PS und das maximale Drehmoment bei 260 Nm. Das reicht, um mit dem Avenger auch etwas sportlicher unterwegs zu sein. Wer das will, der muss dann aber im Sport Modus unterwegs sein.

Daneben gibt es noch den Normalmodus und den Eco-Modus. Wer den wählt, dem stehen „nur noch 81 PS und ein Drehmoment von 180 Nm zur Verfügung. Beim Kickdown steht aber sofort die volle Leistung zur Verfügung. Als Verbrauch wird ein Wert zwischen 15,2 und 15,8 kWh auf 100 Kilometer angegeben. Es sind Angaben, die realistisch erscheinen. Nach unseren Testfahren zeigte der Bordcomputer 16,2 kWh an.

Bei der rund 65 Kilometer langen und kurvenreichen Testrunde im Hinterland von Nizza hinterließ der Avenger einen überzeugenden Eindruck. Die Lenkung spricht direkt an, die Leistung reicht mehr als aus, um ihn auch mal etwas sportlicher zu bewegen. Die Wankbewegungen bei schnellerer Kurvendurchfahrt sind minimal. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht unkomfortabel. Abseits befestigter Straßen macht der Avenger – kein Wunder – mit einer Bodenfreiheit von 20 Zentimeter auch mit Frontantrieb eine gute Figur. Dank der zusätzlichen Fahrmodi Sand, Matsch, Schnee findet man den für fast jede Gelegenheit passenden Modus. Ein Allradantrieb ist für den Avenger auch in der Planung, er wird aber voraussichtlich erst 2024 kommen.

Ladeleistung 100 kW

Der Jee Avenger wird ab 2024 auch mit Allrad erhältlich sein. Foto: Jeep

Die Ladeleistung des Avenger liegt bei maximal 100 kW, der On-Boardcharger lädt mit 11 kW. An einem Schnelllader vergehen unter Idealbedingungen 24 Minuten, um ihn von 20 auf 80 Prozent zu laden. Bei Jeep ist man überzeugt, dass eine Ladeleistung von 100 kW ausreichend ist und plant auch keine größere als die 54 kWh starke Batterie.

Unterm Strich ist der Jeep Avenger ein stimmiges Kompakt-SUV, dass sich mit einem Wendekreis von 10,5 Metern auch gut in der Stadt bewegen lässt. Insgesamt stehen drei Ausstattungsvarianten zur Verfügung. Deren Preis liegt vor Abzug der Förderung zwischen 35.000, 37.000 und 39.000 Euro. Seinen Marktstart soll der Avenger als E-Variante ab April feiern.

Von seinen Stärken haben sich auch die Coty-Mitglieder überzeugen lassen. Sie haben ihn auf die Liste der sieben Finalisten gesetzt, die nun um den Titel „Auto des Jahres“ buhlen. Die Entscheidung, wer sich am Ende die begehrte Auszeichnung gesichert hat, wird am 13. Januar im Rahmen der Brüssel Motor Show bekannt gegeben.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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