Volvo EX30: Auf ein Date mit dem Schweden-SUV

Volvo EX30: Auf ein Date mit dem Schweden-SUV
Der Volvo EX30 ist optisch gelungen und fährt sich auch ausgesprochen gut. © Volvo

Es war noch nie so günstig, einen Volvo zu fahren. Mit dem EX30 bieten die Schweden ein bezahlbares Elektroauto unterhalb des EX40 und EC40. Doch lohnt sich ein Kauf?

Für Volvo ist der EX30 nicht irgendein Modell. Es soll für den schwedischen Autobauer zu einem Wachstumstreiber werden. Im Vorjahr setzte Volvo weltweit fast 709.000 Fahrzeuge (+15 Prozent) ab, davon entfielen allein 44.739 Fahrzeuge (+ 22 Prozent) auf den deutschen Markt. Dabei gehörten weltweit (als auch in Deutschland) der XC60, XC40 und XC90 zu den erfolgreichsten Modellen.

Doch die Zeiten, in denen das Mittelklasse-SUV den Bestseller stellt, dürften vorbei sein. Der jetzt auf den Markt gekommene EX30 dürfte – wenn alle Planungen sich bewahrheiten – zukünftig der neue Bestseller sein. „Wir erwarten, dass der EX30 in diesem Jahr unser am meisten verkauftes Modell wird“, sagte Sprecher Michael Schweitzer bei Testfahrten mit dem neuen EX30 in Hamburg. Und, auf welchen Absatz soll der Neu kommen. Konkretes will der Sprecher nicht sagen, lässt auf Nachfrage wissen, dass man sich mit ihm bei Volvo in Deutschland ein Absatzplus von 25 Prozent verspreche.

Preis von unter 37.000 Euro

Ist dies eine realistische Zielgröße? Ja, allein schon wegen des Preises. Denn mit seinem Einstiegspreis von 36.590 Euro für den EX30 mit Single Motor (272 PS) an der Hinterachse und kleiner 51 kWh LFP-Batterie ist der Neue die momentan günstigste Möglichkeit, ein Auto der Schweden zu bewegen.

Im Volvo EX30 gibt es für wichtige Anzeigen nur noch ein Zentraldisplay. Foto: Christian Bittmann/Volvo

Günstig ist zwar schön – doch günstig (was ja auch immer eine Frage der Perspektive, der eigenen finanziellen Möglichkeiten und natürlich der Konkurrenz ist) muss nicht zugleich auch gut sein. Die Kundinnen und Kunden können beruhigt sein: auch der EX30 ist ein Volvo – im besten Sinne, auch wenn er vieles anders macht als bisherige Modelle. Das hat vor allem Kostengründe wie beispielsweise bei der Instrumentierung. Sie fordert – um es vorsichtig zu sagen – volvoaffine Kunden zum Umdenken auf: So befindet sich im direkten Sichtfeld der Fahrerin oder des Fahrers kein Display mehr. Tempo, Verbrauch und anderen Angaben wie beispielsweise die Navigation finden sich ausschließlich im 12,3 Zoll-Mitteldisplay. Darunter, ein weiteres Novum, ist mittig das Handschuhfach platziert. Die Materialien im Innenraum als auch der Karosserie weisen übrigens einen hohen Recyclinggrad auf – was den EX30 zu einem besonders nachhaltigen Gefährt macht.

Kein Head-up-Display im Angebot

Wer also Angaben zu Verbrauch etc haben will, muss seinen Kopf kurzzeitig zur Seite neigen. Und, ist doch nicht schlimm, wird der ein oder andere sagen. Doch angesichts des Sicherheitsanspruchs von Volvo („Vision Zero“) überrascht so etwas doch. Schließlich schaut man für den Bruchteil halt nicht auf die Straße, sondern aufs Mitteldisplay. Volvos Sicherheitsexperten sehen dies als unproblematisch – und die Kunden offensichtlich auch. Bei so genannten Car Clinics hätte man diese explizit danach gefragt. Das Ergebnis ist im EX30 zu begutachten.

Für diejenigen, die so etwas nicht mögen, bietet Volvo indes noch nicht einmal ein Head-up-Display an. Nun ja. Da wir schon bei den Kosten sind: Wer die Fenster öffnen will, der sucht die Tasten dafür übrigens an den Türgriffen vergeblich. Die Tasten dafür sind an die übrigens herausfahrbare Mittelkonsole gewandert. Dort gibt es indes nicht vier, sondern nur drei Tasten: 3? Ja, drei: Zwei sind für die vorderen Fenster, mit der anderen Taste aktiviert man die Öffnung für die hinteren Scheiben. Weniger Material bringt nicht nur weniger Gewicht, sondern spart auch Kosten. Okay, kann man machen – und daran gewöhnt man sich wohl. Dass die Größe der Anzeige im Mitteldisplay indes zu klein sind, ist ein Manko – und sollte bei der nächsten Überarbeitung (Software-Update) gelöst werden.

Zwei Batteriegrößen im Angebot

Das sind Punkte, die unschön sind – aber letztlich den guten Eindruck des 4,23 Meter kurzen EX30 nicht trüben. Dafür macht das Fahren im EX30 zu viel Spaß, den wir als Single Motor Extended Range (ab 41.790 Euro) mit der 64 kWh (netto) starken NMC-Batterie gefahren sind. Sie soll für eine Reichweite von bis zu 472 Kilometer reichen. Es ist ein Aggregat, was völlig reicht. Wenn man nicht unbedingt einen Allradantrieb braucht, dann ist der EX30 als Twin Motor Performance mit 428 PS verzichtbar.

Denn der Single Motor sorgt für ausgesprochen sportliche Fahrleistungen: Das maximalen Drehmoment von 343 Nm garantiert einen kraftvollen Antritt und der Sprint von 0 auf 100 km/h wird in flotten 5,3 Sekunden für ein immerhin über 1,8 Tonnen schweres Fahrzeug absolviert. Die Höchstgeschwindigkeit ist volvolike bei 180 km/h erreicht.

Auf dem Weg dorthin gibt sich der EX30 keine Blöße – das Fahrwerk ist straff, aber nicht unkomfortabel und in schnell gefahrenen Kurven hinterlässt dieser Volvo dank einer direkt ansprechenden Lenkung einen souveränen Eindruck. Und der Verbrauch? Er wird mit 17 kWh/100 (WLTP) angegeben. Bei unseren Testfahrten in Hamburg zeigte der Bordcomputer indes bei schattigen fünf Grad Außentemperatur 20,8 kWh an. Im Winter erscheinen damit rund 340 Kilometer ohne Probleme realistisch. Ist die Batterie leer, lässt sie sich an einer Schnellladestation dank einer Ladeleistung von 153 kW in 26,5 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufladen. Wie das Ladeverhalten in der Praxis ausschaut, muss ein anstehender ausgiebiger Test mit dem EX30 zeigen.

Armada von Assistenzsystemen

Gute und markante Formen: der Volvo EX30. Foto: Volvo

Ansonsten ist der EX30 mit einer ganzen Armada von Assistenzsystemen unterwegs. Dazu gehören neben einem adaptiven Abstandstempomaten beispielsweise ein Spurwechselwarner, eine Müdigkeitserkennung, ein Tempoassistent und ein Door-Opening-Assistent, der vor anderen Verkehrsteilnehmern beim Verlassen des eigenen Fahrzeuges warnt. Das ist alles so, wie man es sich von Volvo erwartet – und die Systeme funktionieren allesamt wirklich gut.

Klar, man kann einwenden, dass im Fond Großgewachsene nicht wirklich länge Zeit sitzen können und der Kofferraum mit 318 Litern überschaubar ist, aber wir reden über ein ausgesprochen kompaktes SUV – und das passt im Wettbewerbsvergleich dann doch und kann am Ende den guten Gesamteindruck nicht trüben. Kundinnen und Kunden bietet Volvo derzeit übrigens die Möglichkeit, ein 24 Stunden-Date mit dem EX30 beim Händler zu vereinbaren. Damit haben sie dann ausreichend Zeit zu schauen, ob sie das fehlende Fahrerdisplay stört und aus dem kurzen Date eine längere Beziehung erwächst.

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