5. August 2014

Fahrbericht Facelift für Kleinwagen VW Polo 1.2 TSI: Golf fahren, ohne Golf zu zahlen

Der VW Polo hat ein Facelift erhalten. Fotos ▶
Der VW Polo hat ein Facelift erhalten. © VW

Der VW Polo hat eine Überarbeitung bekommen. Damit rückt der Kleinwagen noch etwas stärker an seinen großen Bruder heran, den in der Kompaktklasse etablierten Golf.




Im Duden steht „Facelift, das“ für „verschönernde Neugestaltung“. So wie manche Menschen nach einigen Jahren Lebenszeit eine derartige Verschönerung für nötig halten, erfahren auch die Autos in der Hälfte ihres Lebenszyklus‘ eine Reformation – oftmals neue Scheinwerfer, Farben, Stoffe. Der jüngst geliftete VW Polo allerdings macht eher auf Schöngeist als auf Schönheit: Kaum ist die Neugestaltung im Blech zu erkennen, an den inneren Werten hat sich umso mehr getan. Wie ein Alltagstest zeigt, kann das allerdings auch mal mehr scheinen als sein.

Jeder siebte Kleinwagenkäufer hat sich in den ersten sechs Monaten dieses Jahres entschieden, einen VW Polo zu kaufen, 32.077 Autofahrer waren es insgesamt. Damit hat der Wolfsburger die Nase vor seinen Konkurrenten aus Köln und Rüsselsheim. Diese Position dürfte das Facelift fünf Jahre nach dem Start der fünften Generation noch verfestigen: Denn wer bisher Polo gekauft hat, um das Volkswagengefühl zu haben, aber nicht Golf zahlen zu müssen, kann jetzt Golf fahren, ohne Golf zahlen zu müssen – naja, quasi.


Golf allgegenwärtig

Denn wer im überarbeiteten Polo Platz nimmt, spürt den großen Bruder überall: Bei den feinen Kunststoffen, dem schönen Multifunktionslenkrad (plus 160 Euro bei Highline) oder den Instrumenten im Golf-Look zum Beispiel. Oder bei den vielen Assistenzsystemen, die der Kleine vom Großen übernommen hat. Für 505 Euro Aufpreis kann man nun beispielsweise den aus dem Golf bekannten, gut funktionierenden Abstandstempomat ACC hinzu buchen – ein äußerst komfortables Extra, mit dem noch vor wenigen Jahren vor allem Dienstwagen-Limousinen ausgestattet waren. Der Polo ist der erste Kleinwagen, der diesen Assistenten bekommt.

Das Cockpit im Polo
Das Cockpit im Polo © VW

Wer ihn kauft, der hat auch stets das Umfeldbeobachtungssystem Front Assist an Bord, das zunächst warnt und dann selbsttätig bremst, wenn sich der Polo einem Hindernis zu schnell nähert. Die Geräuschkulisse im Innern ist angenehm klassenuntypisch leise. Und dann fährt sich der Kleine auch noch fast wie ein Golf, so satt liegt der Kleinwagen auf der Straße. Die neue elektromechanische Lenkung vermittelt zudem ein sehr präzises Steuergefühl. Mit den neuen elektronisch schaltbaren Dämpfern (Teil des Sport-Select-Fahrwerks, 385 Euro) kann der Fahrer bei Bedarf nachschärfen – in der Praxis ein Merkmal, das höchsten der GTI-Polo tatsächlich braucht.

90 PS völlig ausreichend

Apropos Praxis: Im Alltagsgebrauch zeigte sich einmal mehr, dass die größte aller Spritsparfunktionen hinter dem Lenkrad sitzt. Bis zu einem Fünftel weniger Verbrauch verspricht VW für die überarbeiteten Motoren des Polo, alle entsprechen nun der Euro-6-Norm. Aber egal, welche (Fabel-)Verbräuche ein Fahrzeug auf dem Rollenprüfstand herausfährt, im richtigen Leben kommt es auf Gasfuß und Schaltverhalten des Fahrers an.

Der 1,2-Liter-Turbobenziner mit 66 kW/90 PS im getesteten Exemplar ist für fast alle Lebenslagen absolut ausreichend, seine Elastizität jenseits des Turbolochs lässt den Fahrer entspannt fahren. Doch gerade weil der Polo (nur) im höheren Drehzahlbereich, dann aber adäquat, durchzieht, ist der Fahrer dazu verleitet, öfter mal herunter zu schalten und die Gänge hoch auszufahren. Das Resultat: 7,5 Liter Durchschnittsverbrauch. Ohne Autobahnetappen in Hochgeschwindigkeit (maximal wären immerhin 184 km/h drin) oder andere außergewöhnliche Experimente, wohlgemerkt.

Hat man es keinesfalls eilig, eher Lust zu trödeln, hält man sich an die Schaltempfehlungen und benutzt auf der Autobahn maximal die mittlere Spur zum Überholen, kommt man allerdings auf knapp zwei Liter weniger im Schnitt. Das liegt zumindest näher am Normverbrauch von 4,7 Litern.

Gute Alternative

Das Heck des Polo
Das Heck des Polo © VW

Wem der Platz im Polo ausreicht – kommode Ellenbogenfreiheit, immerhin 280 Liter Kofferraum und eine Rückbank, auf der auch mal Erwachsene mitfahren können – für den ist der überarbeitete Polo mehr denn je zur Golf-Alternative geworden. Ab 12.600 Euro kostet der Basis-Polo, der große Bruder in der günstigsten Variante (dann natürlich mit mehr PS) knapp 5.000 Euro mehr. Was man an Golf-Aufpreis spart, sollte man bei der neuen Auswahl im Kleinwagensegment in Ausstattung investieren. Der 1.2 TSI ist ein komfortabler Begleiter für alle Lebenslagen und mit dem richtigen Gasfuß auch halbwegs sparsam.

Und dann setzt der Polo über den großen Bruder hinaus auch eigene Akzente: Als erster VW ist der Kleinwagen mit LED-Scheinwerfern bestellbar und erhält eine neue Generation Radio- und Navigationssysteme mit Touchscreen und der Funktion Mirror-Link, mit der Smartphone-Apps auf dem Bildschirm angezeigt und bedient werden können. Wenn das keine Typveränderung ist. (SP-X)






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