10. August 2015

Fahrbericht Plugin-Hybrid-Variante VW Golf GTE: Dr. Jekyll und Mister Hyde

Der VW Golf GTE zeigt zwei Gesichter.
Der VW Golf GTE zeigt zwei Gesichter. © VW

Der VW Golf GTE kann als braver Biedermann die An- und Abfahrt zum Büroalltag rein elektrisch bestreiten. Aber der kompakte Klassiker aus Wolfsburg kann auch anders . . .




Von Thomas Flehmer

Brav und artig sieht er aus – der VW Golf. Als Vorzeigeauto steht die klassische Modellreihe seit Jahrzehnten für Zuverlässigkeit, aber auch Biederkeit. Wer Golf fährt, reiht sich ein in die Gesellschaft und wird ein tragendes Mitglied oder auch nicht – es interessiert nicht so sehr. Mit dem Golf GTE sind die Voraussetzungen anders.


VW Golf GTE zunächst lautlos unterwegs

Sicher das Design unterscheidet sich vom normalen Golf – aber auch nur sehr dezent. Die Schriftzüge sind blau unterlegt und sollen damit ausdrücken, dass sich der Kompaktwagen umweltfreundlicher bewegt als die Modellschwestern. Denn nach dem Starten hört man kein Motorengeräusch, lediglich in der Anzeige hinter dem Lenkrad erscheint ein „Ready“ als Zeichen dafür, dass der Golf fahrbereit ist. Denn zunächst ist elektrisches Fahren im „E-Modus“ angesagt und das ist – nicht nur beim Golf – ein Genuss.

Lautlos setzt sich der Golf GTE in Bewegung, lautlos geht es weiter. Erst in solchen Augenblicken wird einem bewusst, wie viel Lärm um einen herum ist, wenn man mit einem Verbrennungsmotor ausgerüstet auf Tour geht. Das elektrische Fahren dagegen beruhigt, auch wenn man an der Ampel den Kollegen das Heck zeigen kann, weil dem 75 kW/102 PS starken Elektromotor 350 Newtonmeter von Beginn an zur Verfügung stehen. Dabei drehen sich zahlreiche Fußgänger um, denn einen so leisen Golf sind sie nicht gewohnt.

VW Golf GTE bis 130 km/h rein elektrisch

Der VW Golf GTE ist in 3,5 Stunden wieder aufgeladen
Der VW Golf GTE ist in 3,5 Stunden wieder aufgeladen © VW

Und auch auf der Autobahn schlägt sich der GTE prächtig. Bis Tempo 130 bleibt der elektrische Vortrieb erhalten, ehe sich der 110 kW/150 PS starke und 1,4 Liter große Benziner einschaltet. Auf der auf Tempo 80 begrenzten Stadtautobahn hat der Verbrenner aber Pause. Jedenfalls solange der Akku ausreicht. Bei voller Ladung steht theoretisch eine Reichweite von 50 Kilometern zur Verfügung. Doch im Alltag waren es zwischen 30 und 35 Kilometer, die – auch bedingt durch das höhere Tempo auf der Stadtautobahn – zurückgelegt wurden. Die 20 Kilometer ins Büro hätten emissionsfrei zurückgelegt werden können, wenn während der Arbeitszeit der Golf rund 3,5 Stunden am Ladekabel gehangen hätte.

Doch sind die Ladesäulen noch nicht so weit verbreitet, sodass irgendwann zum Ende der Fahrt nach Hause der Hybrid-Modus einsetzte und der Benziner dabei auch wieder per Rekuperation die Batterie ein wenig füllte. Dadurch wurden dann die letzten Kilometer wieder rein elektrisch zurückgelegt und als „leiser Saubermann“ erreichte man das Ziel. Zwischen 16 und 20 Kilowattstunden hatte der elektrische Spaß gekostet, dafür stand beim Benzinverbrauch während der elektrischen Phase immer die Null. Aussteigen, Hut aufsetzen, der Feierabend ruft.

VW Golf GTE in 7,7 Sekunden auf 100

Die Karositze treffen nicht mehr jedermanns Geschmack
Die Karositze treffen nicht mehr jedermanns Geschmack © VW

Dann wird der Hut gegen die Lederjacke ausgetauscht und die Hornbrille gegen Kontaktlinsen – Mr. Hyde löst Dr. Jekyll ab. Denn der Golf GTE kann auch seine dunkle Seite zeigen und es mit einer Systemleistung von 204 PS krachen lassen – immerhin trägt der Golf nicht nur das „E“ im Namen, sondern auch das „GT“. Und im GTE-Modus sind innerhalb von 7,7 Sekunden die 100 km/h erreicht, bis 218 km/h würde der Kompakte die linke Autobahnspur blockieren.

Damit erreicht der GTE zwar kein GTI-Niveau, um sportlich unterwegs zu sein reicht es alle Mal – und die typischen GTI-Karositze, die die jüngere Generation nicht mehr ganz so toll findet wie ältere Semester, verstärken die Gefühle. Die angegebenen 6,1 Liter im Verbrauch können vernachlässigt werden. Acht Liter sind beim Krachen lassen locker drin. Fahrwerk, Lenkung, Sechsgang-DSG und Sitze sind dabei so optimal abgestimmt, dass die Wonne fast schon Überhand nimmt, so wohl fühlt sich nicht nur Dr. Jekyll, sondern auch Mister Hyde im GTE.

VW Golf GTE ab 36.900 Euro

Der VW Golf GTE ist kein billiges Vergnügen
Der VW Golf GTE ist kein billiges Vergnügen © VW

Krachen lässt es VW dann auch bei den Preisen. 36.900 Euro bedeuten den schon nicht gerade tief gelegenen Anfang. Fahrassistenz-Paket, Navigationssystem "Discover Pro", Parklenk-Assistent, Rückfahr-Kamera, schlüsselloses Schließ- und Start-System, Metallic-Lackierung und 18 Zöller katapultieren den Preis des Testwagens auf 45.454 Euro, da taucht Dr. Jekyll nicht mal am Rande auf.






Mehr zur Marke VW

Topmodell des Kleinwagens Sportliche Weihnachten mit dem VW Polo GTI

VW bringt nach dem neuen Polo auch die sportliche Variante noch in diesem Jahr auf den Markt. Der GTI wird mit den modernen Techniksystemen bestückt, behält aber auch noch die traditionellen Werte an Bord.


Streit eskaliertHändler fühlen sich von VW im Stich gelassen

Die VW- und Audi-Händler liegen mit dem Autobauer im Streit. Sie fühlen sich wegen der Dieselkrise im Stich gelassen.


Plus acht ProzentVW-Konzern mit starkem Absatzplus im August

Der VW-Konzern konnte im August seinen weltweiten Absatz deutlich steigern können. In Deutschland gab es indes Verluste, trotz Umweltprämie.



Mehr aus dem Ressort

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der Mini-SUV ein
Neues Mini-SUVKia Stonic: Tonangebend durch die trendige Harmonielehre

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der kleinen SUV ein. Auf dem optisch geländefähigen Ableger des Rio setzen die Koreaner ganz hohe Erwartungen.


VW vergrößert das Einsatzgebiet des Crafter
69 verschiedene Kombinationen des NutzfahrzeugsVW Crafter: Den Mount Everest ausgetrickst

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat dem Crafter neue Derivate zukommen lassen. Der im vergangenen Jahr zum Van of the Year gewählte Transporter wird beim Angebot trotzdem weiter nachlegen.


Der Ford F-150 Raptor greift auf 450 PS zurück
Pickup mit 450 PSFord F-150 Raptor: Exotisches Raubtier

Eigentlich ist der F-150 Raptor nur dem amerikanischen Markt vorbehalten. Doch einige Exemplare von Fords Vorzeige-Pickup verirren sich auch mal in die „Alte Welt“.