4. April 2016

Fahrbericht Agiler 2.0 TDI mit 150 PS VW Caddy Alltrack: Mehr als nur praktisch

Der VW Caddy Alltrack sieht ansprechend aus. Fotos ▶
Der VW Caddy Alltrack sieht ansprechend aus. © AG/Mertens

Der VW Caddy gehört zu den Autos, die einen überraschen. Er ist praktisch, fährt sich ausgesprochen anständig und sieht in der Alltrackversion gar nicht mal so schlecht aus. Mit einem Handwerker-Auto hat dieses Modell nicht viel gemein.




Von Frank Mertens

Ein VW Caddy? Wäre das was für Sie? Nein, nichts für mich. Ich gebe gern zu, dass auch ich zu denjenigen gehörte, die so reagiert haben. Dieses Auto ist etwas für Handwerker - oder für Familien, die zwar viel Platz wünschen, aber sonst nicht viele Ansprüche an ihr Auto stellen. Alles Vorurteile!

Nachdem ich jetzt zwei Wochen mit dem VW Caddy Alltrack 2.0 TDI 4Motion mit 150 PS unterwegs war, habe ich meine Meinung grundlegend geändert. Ja, der Caddy Alltrack ist ein Auto, das auch ich in die engere Kaufentscheidung einbeziehen würde.


Flotter Auftritt für einen Kastenwagen

Klar, auch der Caddy ist weiterhin ein Kastenwagen, aber schlecht sieht er deshalb nicht aus. Mit seinen Leichtmetallfelgen, der blauen Lackierung und seinen getönten Seitenscheiben schaut der VW Caddy durchaus flott aus. Auch im Innenraum setzt sich dieser positive Eindruck fort. Die Materialien sind wertig, die Stoffsitze mit dem Aufdruck Alltrack in den Kopfstützen bieten einen guten Seitenhalt. Sie sind zwar straff, aber keineswegs unkomfortabel.

Praktisch, die Schiebetüren
Praktisch, die Schiebetüren © AG/Mertens

Die Instrumente sind so, wie man sie auch von VW Pkw kennt - dem Modularen Querbaukasten (MQB) des Konzerns sei Dank. Wer einmal in einem VW gesessen hat, der findet auch im Caddy all das, was er bei den Wolfsburgern zu schätzen gelernt hat. Intuitive Bedienung, klar strukturierte Instrumente, die den Blick nicht vom Wesentlichen ablenken. Das ist alles so, wie man es sich wünscht.

Vor allem aber kommt einem dieser Caddy auch deshalb sofort sympathisch vor, weil man in ihn aufgrund seines erhöhten Fahrwerks so bequem einsteigen kann wie in einem Kompakt-SUV. Auch hier gebe ich gern zu, dass ich die erhöhte Sitzposition mit zunehmendem Alter immer mehr zu schätzen weiß.

Hohe Praktikabilität

Der 2.0 TDI leistet 150 PS
Der 2.0 TDI leistet 150 PS © AG/Mertens

Doch Aussehen ist das eine, Praktikabilität ist das eine - und hier kommen wir zu den wahren Stärken des 4,43 Meter langen, 1,79 Meter breiten und 1,86 Meter hohen Caddy. So bietet er nicht nur einen riesigen Laderaum von bis zu 3020 Litern. Dieser Platz steht dann zur Verfügung, wenn der Gepäckraum durch das einfache Hochklappen oder Herausnehmen der Sitze auf sein maximales Volumen anwächst. Im Normalzustand sind es immerhin noch beachtliche 750 Liter.

Wie die Fahrt zur Berliner Stadtreinigung zeigte, lässt sich mit diesem Auto auch der Keller des Hauses selbst mit sperrigen Gegenständen entrümpeln oder auch unbesorgt die Fahrt zu Ikea antreten. Eine Gepäckraumbodenlänge von 1,09 Metern hinter der zweiten und 1,78 Metern hinter der ersten Sitzreihe sind eine Ansage. Hier wird der Caddy seiner Herkunft als Nutzfahrzeug mehr als gerecht. Das hat schon was, einfach mal das Auto zu beladen, ohne sich darüber vielen Gedanken machen zu müssen, ob denn auch alles reinpasst. Derartige Probleme hat man in einem Caddy nicht. Zudem sitzen die Passagiere im Fond auf ihren drei Einzelsitzen leicht erhöht und schauen dem Fahrer über die Schulter – und macht damit auch so manchem SUV Konkurrenz.

Knorriger Diesel

Das Heck des Caddy mit seinem hohen Aufbau
Das Heck des Caddy mit seinem hohen Aufbau © AG/Mertens

Doch kommen wir zu den Fahrleistungen des 150 PS starken Vierzylinder-Diesels, der nur mit Sechsgang-DSG angeboten wird. Diese Kombination kommt dem entgegen. Er beschleunigt so ausgesprochen flott und kraftvoll (dafür sorgt ein maximales Drehmoment von 340 Nm) und ruckfrei, sodass man sich mehr als gut motorisiert fühlt. Der Diesel ist indes durchaus wahrnehmbar, vor allem wenn man das DSG in den S-Modus schaltet. Doch sei es drum – richtig störend ist das nicht.

Alles wirkt letztlich angenehm – auch wenn man dem Caddy letztlich auch wegen seiner Karosserieform nicht allzu viel Sportlichkeit in Kurven zumuten sollte. Dafür ist er nicht gemacht, doch der Caddy bleibt jederzeit Herr der Lage und bewahrt den Fahrer vor unliebsamen Überraschungen. Der Verbrauch wird kombiniert mit 5,4 Litern angegeben, im Realbetrieb lag er bei 6,8 Litern. Und der Fahrkomfort? Unauffällig – und das im positiven Sinn. Daran gibt es ebenso wenig auszusetzen wie an dem Angebot an Fahrsicherheitssystemen. So gehören ein Notbremsassistent ebenso zur Serienausstattung wie ein Front-Assistent. Eine adapative Geschwindigkeitskontrolle, eine Rückfahrkamera und ein Parklenkassistent lassen sich optional ordern – und sorgen damit für noch mehr Sicherheit.

Das alles hat – und damit kommen wir zum unerfreulichen Teil – seinen Preis: Für den von uns gefahrenen VW Caddy Alltrack mit 4Motion werden mindestens 34.896 Euro aufgerufen. Dass lässt einen schlucken und doch noch einmal nachdenken, ob ich wirklich zu denjenigen gehöre, für die der Kauf eines VW Caddy in Frage kommt – bei all seinen Vorteilen.






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