2. September 2015

Fahrbericht Neuer Dreizylinder Kia Ceed: Sinnvolle Ergänzungen

Kia hat dem Ceed neben einem neuen Motor auch ein DSG verpasst.
Kia hat dem Ceed neben einem neuen Motor auch ein DSG verpasst. © Kia

Kia hat der Überarbeitung der zweiten Generation des Ceed der technischen Seite besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ein neuer Dreizylinder ergänzt das Motorenangebot, dafür fällt die Wandlerautomatik weg.




Eigentlich – danach sah es aus – würde man an der zweiten Kia Ceed-Generation nichts mehr verbessern können. Die Verarbeitung war penibel, das Design dank Peter Schreyer attraktiv, und auch die Motoren konnten sich sehen lassen. Zumindest dieselseitig. Doch vor allem die müden Saugbenziner, die im Privatkunden-Bereich ja durchaus eine Rolle spielen, mussten auf den Prüfstand.


Kleiner Motor nur mit hoher Ausstattung

Ergebnis des Facelifts war allerdings kein Wegfall bestimmter Aggregate, sondern einfach eine Ergänzung: Die Ingenieure haben gemäß dem Downsizing-Trend einen direkteinspritzenden Turbobenziner mit exakt einem Liter Hubraum und drei Zylindern installiert. Und der macht sich auch gleich akustisch bemerkbar, ragt sirrend aus dem klanglichen Einheitsbrei der bisher noch überwiegend vierzylindrigen Brot- und Butterklasse.

Mit einem Einstandspreis von 22.390 Euro ist der 88 kW/120 PS starke Neuzugang indes teuer eingepreist. Später wird man den kleinen Otto mit einem Verbrauch von 5,2 l/100 km (120 g CO2/km) auch in Verbindung mit einer niedriger angesiedelten Ausstattungslinie anbieten. Derzeit gibt es ihn nämlich nur in der kostspieligen GT-Line.

Milder Boost im Kia Ceed

Zum Rennauto mutiert der Kia Ceed nicht
Zum Rennauto mutiert der Kia Ceed nicht © Kia

Das bleibt zu wünschen, denn die Maschine macht ihre Sache gut. Natürlich wird mit einem Einliter-Motor aus einem Kompaktklasseauto keine Rennsemmel. Dass es sich um einen Turbo handelt, merken nur sensible Fahrer. Der Boost setzt derart mild ein, hier könnte auch ein Sauger werkeln. Mit etwas Drehzahl erwacht das lebhafte Naturell und bringt den 1,3-Tonner behände in Fahrt.

Bei weitem weniger Neuigkeiten, aber kleine Änderungen ergeben sich für Selbstzünder-Kunden. Die Leistung steigt im Zuge der Euro 6-Umstellung von 128 PS auf nunmehr 100 kW/136 PS – das liegt eher noch Streuungsbereich, als dass man diesen Unterscheid verlässlich herausfahren könnte. Allerdings kommt mehr Dämmung zum Einsatz, um das Laufgeräusch zu minimieren. Außerdem entfällt der Wandlerautomat – stattdessen gibt es jetzt ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe aus eigener Entwicklung. Kaum zu glauben, denn es schaltet so sanft, dass der Unterschied zum Wandler im Alltag gar nicht auffällt. Nur das Anfahrverhalten ist aus technischen Gründen anders.

Kia Ceed mit sanftem Fahrwerk

Apropos sanft – dieses Attribut zieht sich wie ein roter Faden durch den Ceed. Auch die manuelle Sechsgang-Box lässt sich geschmeidig bedienen. Und das gilt keineswegs nur für das Umlegen des Schalthebels, auch beim Wiedereinkuppeln ruckt es nicht im Ansatz. Dann die Federung – endlich mal eine untere Mittelklasse, die nicht hart wie ein Brett über Bodenwellen poltert, sondern ordentlich etwas wegschluckt. Es muss nicht immer alles maximal sportlich sein. Doch dem Fitness-Trend mag sich natürlich auch Kia nicht entziehen, warum sonst hätte man die GT-Line mit potenteren Schwellern und allerhand optischer Differenzierungsmerkmalen eingeführt. Der Kunde scheint danach zu verlangen.

Ob er auch nach den ganzen heute möglichen Assistenten verlangt, sei dahingestellt. Jedenfalls gäbe es hier noch Aufholbedarf: Dinge wie autonomes Bremsen, eine aktive Lenkung sowie ein abstandsregulierender Tempomat fehlen derzeit. Immerhin gibt es die praktische Einparkautomatik, ein radarbasiertes Totwinkel-Warnsystem sowie Verkehrszeichen-Erkennung. Und beim Infotainment haben sich die Techniker eine feine Sache einfallen lassen: Das mittlere Segment des Instrumentariums kann als TFT-Fläche ausgeführt werden.

Kia Ceed harter Brocken bei der Bedienung

Kia Ceed mit überfrachtetem Cockpit
Kia Ceed mit überfrachtetem Cockpit © Kia

Dann sind dort verschiedene Informationen einblendbar, von den Bordcomputer-Daten bis zur Lotsenführung der Navigation. Letztere kann jetzt übrigens auch Echtzeit-Verkehrsdaten empfangen, was Umleitungsplanungen präziser und vielfältiger macht, denn bekanntermaßen können inzwischen ja auch Staus auf Landstraßen und in der Stadt aufgespürt werden. Sogar das aktuelle Wetter lässt sich abrufen.

Was die Technik angeht und insbesondere die Bedienung, so bleibt der Ceed ein harter Brocken: In den piekfein verarbeiteten Armaturen sind so viele Knöpfchen eingelassen, dass es erst ein paar Lernstunden braucht, um alles fix steuern zu können. Selbst das wertige Lederlenkrad mit den doppelten Nähten ist gespickt mit Drucktasten. Doch es soll auch Menschen geben, die solche Knöpfchen-Landschaften lieben. Dann werden sie auch den Kia Ceed lieben lernen, der im Endergebnis ein wirklich tolles Auto ist. (SP-X)






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