8. Februar 2012

Fahrbericht Prädestiniert für lange Touren VW Touareg V6 TDI: Trotz Größe zurückhaltend

Der VW Touareg tritt zurückhaltender auf als die Geschwister
Der VW Touareg tritt zurückhaltender auf als die Geschwister © VW

Der VW Touareg geht im allgemeinen Straßenverkehr sicher nicht unter. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern Porsche Cayenne und Audi Q7 strahlt das SUV aus Wolfsburg aber eher eine nüchterne Eleganz aus.




Von Holger Holzer

Wer bei VW ein Auto mit Reisequalitäten und Prestige sucht, greift in der Regel nicht zum Phaeton. Auch wenn die Oberklasselimousine unbestrittene Qualitäten hat, fällt die Wahl doch eher auf den VW Touareg. Das große SUV ist zwar ein ausgewachsener Geländewagen, entwickelt seine wahren Tugenden aber auf der langen Autobahntour.


VW Touareg setzt auf Gediegenheit

Im Gegensatz zu seinen Cousins Porsche Cayenne und Audi Q7 bietet der Wolfsburger zwar allein durch pure Größe Prestige, Schelte als Öko-Sünder fährt er aber deutlich seltener ein als seine polarisierenden Verwandten. Das liegt neben dem harmloseren Markenimage vor allem an seiner eher zurückhaltenden Natur. Statt auf oberflächliche Sportlichkeit setzt der Touareg auf Gediegenheit und – soweit das einem SUV überhaupt möglich ist – auf stille Eleganz. Keine obszön aufgerissenen Kühlergrill-Schlunde heischen Aufmerksamkeit, keine coupéhaften Linien simulieren Sportwagenflair. Stattdessen herrscht VW-typisch gefällige Nüchternheit.

Der unprätentiöse Eindruck setzt sich innen fort. Wer die hüfthoch über dem Boden liegenden Sitze erklimmt, findet sich sofort zurecht. Die Bedienung ist selbsterklärend und alles liegt gut zur Hand – keine Selbstverständlichkeit bei Hightech-Mobilen, die zudem noch mit zahlreichen Fahrhilfen für das Gelände ausgestattet sind. Selbst das verwinkelte Menü des Bord-Infotainment-Systems gibt keine Rätsel auf. Einrichtung, Verarbeitung und Materialauswahl sind hochwertig und müssen sich vor den beiden Premiummobilen aus der Verwandtschaft nicht verstecken.

Überzeugendes Platzangebot im VW Touareg

Beinfreiheit auf allen Sitzen im VW Touareg
Beinfreiheit auf allen Sitzen im VW Touareg © VW

In Sachen Platzangebot überzeugt der 4,80 Meter lange Touareg naturgemäß ebenfalls. Selbst hinten herrscht eine Beinfreiheit wie sie auch der Phaeton kaum toppen kann. Das Gepäckabteil schluckt selbst das Kofferaufgebot für einen mehrwöchigen Urlaub problemlos.

Steht eine längere Tour an, sollte der kürzeste Weg auf die Autobahn gewählt werden. Denn im Stadtverkehr wirkt der große VW wie ein schwerfälliger Saurier. Das fängt damit an, dass knapp zwei Meter Fahrzeugbreite ohne Spiegel das Öffnen der Türen in normal großen Parklücken zum Mikado-Spiel machen und endet nicht damit, das in den diversen toten Winkeln gleich ganze Grüppchen von Radfahrern verschwinden. Wer sich beim Einparken nicht auf sein Gefühl verlassen will, sollte unbedingt die aufpreispflichtige Rückfahrkamera wählen (490 Euro).

VW Touareg in der Stadt eher unübersichtlich

Eine Rückfahrkamera sollte beim VW Touareg an Bord sein
Eine Rückfahrkamera sollte beim VW Touareg an Bord sein © VW

Hat sich der Touareg aus dem Großstadtgewusel freigeschwommen, wird er jedoch zur Wellnesszone. Verkehrslärm und Fahrgeräusche hält die sorgfältige Dämmung draußen, die gut abgestimmte Federung löscht auch die Auswirkung der Budgetkrisen bei Deutschlands Straßenbaubehörden aus dem Bewusstsein. Bereits der Einstiegsdiesel mit sechs Zylindern, drei Litern Hubraum und 150 kW/204 PS Leistung ermöglicht souveränes Gleiten. Steht ein Überholvorgang an, sorgt die aufmerksame Achtgangautomatik für prompte Drehmomentlieferung an die vier Räder. Maximal 450 Nm stehen zur Verfügung. Lediglich am Berg und wenn es mal ganz schnell gehen soll, kommen einem die Motor-Alternativen in den Sinn, die bis zu 250 kW/340 PS und 800 Nm Drehmoment bereitstellen.

An der Tankstelle kommt man dann aber wieder zur Vernunft. Ein Normverbrauch zwischen neun (sparsam) und elf Litern (normal bis flott) je nach Fahrweise geht für ein mehr als zwei Tonnen schweres Auto mit allem möglichen Optionslisten-Schnickschnack zwar in Ordnung. Wer statt eines SUV eine Oberklasselimousine fährt, kommt aber deutlich billiger davon. Zwar könnte der Touareg im Gegensatz zu diesen auch ins Gelände – aber wer will das den edlen Ledersitzen und dem fein gewebten Veloursteppichboden wirklich zumuten?

SUV-Vorbehalte bleiben auch beim VW Touareg

Der VW Touareg beginnt bei 49.600 Euro
Der VW Touareg beginnt bei 49.600 Euro © VW

Unterm Strich kann der mindestens 49.600 Euro teure VW Touareg die üblichen Vorbehalte gegen SUV eben nicht aushebeln. Für strapaziöses Gelände ist er einfach zu schade, als Reiselimousine zu durstig. Wer aber auch unausgeschöpfte Offroad-Potenziale goutiert und auf pure Größe steht, findet in dem luxuriösen Wolfsburger eine vergleichsweise elegante Alternative. (SP-X)






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