2. September 2009

Fahrbericht Mazda 3 MPS Japanische GTI-Gefühle

Japanische Antwort auf den Golf GTI
Japanische Antwort auf den Golf GTI © Mazda

Mazda hat das sportliche Flaggschiff der 3er-Reihe erneuert. Mit 260 PS weist nur noch der Ford Focus RS mehr Kraft in der seriellen Kompaktklasse auf.




Schwere Zeiten fordern ihren Tribut. Für die Sportler in der Kompaktklasse ist es nicht unbedingt die Wirtschaftskrise, die dem Golf GTI, Ford Focus RS oder dem Opel Astra OPC das Leben schwer macht. Schon vor zwei Jahren war der Markt rückläufig. 5647 Autofahrer entschieden sich 2008 für ein Kompaktklassenfahrzeug mit 200 PS oder mehr. Für die meisten stellt sich die Frage nach einem Alltagsboliden überhaupt nicht mehr, sei es wegen finanzieller oder umweltpolitischer Aspekte. Endzeitstimmung herrscht in dem auserlesenen Kreis vor. Diesem schwierigen Marktumfeld stellt sich nun auch der Mazda 3 MPS, der drei Jahre nach der Markteinführung in einer kleinen Neuauflage neue Glanzpunkte setzen soll.


Lufteinlass auf Power-Dome

Besonders der breite Lufteinlass auf dem Powerdome der Kühlerhaube erinnert an die Modelle, die Mel Gibson in seiner Paraderolle «Mad Max» durch die australische Wüste jagte. Neben der optischen Potenz dient der Lufteinlass vornehmlich der Verbesserung der Kühleffizienz des Triebwerks. Auch der Kühlergrill wurde neu gestaltet. Anstatt des Gitters des Vorgängers, das stark an den Golf GTI erinnerte, setzten die Japaner nun Lamellen ein. Dank der in schwarz gefassten Nebelscheinwerfer und den zylindrisch geformten Scheinwerfern samt Kurvenlicht erzeugt der Alltagsbolide einen kraftvolleren Auftritt als der sportliche Klassiker aus Wolfsburg, reicht aber nicht an den Ford Focus RS heran, auch wenn der Heckspoiler ebenso auffällt wie beim 305 PS starken Modell der Kölner.

Auch die obligatorische Tieferlegung ist mit zehn Millimetern dezent ausgefallen, erzeugt aber mit der verbesserten Radaufhängung, dem modifizierten Fahrwerk und einer größeren Versteifung für einen angenehmen Fahrkomfort, auch bei hohen Geschwindigkeiten. Die elektronische Lenkung hemmt das Drehmoment von 380 Newtonmeter bei 3000 Umdrehungen pro Minute sobald das Lenkrad bewegt wird. Unterstützt wird so der eher ungeübte Fahrer, der die Kraft von 191 kW/260 PS noch nicht richtig einzuschätzen weiß. Zum Schlappi mutiert die Fahrmaschine aber keineswegs. 6,1 Sekunden dauert der Sprint von 0 auf 100 km/h. 1460 Kilogramm, die sich auf 4,51 Meter verteilen, lassen sich bis zur elektronisch abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bewegen. 9,6 Liter Superplus soll der Mazda dann verbrauchen.

Neu kalibrierter Motor

Der Lufteinlass auf der Motorhaube dominiert - zumindest die ersten Augenblicke
Der Lufteinlass auf der Motorhaube dominiert - zumindest die ersten Augenblicke © Mazda

Doch dieser Wert ist lediglich als Richtwert zu sehen, im alltäglichen Gebrauch können knapp drei Liter mehr auf 100 Kilometern eingeplant werden. Denn die 260 PS sind mit dem ersten Niederdrücken des Gaspedals spürbar und fordern den Fahrer fast ständig heraus, dem schnellen Vortrieb zu frönen. Anders als beim Focus RS schmiegt sich der 3er MPS auch jenseits der 220 km/h noch an den Asphalt an und dämpft jegliche Stöße ab.

Während der GTI hier an seine Grenzen stößt, lässt sich die japanische Fahrmaschine noch weiter kitzeln ohne beim Fahrkomfort und sportlichen Fahrverhalten Abstriche machen zu müssen. Der neu kalibrierte 2,3 Liter große Turbo-Benzindirekteinspritzer mit Euro 5 arbeitet auch in den Höchstbereichen mit einem sportlichen Sound, der zwar einerseits gut vernehmbar, andererseits überhaupt nicht störend in den Innenraum geblasen wird.

Praktischer Nutzen inklusive

Sportliche Akzente im Innenraum
Sportliche Akzente im Innenraum © Mazda

Das Cockpit selbst setzt sich mit rotem Grafikdesign auf den Teilleder-Sitzen sowie roten Nähten am Lenkrad oder Schaltknauf vom normalen Serien-3er ab. Ein Einstiegsbeleuchtungssystem begrüßt die Einsteigenden, eine Ladedruckanzeige in der Mitte der rot beleuchteten Instrumente verstärkt die Sportwagenidylle auf der linken Autobahnspur ebenso wie auf kurvigen Landstraßen.

Doch auch der praktische Nutzen wird nicht vernachlässigt, da der Sportler die Vorteile des normalen Dreiers übernommen hat. So können sich bis zu fünf Insassen bequem im Innenraum tummeln, und auch auf das Gepäck braucht bei einem Kofferraumvolumen von 340 Litern nicht verzichtet werden, wenn man vorher bereit ist 27.400 Euro für den dann schon fast vollständig ausgestatteten Mazda 3 MPS zu investieren.

Kurze Aufpreisliste

Der Heckspoiler darf nicht fehlen
Der Heckspoiler darf nicht fehlen © Foto: Mazda

720 Euro könnten noch für das kleine, aber praktische Navi dazukommen oder 2400 Euro für das so genannte Plus-Paket mit Bose Soundsystem. Damit startet der 3er MPS 900 Euro teurer als der GTI, weist aber dabei 50 PS mehr auf und bietet noch mehr Fahrspaß als der Bestseller. Doch die Nachfrage bleibt bescheiden. In den ersten drei Jahren wurden rund 1200 Fahrzeuge in Deutschland verkauft und auch im ersten Jahr rechnet Mazda lediglich mit den durchschnittlichen 400 Verkäufen. Schwere Zeiten fordern halt ihre Tribute.






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