15. November 2006

Fahrbericht Freelander 2 Td4: Land Rovers neuer Kleiner

Gesicht in der Menge: Freelander 2 von Land Rover
Gesicht in der Menge: Freelander 2 von Land Rover © Foto: Press-Inform

Mit dem Freelander 2 will Land Rover BMW X3 und Nissan X-Trail attackieren. Neue Technik verbirgt sich unter einer nur behutsam modifizierten Hülle.




Von Stefan Grundhoff

Jeep und Land Rover sind die Altväter der Geländewagenklasse. Doch gerade bei den beliebten SUVs mittlerer Größe hatten beide Hersteller den Trend lange Zeit verschlafen. Sie setzten allein auf urwüchsige Allradtechnik - und schauten in die Röhre. Doch jetzt präsentiert Jeep mit Compass und Patriot ein übergreifendes Crossover-Duett.


Ausnehmend geländegängig

Land Rover hingegen will mit dem Freelander 2 einen großen Wurf landen. Wer die Optik des neuen Einsteiger-Briten beäugt, der würde allerdings eher auf eine gründliche Modellpflege tippen als auf ein neues Modell. Dabei blieb beim Freelander 2 kein Stein auf dem anderen. Motoren, Allradtechnik, Innenraum, Fahrwerk und Komfort - der Land Rover der neuesten Generation ist kaum wieder zu erkennen.

Das Designteam hat sich bemüht, den Freelander 2 optisch etwas klarer zu gestalten und den größeren Modellen Range Rover Sport und Discovery 3 anzugleichen. Das ist gelungen, trotzdem steht er nach wie vor etwas zu hochbeinig auf der Straße. Ein bulliges Gesicht oder ein etwas kraftvolleres Hinterteil würden dem knapp 1,8 Tonnen schweren Alleskönner den Weg in die Kundenherzen wohl noch leichter machen. Denn die Konkurrenz kann guten Gewissens als eine der stärksten im Automobilmarkt bezeichnet werden. BMW X3, Toyota RAV4, Hyundais Santa Fe oder der beliebte Nissan X-Trail werden es dem Land Rover schwer machen zu glänzen.

Einen ausgeprägten Hang zu Geländefahrten hat die zumeist aus der Kombiklasse aufgestiegene SUV-Kundschaft in der Regel nicht. Dabei ist Geländegängigkeit eine Fähigkeit, mit der der Freelander 2 glänzen kann. Kurze Überhänge und Rampenwinkel von 31 beziehungsweise 34 Grad lassen den Briten eindrucksvoll spielen.

Souveräner als der Vorgänger

Hinzu kommt das aus den größeren Modellen bekannte Allradsystem Terrain Response mit fest wählbaren Programmen - auch hier der Schlüssel zum Erfolg. Im Vergleich zu Discovery 3 und Range Rover fehlt allein die zusätzliche Luftfederung. Das gleicht der Brite jedoch mit einem deutlich geringeren Gewicht zumindest teilweise wieder aus. Auf der Straße fährt er sich souverän und deutlich fahraktiver als sein bockiger Vorgänger. Neben der direkten Lenkung kann gerade die präzise Sechsgang-Handschaltung überzeugen. Die Feder-Dämpfer-Abstimmung ist alles andere als hart, trotzdem ist man nicht zu weich oder gar schwammig unterwegs. Das hilft bisweilen im Gelände, sorgt jedoch für spürbare Wankbewegungen bei Kurvenfahrt.

Gediegene Sachlichkeit: Das Cockpit des Freelander 2
Gediegene Sachlichkeit: Das Cockpit des Freelander 2 © Foto: Press-Inform

Insbesondere die Triebwerke sind ein Quantensprung im Vergleich zum Vorgänger. Erwartetes Volumenmodell ist der Td4-Motor, der modifiziert aus dem Ford Mondeo übernommen wurde und 118 kW / 160 PS und 400 Nm Drehmoment leistet. Er soll sich nach Aussagen von Land Rover mit 7,5 Litern auf 100 Kilometern zufrieden geben. Der Vierzylinder läuft dezent im Hintergrund, hängt kraftvoll am Gas und bietet auf Straße wie im Gelände genügend Dampf. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 181 km/h. Bis Tempo 100 vergehen 11,7 Sekunden.

Wer etwas mehr Dampf möchte, kann einen quer eingebauten Reihensechszylinder wählen, der zusammen mit Volvo entwickelt wurde. An das bekannte Schwedenaggregat mit 2,5 Litern Hubraum wurde einfach eine Brennkammer angehängt. So verfügt der i6 über 3,2 Liter Hubraum, 171 kW / 233 PS und jede Menge Drehvermögen. 11,2 Liter Super auf 100 Kilometer dürften die meisten Kunden jedoch zum Diesel greifen lassen. Dafür schafft der Benziner 200 km/h Spitze und den Sprint von null auf 100 km/h in 8,9 Sekunden.

Unter 30.000 Euro geht nichts

Ebenso groß wie sich die Unterschiede auf der Motorenseite darstellen, so viel hat sich auch im Innenraum getan. Größere Ähnlichkeiten zum Range Sport sind gewollt und schonen die Betriebskasse des Herstellers. Gestartet wird per Knopfdruck, ein schlüsselloser Zugang ist jedoch nicht verfügbar. Im aufgeräumten Cockpit liegt alles ordentlich zur Hand. Die Sitze sind bequem und das Platzangebot ist nicht zuletzt wegen des 2,66 Meter großen Radstandes vorne wie hinten mehr als großzügig. Zu bemängeln sind allerdings lieblose Kunststoffapplikationen und ein nicht höhenverstellbarer Beifahrersitz. Der Kofferraum ist mit einem Fassungsvermögen zwischen 755 und 1670 Litern sehr ordentlich. Wem das nicht reicht, der packt sich noch ein paar Koffer aufs Dach oder nimmt bis zu zwei Tonnen an den Haken. Den Einsatzmöglichkeiten sind daher nur wenig Grenzen gesetzt.

Kantig: Heckansicht der Land Rover Freelander 2
Kantig: Heckansicht der Land Rover Freelander 2 © Foto: Press-Inform

Land Rover will sich zum Marktstart im März 2007 mit dem neuen Freelander 2 mit den Besten der Klasse messen. Doch Premium kostet. Der Basispreis für den karg ausgestatteten Freelander 2 Td4 E liegt bei 30.900 Euro und somit auf Augenhöhe von BMW X3 und Toyota RAV4. Zumindest die Ausstattungsvariante SE sollte es daher schon sein. Doch dann liegt man für den kraftvollen Diesel bereits bei mindestens 37.500 Euro - wohlgemerkt ohne Automatikgetriebe, das ab Mai 2007 verfügbar sein soll. Das Topmodell HSE liegt bei knapp 41.000 Euro - und der 233 PS starke Benziner noch eine Klasse darüber. Hier geht es mit dem Land Rover Freelander i6 S bei 38.800 Euro los - die Topversion kostet exakt 45.000 Euro. Wohlgemerkt - man ist in der SUV-Mittelklasse unterwegs. Doch solche Preise haben schließlich einem BMW X3 als Klassenprimus auch nicht geschadet.






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