30. März 2012

Fahrbericht Fahrzeug für Avantgardisten Lancia Delta: Mit Abstrichen zum Genießen

Der Lancia Delta bietet auf seine Weise Außergewöhnliches
Der Lancia Delta bietet auf seine Weise Außergewöhnliches © Lancia

Der Lancia Delta verbindet Noblesse und Alltag miteinander. Kompromisse müssen bei dem Kompaktklasse-Wagen allerdings auch in Kauf genommen werden.




Von Jens Meiners

Nobel war der Lancia Delta schon immer, mit seinem aktuellen Karosseriekonzept ist er auch besonders praktisch: Der Italiener präsentiert sich als Fahrzeug für Avantgardisten und Kunden, die nach intelligenten Alternativen suchen. Mit 4,52 Metern Länge und 1,50 Metern Höhe sprengt der Italiener das Format der Kompaktklasse, bietet dafür jedoch sehr großzügige Platzverhältnisse. Das Kofferraumvolumen liegt je nach Position der verstellbaren Rückbank zwischen 380 und 465 Litern; es lässt sich auf bis zu 1190 Liter erweitern. Zugang verschaffen vier weit öffnende Türen und eine große Heckklappe.


Kompromisse im Innenraum des Lancia Delta

So gut das Interieur zugänglich ist, so luxuriös wirkt die Ausstattung. Bei der Spitzenvariante Platinum sind nicht nur die Sitze, sondern auch die Armaturentafel mit Leder der renommierten Manufaktur Poltrona Frau bezogen. Besonders nobel wirkt die Innenausstattung in blau - diese selten gewordene Farbe wird ansonsten eigentlich nur noch bei wenigen Luxusfahrzeugen angeboten.

Leider zieht sich der Qualitätseindruck nicht durch das gesamte Interieur hindurch. An verschiedenen Stellen ist zu spüren, dass bei den Italienern inzwischen knapp kalkuliert werden muss. Dennoch hebt sich der Delta in sehr wohltuender Weise von den langweiligen, grauen Angeboten fast aller Konkurrenten ab.

Sicherheits-Eldorado im Lancia Delta

Edler Innenraum im Lancia Delta
Edler Innenraum im Lancia Delta © Lancia

Keine Abstriche sind gegenüber den deutschen Konkurrenten bei den Assistenzsystemen hinzunehmen - im Gegenteil. Wer sich für rechnergestützte Überwachungsfunktionen und Eingriffe begeistern kann, findet im Delta sein Eldorado - bis hin zum Griff ins Lenkrad, der unaufmerksame Fahrer in der Spur halten soll.

Die Fahrdynamik kommt ebenfalls nicht zu kurz. Der 140 kW/190 PS starke Dieselmotor des Topmodells geht mit großem Nachdruck ans Werk und bringt den Delta nach kurzem Anlauf auf hohes Autobahntempo. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in 7,9 Sekunden, die Spitze liegt bei stolzen 222 km/h. Dabei ist das 1,9-Liter-Aggregat leise und sparsam: Im EU-Mix werden auf 100 Kilometern nur 5,7 Liter Diesel durch die Einspritzanlage befördert, im Test war es bei zurückhaltender Fahrweise gerade mal ein Liter mehr.

Lancia Delta als Reisemaschine

Exquisit geht der Lancia Delta auf die Reise
Exquisit geht der Lancia Delta auf die Reise © Lancia

Obwohl unser Testwagen ausgesprochen gut motorisiert war, sind fahrdynamische Exzesse nicht seine Sache. Fahrwerk und Lenkung wurden eher komfortabel abgestimmt, gegen Aufpreis gibt es allerdings eine elektronische Dämpferregelung, mit der nachgeschärft werden kann. Dennoch: Der Delta ist vor allem ein Auto zum Genießen und zum komfortablen Reisen. Die Gene der legendären Integrale-Modelle sind verlorengegangen.

Mit dem Slogan "Distanz zur Masse" bewarb Lancia einst seine fein ausgestatteten Designerstücke. Damals mussten griechische Lettern genügen, um den Betrachter über die Bezeichnung der Baureihe zu informieren. Heute schreibt man die Modellbezeichnung vorsichtshalber aus. Sogar die Ausstattungslinien Argento, Oro und Platino wurden jüngst zu Silver, Gold und Platinum profaniert. Man bewegt sich inzwischen - um es zeitgemäß zu formulieren - in Rufweite zum Mainstream. Nun muss es die umworbene Masse nur noch merken. Als Lancia noch den aristokratischen Stil pflegte, lagen die Verkaufszahlen um ein Vielfaches höher. (SP-X)






Mehr zur Marke Lancia

Lancia

Vincenzo Lancia gründete 1906 das Unternehmen, das später die erste selbsttragende Karosserie kreierte. 1969 übernahm Fiat das Unternehmen, das besonders im Rallyesport Erfolge feierte. Seit 2009 gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Chrysler, die allerdings den Niedergang der Marke nicht aufhalten konnte. Fiat-Chef Sergio Marcionne kündigte an, nur noch den Kleinstwagen Ypsilon anzubieten – und das auch nur noch in Italien.


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