20. September 2011

Fahrbericht Laufruhiger Dreizylinder VW up!: An der Konkurrenz vorbei

© VW

VW will ab Dezember mit dem up! das Kleinstwagensegment neu definieren. Eine erste Probefahrt zeigt: Die Konkurrenz dürfte das Nachsehen haben.




Von Michael Specht

Selten ist ein kleines Auto mit so großer Spannung erwartet worden wie der Volkswagen up!. Selten sind aber auch die Erwartungen an VWs Lifestyle-Mini größer gewesen. Kein Wunder, schließlich hat Volkswagen bereits 2007 mit der gleichnamigen Konzeptstudie gezeigt, wie man sich in Wolfsburg einen zeitgemäßen und schicken Kleinstwagen vorstellt: modern, aber nicht modisch, vernünftig, aber nicht verspielt, qualitativ hochwertig und äußerst sparsam.


Laufruhigster Dreizylinder im Segment

Doch bis zur Serie war es ein beschwerlicher Weg. So planten die Entwickler anfangs, den up! mit einem Motor im Heck zu bauen. Doch schnell zeigte sich, dass dieses Konzept auf ein viel zu teures Abenteuer hinauslaufen würde. Zu wenig Gleichteile, keine Kompatibilität mit anderen Baureihen und eine schlechtere Raumausnutzung zwangen VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg zur Umkehr.

Jetzt steht der up! ganz konventionell auf seinen Rädern, mit Frontmotor und Frontantrieb. Zwar sind Dreizylinder mit 1,0 Liter Hubraum in dieser Fahrzeugklasse weit verbreitet, doch keinem der Konkurrenten ist es bisher gelungen, einen solchen Motor so laufruhig abzustimmen wie jener im up!. Nur mit leicht knurrigem, aber sympathischem Unterton geht der Leichtmetallmotor – es gibt ihn mit 50 kW/68 PS und 55 kW/75 PS – zu Werke.

Ab 2013 fährt der VW up! elektrisch

Frisches Ambiente im VW up!
Frisches Ambiente im VW up! © VW

Der City-Flitzer überrascht zudem mit einer spielend leichten Fünfgangschaltung, hohem Abrollkomfort, wenig Windgeräuschen und einer sehr gut abgestimmten Federung. Nie kommt das Gefühl auf, in einem Kleinstwagen zu sitzen, geschweige denn, in einem billigen. Wieder einmal zeigen die Wolfsburger, dass es auch anders geht. Keine Spur von Hartplastik und Lieblosigkeit, stattdessen ein nobles Ambiente, ein klar gezeichnetes und sehr funktionales Cockpit und eine zumindest in den höheren Versionen lackierte Armaturentafel.

Mit einem Verbrauch von 4,2 und 4,3 Litern unterschreiten die beiden Dreizylinder laut VW die CO2-Marke von 100 g/km und zählen damit zu den sparsamsten Benzinern überhaupt. Auf einen TDI-Diesel – eigentlich die Domäne des Wolfsburger Konzerns – verzichtete man aus Kostengründen. Zudem haben Selbstzünder in dieser Klasse eine nur sehr geringe Bestellquote. Stattdessen wird es den up! ab nächsten Sommer auch in einer Erdgasvariante mit 50 kW/68 PS geben, die mit Blue Motion-Technik auf einen CO2-Ausstoß von nur 79 g/km kommt. Ab 2013 surrt VWs Kleinster sogar elektrisch durch die City.

VW up! verfügt über City-Notbremsfunktion

Optional gibt es beim VW up! einen Notbremsassistenten
Optional gibt es beim VW up! einen Notbremsassistenten © VW

Trotz seiner kompakten Außenmaße bietet der up! innen enorm viel Platz. Vier Erwachsene können bequem sitzen. Hinter der Rückbank bleiben 251 Liter Kofferraum. Liegen die geteilten Lehnen flach, sind es sogar 951 Liter. Viel mehr haben Vertreter der Polo-Klasse auch nicht zu bieten; erst recht nicht beim Thema Multimedia. VW hat zusammen mit Navigon einen einsteckbaren Bildschirm entwickelt, mit dem man per Touchscreen Navigation, Telefon und die Musikanlage steuern kann. Das Portable Infotainment Device (PID) soll rund 400 Euro Aufpreis kosten und kann über spezielle Apps mit einer Vielzahl von Zusatzfunktionen aufgerüstet werden.

Auch in Sachen Sicherheit will VW weiterhin Maßstäbe setzen. Optional gibt es – einmalig in diesem Segment – daher eine City-Notbremsfunktion, die per Lasersensorik eine drohende Kollision erkennt und bis Tempo 30 eine Vollbremsung auslöst und so Auffahrunfälle verhindern kann.

Bei 9850 Euro beginnt der VW up!

Der VW up! wird in Bratislava gebaut
Der VW up! wird in Bratislava gebaut © VW

Bei 9850 Euro startet der 3,54 Meter kurze Dreitürer. Damit gilt der in Bratislava gebaute Volkswagen ganz klar als Eroberungsmodell, das neue, vor allem junge Kunden an die Marke binden soll. Welch große Rolle der jüngste Spross im Konzern spielt, lässt sich auch an der aufwändigen Markteinführungskampagne ablesen, die VW plant. Man will europaweit und zeitgleich nicht weniger als bei 100 Fernsehsendern und in noch mehr Zeitungen und Zeitschriften Werbespots schalten und damit über 95 Prozent der potenziellen up!-Kunden erreichen. (mid)

Zur Bilderschau des VW Up






Mehr zur Marke VW

Trotz Kosten für AbgasskandalVW setzt sich ehrgeizigere Ziele

Der VW-Konzern hat seine Umsatzziele trotz der Kosten für den Abgasskandal erhöht. So soll der Umsatz bis 2020um 25 Prozent steigen.


Von 2018 bis 2022VW investiert 34 Milliarden Euro in Elektromobilität

Der VW-Konzern investiert massiv in die Elektromobilität und Mobilitätsdienste. Von 2018 bis 2022 werden es 34 Milliarden Euro sein.


Synergieeffekte über 1,9 Milliarden EuroVW erreicht Ziele des Zukunftspaktes früher

Die Marke Volkswagen hat ein Jahr nach dem Unterzeichnen des Zukunftpaktes ein positives Zwischenfazit gezogen. Dabei wurden die gesetzten Ziele knapp verfehlt oder sehr viel früher erreicht.



Mehr aus dem Ressort

Marktstart im Frühjahr 2018Volvo XC40: Cool sein hat seinen Preis

Volvo will wachsen – und dazu beitragen soll insbesondere das Kompakt-SUV XC40. Er wird im März auf den Markt kommen. Das Auto bringt alles mit, um ein Erfolg zu werden. Wenn da nur nicht der Preis wäre.


Der VW Golf GTI TCR darf nur auf Rennkursen bewegt werden
Bei Seat gebautVW Golf GTI TCR: Nur für die Rennstrecke

65 Prozent aller Bauteile sind identisch mit einem normalen Serienmodell. Trotzdem darf der VW Golf GTI TCR nicht am Alltagsverkehr teilnehmen – und das ist auch gut so.


Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.