11. Juni 2013

Fahrbericht Ältere Zielgruppe im Visier VW Golf Plus 1.6 TDI: Einfach praktisch

Der VW Golf Plus zielt auf eine ältere Kundschaft.
Der VW Golf Plus zielt auf eine ältere Kundschaft. © VW

Der VW Golf Plus läuft noch in der alten Generation vom Band. Trotzdem ist der größere Bruder des kompakten Klassikers für viele der bessere Golf.




Während der VW Golf bereits in der siebten Generation die Straßen der Welt befährt, läuft sein etwas höher bauender Bruder mit dem "Plus" in der Modellbezeichnung noch in der alten Generation von den Bändern. Er muss also ohne die Vorzüge des modularen Querbaukastens auskommen. Wir wollten in einem Alltagstest herausfinden, ob das den Kunden wirklich stören könnte.


Höhere Sitzposition im VW Golf

Zugegeben, richtig schick ist der Golf Plus nicht. Gegenüber einem normalen Golf wirkt er nachgerade pummelig und wenn man ihn in der falschen Farbe kauft, zum Beispiel in einem nur bedingt lebhaften Mausgrau, strahlt er bestenfalls den praktischen Charme einer Kittelschürze aus. Weil in seinem Fall Farbe hilft, wirkt er im Rot des Testwagens gleich viel freundlicher und pfiffiger. Und pfiffig ist der richtige Begriff für den hochbauenden Kompakten.

Das Auto ist einfach praktisch und nicht wenigen Käufer der bessere Golf. Man sitzt etwas höher und steigt eine Spur bequemer ein. Auch hinter langgewachsenen Fahrern ist noch ordentlich Beinraum vorhanden, was man längst nicht von jedem Kompaktwagen sagen kann, zumal er mit einer Länge von 4,20 Metern heute zu den kürzeren Exemplaren seiner Spezies zählt. Der Kofferraum fasst zwischen 305 und 1450 Litern, je nachdem, ob man das Fach unter dem Boden mitzählt, und die Rückbank umklappt oder verschiebt.

VW Golf Plus 1.6 TDI ab 25.625 Euro

Unser Testexemplar rollte mit dem 1,6-Liter-Diesel vor und kostet in der besser ausgestatteten Life-Version (unter anderem Klimaautomatik, Parkpilot) 25.625 Euro. Der kleine Selbstzünder leistet 77 kW/105 PS und ist das Basistriebwerk. Immerhin 250 Newtonmeter stemmt der Vierzylinder zwischen 1500 und 2500 Touren an die Kurbelwelle. Es gibt heute kleinere Motoren, die mehr leisten, was der Kraft dieses TDI aber keinen Abbruch tut.

VW verspricht einen Normverbrauch von 4,8 Litern. Wir benötigten auf einer längeren und schnell absolvierten Dienstreise glatte 6 Liter. Dabei bewegten wir den Golf Plus eher nicht standesgemäß mit hohem Vollgasanteil und nutzten die Höchstgeschwindigkeit von 184 km/h häufig aus.

Verbrauchsangaben des VW Golf Plus in Reichweite

Über zwölf Sekunden benötigt der VW Golf Plus für den Sprint
Über zwölf Sekunden benötigt der VW Golf Plus für den Sprint © VW

Bewegt man ihn eher so, wie es die meist etwas ältere Kundschaft vormacht, bleibt man mit 5,2 Litern nicht weit weg von der Normangabe. Dann stört es auch nicht, dass der Plus-TDI sich relativ gemächliche 12,1 Sekunden Zeit lässt, um auf Landstraßentempo zu beschleunigen.

Wer dieses Auto kauft, will etwas Sinnvolles für die Mobilität des Alltags. Sportliches Fahren ist genauso wenig vorgesehen wie der bereits erwähnte Schick. Während der normale Golf-Käufer sein Fahrzeug wohl auch wählt, weil er damit in fast jeder Situation ordentlich angezogen ist – quasi Jeans mit Sakko, gibt der Golf Plus die rollende Strickjacke zur gleichen Jeans: wärmer, weicher, praktischer.

VW Golf Plus hinkt hinter Golf VII zurück

Der VW Golf Plus hat noch das alte Cockpit
Der VW Golf Plus hat noch das alte Cockpit © VW

Im Interieur überzeugt er mit einer Vielzahl von Ablagen, gutem Sitzkomfort und einer Verarbeitung die auf dem von VW gewohnten hohen Niveau ist. Als Vertreter der sechsten Golf-Generation verfügt er noch nicht über die aktuellen Assistenzsysteme. Immerhin war unser Exemplar mit großem Navi und Rückfahrkamera ausgestattet. Letztere ist in modernen Autos fast unverzichtbar, will man keine Beulen am hinteren Ende riskieren. Allerdings nagt der Zahn der Zeit an der multimedialen Ausstattung. Zwar gibt es einen Anschluss für einen iPod, die Bluetooth-Anbindung eines Handys war bei unserem Exemplar hingegen nicht vorgesehen, und auch die Navibedienung fällt hinter der des neuen Golf deutlich zurück. Der profitiert an dieser Stelle von den neuen Elektronikkomponenten seines Baukastenprinzips, der Golf Plus eben noch nicht.

Die Kundschaft wird es kaum stören, sind doch die wenigsten Käufer jugendliche Viel- und Unterwegssurfer oder Geschäftskunden mit hohem Mitteilungsbedürfnis während der Fahrt. Mit dem Golf Plus zielt VW auf ältere Herrschaften, die vernünftig genug sind, auf automobilen Schnickschnack zu verzichten, die etwas Solides fahren wollen, denen bequemes Einsteigen und Sitzen wichtiger ist als schöner Schein und die deswegen noch lange nicht auf einen modischen SUV ausweichen wollen. Vernunftkäufer eben. Daran ist nichts Verwerfliches. (SP-X)






Mehr zur Marke VW

China mit VerlustenVW nach erstem Halbjahr mit leichtem Zuwachs

Der VW-Konzern konnte im ersten Halbjahr des Jahres seine weltweiten Auslieferungen leicht steigern. Mit knapp 5,2 Millionen Fahrzeugen legt man um 0,8 Prozent zu.


Zweistelliges Wachstum in USAKernmarke VW mit Absatzplus im Juni

Die Kernmarke Volkswagen konnte im Juni die weltweiten Auslieferungen um vier Prozent steigern. Nach dem ersten Halbjahr liegen die Wolfsburger aber nur knapp im Plus.


Akten belasten Winterkorn und DiessAudi-Manager vor Aussage in Dieselaffäre

Ein inhaftierter Audi-Manager will in der Dieselaffäre zur Aufklärung beitragen. Derweil geraten der frühere VW-Chef Martin Winterkorn sowie Markenchef Herbert Diess immer stärker ins Visier der Ermittler.



Mehr aus dem Ressort

Der Suzuki Ignis sticht aus der Menge heraus
Kleinwagen mit AllradantriebSuzuki Ignis: Feuer und Flamme in Kistenformat

Suzuki beweist Mut. Die Neuauflage des Ignis polarisiert durch ihr Erscheinungsbild, erzeugt aber im realen Alltag als praktischer Kleinwagen mit eigenem Outfit eine gewisse Wärme.


Die X-Klasse von Mercedes scheut keine Fahrten ins Gelände
Erster Pickup der MarkeMercedes X-Klasse: Komfortabel durch den Matsch

Mercedes fährt mit der neuen X-Klasse ganz komfortabel ins Gelände. Die Basis bildet der Nissan Navara – die Stuttgarter haben den Pickup aber noch weiter aufbereitet. Die Autogazette fuhr schon mal im Gelände mit.


Modellpflege für TopmodellMercedes S-Klasse: Doppelter Espresso inklusive

Audi startet mit dem A8 einen neuen Angriff auf die Mercedes S-Klasse. In Stuttgart gibt man sich davon unbeeindruckt. Dort zeigt sich Entwicklungschef Ola Källenius zuversichtlich, dass man auch mit einer modellgepflegten S-Klasse seinen Spitzenplatz halten kann.