14. April 2014

Fahrbericht Auf Plattform mit Alfa Romeo Giulietta Jeep Cherokee: Traditionsbruch in Richtung Lifestyle

Der Jeep Cherokee hat seine Kanten verloren.
Der Jeep Cherokee hat seine Kanten verloren. © Jeep

Mutter Fiat gibt beim neuen Jeep Cherokee die Richtung vor. Aus dem kantigen Geländewagen erwuchs ein Kompakt-SUV für den Boulevard.




GI Joe würde wahrscheinlich die Welt nicht mehr verstehen. Das soll ein Jeep sein? Wo sind die Kanten geblieben, die geraden Bleche, die einfachen und zweckmäßig sachlichen Formen? Der neue Cherokee, der mit Frontantrieb zu Preisen ab 34.800 Euro seit einer Woche bei den Händlern steht, bricht mit der Tradition und präsentiert sich als amerikanisches Gegenstück zum Range Rover Evoque als Pfadfinder im Designeranzug. Über den neuen Auftritt lässt sich trefflich streiten, doch ein SUV, das in erster Linie in den Großstadt-Straßenschluchten auf die Pirsch geht, darf wahrscheinlich so aussehen und eine neue Designsprache bei der amerikanischen Gelände-Ikone einläuten.


Jeep vom Allzweck-Hobel zum Lifestyle-Mobil

Immerhin ist Jeep bereits seit 70 Jahren im Gelände unterwegs und hat in diesen sieben Jahrzehnten eine gewaltige Metamorphose erlebt. Aus dem Allzweck-Hobel, mit dem GI Joe in den Krieg zog, ist ein Lifestyle-Mobil geworden, bei dem sich Komfort und Geländetauglichkeit ergänzen müssen. Und spätestens seitdem Design auch in diesem Segment mindestens so wichtig geworden ist wie Wattiefen oder Böschungswinkel, musste der Geländepionier nachziehen. Zudem muss auch ein Jeep inzwischen nicht ausschließlich als Allradler unterwegs sein. Für die Boulevards dieser Welt reicht der Fronantrieb vollkommen.

Die schmalen Lichtschlitze, der wuchtige Kühlergrill mit seinen sieben Balken und die großzügig dimensionierten Lüftungsöffnungen geben dem seit 1974 gebauten Cherokee ein ganz neues Aussehen, das sich auch in der Seitenansicht und im Heck fortsetzt. Deutlicher kann eine Marke seinen Kunden kaum klar machen, dass an dem Modell keine Schraube vom Vorgänger übernommen wurde, denn auch unter der Haube und im Innenraum ist nichts mehr, wie es einmal war.

Alfa Romeo Giulietta als Pate

Vor allen Dingen ist Jeep nicht mehr hundertprozentig amerikanisch. Inzwischen haben bei Chrysler-Jeep die Italiener das Sagen und deshalb steht der 4,63 Meter lange Cherokee auf einer vollkommen neuen C-Plattform. Die teilt er sich mit der Giulietta von Alfa. Der Radstand von 2,70 Meter ermöglicht großzügige Verhältnisse im Innenraum. Der kann allerdings nicht ganz halten, was die stylische Außenhaut verspricht. Auf den ersten Blick wirkt das Interieur durchaus anspruchsvoll, doch beim genauen Hinsehen offenbaren viele Details eine eher durchschnittliche Qualität, die in den USA wahrscheinlich auf positive Reaktionen trifft, in Europa aber kaum Begeisterung wecken dürfte. Dazu trägt vor allem der seltsame Materialmix bei, der zwischen hochwertig und einfach schwankt.

Für den Antrieb stehen zurzeit zwei Motoren zur Wahl. Ganz klassisch ist ein 3,2-Liter-Sechszylinder-Benziner mit 200 kW/272 PS, der vor allem für die Freunde des amerikanischen Way of Drive angeboten wird und ohne Stopp-Start oder Direkteinspritzung arbeitet. Wesentlich beliebter wird deshalb das Zwei-Liter-Diesel-Angebot sein, das in zwei Leistungsvarianten mit 103 kW/140 PS und 125 kW/170 PS bei den Händlern steht. Für die Kraftübertragung ist entweder ein manuelles Sechsgang-Getriebe oder eine Neungang-Automatik zuständig.

Deutlich vernehmbarer Motor des Jeep Cherokee

Alltagsnutzen hat der Jeep Cherokee beibehalten
Alltagsnutzen hat der Jeep Cherokee beibehalten © Jeep

Bereits in der Basismotorisierung zeigt sich der Cherokee ausreichend Leistung, die allerdings deutlich vernehmbar an die Antriebsachsen weitergegeben wird. Die manuelle Sechsgangschaltung lässt sich sauber schalten, und auch die Neungangautomatik sorgt für einen angemessenen Komfort. Wie von der Marke gewohnt, zeigt der Cherokee ein problemloses Fahrverhalten, wobei sich aber die Abrollgeräusche immer wieder deutlich bemerkbar machen.

Von seiner akustisch dezenten Seite präsentiert sich der jüngste Jeep bei Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h auf der Autobahn entlang gleitend. Bei zurückhaltender Fahrweise fließen dann rund 7,5 Liter durch die Einspritzanlage.

Zwei Allradversionen für den Jeep Cherokee

Rundgemacht wurde auch das Heck des Jeep Cherokee
Rundgemacht wurde auch das Heck des Jeep Cherokee © Jeep

Jeep bietet zwei Allradantrieb-Versionen. Bei den Ausstattungsstufen Longitude und Limited fährt der Cherokee mit einem vollautomatischen einstufigen Transfergetriebe und einem Hinterachsmodul für eine stufenlose Antriebsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse bei allen Geschwindigkeiten im Gelände. Dabei wird die Kardanwelle so lange komplett abgemeldet wie der Allradantrieb nicht benötigt wird. So ausgerüstet wühlt sich der Cherokee souverän über Matsch und Feld.

Noch eine Stufe weiter geht der Cherokee Trailhawk, der zusätzlich ein zweistufiges Transfergetriebe mit Geländeuntersetzung besitzt und so auch im felsigen Terrain gut unterwegs ist. Leider ist dieser Antrieb nur in Verbindung mit dem 3,2-Liter-Sechszylinder lieferbar. Eine Kombination mit dem bereits bei rund 1500 Umdrehungen starken Drehmoment des Diesels wäre gewiss eine reizvolle Art der Fortbewegung, doch daran haben die Amerikaner offensichtlich nicht gedacht. (SP-X)






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