9. September 2009

Fahrbericht Seat Exeo 2.0 TFSI Ungewohnter Wohlfühlfaktor

Der Seat Exeo
Der Seat Exeo © Foto: Seat

Mit dem Seat Exeo steigt die Marke in eine andere Liga auf. Die Kunden dürften der alten Audibasis im neuen Look eher zu- als abgeneigt sein.




Von Frank Mertens

Wäre da nicht das Große S auf dem Lenkrad, die Verwechslungsgefahr wäre groß. Doch auch wenn im Innenraum vieles dem alten Audi A4 gleicht, ist es eben kein Auto aus Ingolstadt. Es kommt aus dem spanischen Seat-Werk in Martorell. Hier wird der Exeo produziert. Es wurde bereits viel darüber geschrieben, ob es richtig war, mit dem Exeo den alten Audi A4 wieder aufleben zu lassen. Doch wer erst einmal in der Limousine - oder neuerdings dem Kombi Platz nimmt - stellt sich diese Frage nicht mehr.


Der beste Seat aller Zeiten

Die Antwort liegt auf der Hand: Es war richtig - schließlich war der alte Audi alles andere als ein schlechtes Auto. Das ist auch der Seat Exeo nicht. Er ist vielmehr das qualitativ beste Auto, was die Spanier bislang auf die Straße geschickt haben. Mit einem «Billig-Audi» hat er ungefähr soviel gemein wie ein Formel-1-Bolide mit einem Trabi. Endlich einmal muss man sich in einem Seat nicht mehr über den Plastikcharme des Armaturenbrettes ärgern.

Der Exeo versprüht in der Mittelklasse mit seinem gut verarbeiteten Innenraum und den gehaltvollen Materialien einen Hauch Premium. So muss es sein - und man fragt sich, warum Seat nicht schon eher darauf gekommen ist, dass sich der Kunde in seinem Auto auch wohl fühlen will. Doch lieber jetzt als nie. Dieser Exeo wird Seat eine Menge neue Kunden bringen. Vor allem auch wegen seines attraktiven Preises: Die Einstiegsversion, der 1.6er mit 102 PS mit der Ausstattungslinie Reference steht mit 21.990 Euro in der Preisliste.

Solide Ausstattung

Der Seat Exeo
Der Seat Exeo © Foto: Seat

Das ist eine Ansage. Auch deshalb, weil sich die Serienausstattung bereits beim Basismodell sehen lassen kann. Sie umfasst neben sechs Airbags unter anderem ESP, einen Bordcomputer, elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare Außenspiegel, ein Soundsystem und eine Klimaanlage. Interessant dürfte der Exeo aber vor allem mit den stärkeren Motorisierungen sein. So reichen die modernen Common-Rail-Motoren von 120 über 143 bis zu 170 PS. Bei den Ottomotoren steht der von uns getestete 2.0 TFSI Benzindirekteinspritzer mit 200 PS an der Leistungsspitze. Dafür werden dann auch 27.990 Euro fällig.

Harmonischer Vierzylinder

Das Cockpit
Das Cockpit © Foto: Seat

Dieser laufruhige Vierzylinder aus dem VW-Konzernregal verspricht nicht zu viel. Er bringt es auf ein maximales Drehmoment von 280 Newtonmeter, die bei 1.800 Umdrehungen anliegen. Seine Leistungsentfaltung geschieht dabei so harmonisch, dass es einfach Spaß macht, mit der 1.430 Kilogramm schweren Limousine unterwegs zu sein. Dafür sorgt auch das gute Fahrwerk, für das die Entwickler die richtige Balance zwischen sportlich und doch noch komfortabel gefunden haben. Die manuelle Sechsgangschaltung arbeitet knackig und präzise. Dank der gut konturierten Sitze behält man auch bei flott genommenen Kurven immer die Haltung.
Sitzen kann man nicht nur vorn recht kommod, sondern auch im Fond. Trotz der Limousinen-Form können auch Großgewachsene auf den hinteren Sitzen bequem Platz nehmen, ohne gleich mit dem Kopf am Dachhimmel anzustoßen. Für ausreichend Kniefreiheit ist dann auch gesorgt.

Tank-Quittung

Knackiges Heck
Knackiges Heck © Foto: Seat

Der Kofferraum bietet ein Stauvolumen mit 442 Liter Fassungsvermögen. Das ist genug, um mit der Familie schnell mal in den Kurzurlaub an die Ostsee zu düsen. Dabei muss man sich in seiner Urlaubskasse auf eine höhere Tankrechnung einstellen. Denn der angegebene Mix-Verbrauch von 7,7 Litern (179 Gramm CO2 pro Kilometer) liegt in weiter Ferne. Bei den Testfahrten genehmigte sich der Seat im Schnitt fast einen Liter mehr. Im Stadtverkehr hielt er indes sein Versprechen und begnügte sich mit den in Aussicht gestellten 10,9 Litern. Das ist in der Tat nicht wenig, doch wer ein Auto mit 200 PS fährt, wird sich darüber auch nicht wirklich wundern.






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