3. April 2009

Fahrbericht Nissan 370Z Grüße vom Gladiator

Der Nissan 370Z
Der Nissan 370Z © Foto: Nissan

Unter den japanischen Sportwagen ist die Z-Reihe von Nissan so etwas wie der letzte Mohikaner. Zum 40. Geburtstag wurde die sechste Generation noch bissiger.




Von Thomas Flehmer

«Morituri te salutant», die Todgeweihten grüßen Dich - so marschierten die Gladiatoren im Alten Rom vor dem jeweiligen Imperator auf. In modernen Zeiten der Krise scheinen die japanischen Sportwagen den Part der Gladiatoren übernommen zu haben. Honda schickt den S 2000 auf die letzte Reise und Mazdas RX-8 wartet auf die ferne Wankel-Brennstoffzellenzukunft. Als Bewahrer rasender Reisschüsseln tritt dagegen Nissan auf. Neben dem GT-R haben die japanischen Ingenieure nun auch die sechste Generation der Z-Reihe auf die Beine gestellt. Knapp 40 Jahre nach der Präsentation des Datsun 240Z ist der ab Juli erhältliche 370Z noch sportlicher ausgefallen.


Haifischförmiger Lufteinlass

So ist der Nachfolger des 350Z geschrumpft. Der Radstand verkürzte sich um zehn Zentimeter, die breitere Spur sorgt für noch mehr Kurvenstabilität und 32 Kilogramm weniger möchte wahrscheinlich auch der ein oder andere Z-Fahrer auf die Waage bringen. Designerisch umgesetzt wurde die neue Sportlichkeit besonders im Frontbereich. Der haifischförmige Lufteinlass schlägt in Verbindung mit den Bumerang-ähnlichen Scheinwerfern jedes noch so aggressive dreinblickende Löwenmaul in die Flucht und kann auch locker mit der Front des deutschen Konkurrenten Porsche Cayman mithalten.

In langer Z-Tradition bildet zudem die A-Säule den höchsten Punkt des gerade mal 1,31 hohen Zweisitzers, ehe das Dach stark in Richtung Heck abfällt und somit auch einen Laderaum von 235 Litern unter der langen Heckscheibe beherbergt. Diesmal auch ohne Querstange, die im Vorgänger das Be- und Entladen erschwerte.

Hartplastik statt Leder

Leder nur für die Sitze
Leder nur für die Sitze © Foto: Nissan

Die Unterschiede zum Konkurrenten aus Zuffenhausen treten aber letztendlich im Innenraum zu Tage. Auch wenn Nisssan das Cockpit weiter verbessert hat, machen sich hier die rund 20.000 Euro Preisunterschied zum Cayman bemerkbar. Während der Vertreter aus Süddeutschland alles in Leder mit edlen Nähten gepackt hat, muss man sich im 370Z mit einer Landschaft in Hartplastik abfinden. Die in Alcantara ausgestatteten Türverkleidungen sind lediglich ein Ansatz zum Premium hin. Die analoge Instrumententafel wird durch ein digitales Mäusekino am linken Rand verschandelt, die drei Rundinstrumente, seit Urzeiten in der Z-Reihe integriert, wirken mit ihrer Plastikhülle nicht ansatzweise schön.

Gut dafür ist die Bedienung des Navis und Bordcomputers. Die Knöpfe können bequem wie eine Computer-Tastatur bedient werden. Und auch die in Leder gehaltenen Sitze spiegeln dann doch etwas den angepeilten Premiumcharme wider. Doch spätestens mit dem Anlassen des mittlerweile 331 PS starken und 3,7 Liter großen Sechszylinders hat man sich damit abgefunden, nicht in einem Premiummodell schwäbischer Bauart zu sitzen.

Kein Blubbern beim Zwischengas

Formschöne Seitenlinie
Formschöne Seitenlinie © Foto: Nissan

Denn schon mit dem ersten Gasdruck verweist der 370Z auf sein individuelles Eigenleben. Der Sound ist dabei nicht so schön wie der eines Porsches, doch Sportwagenherzen schlagen angesichts des röhrenden Aggregats trotzdem höher. Die Synchro Rev-Control genannte Zwischengas-Funktion passt die Drehzahl beim Herunterschalten des knackigen Sechsgang-Schaltgetriebes sinnvoll an, allerdings vermisst der geneigte Sportwagenfahrer dabei das eigentlich obligatorische Blubbern. Aber auch ohne Blubbern kommt Freude auf, wenn mit ausgeschalteten ESP der Schlupf in den Kurven die volle Konzentration des Fahrers abfordert.

Wer es etwas komfortabler haben möchte, greift auf die erstmals eingesetzte Siebengang-Automatik zurück. Diese besitzt zwar kein Doppelkupplungs-Getriebe, der Wagen nähert sich aber trotzdem ohne spürbare Zugunterbrechung der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h an. Wer früher schalten möchte, kann dann immer noch die Paddel am Lenkrad benutzen, um den Sprint in etwas mehr als fünf Sekunden bis zu Tempo 100 km/h zu vollführen. Nissan rechnet damit, dass insgesamt zehn Prozent der in diesem Jahr noch erwarteten 640 Käufer 2100 Euro für die neue Getriebevariante anlegen werden.

Verbrauchswert rein theoretisch

Fahrspaß garantiert
Fahrspaß garantiert © Foto: AG/Flehmer

Immerhin sollen Automatikfahrer bei einem Verbrauch von 10,4 Litern Superplus auf 100 Kilometer 0,1 Liter weniger verbrauchen als diejenigen, die manuell unterwegs sind. Doch eher wird Deutschland schuldenfrei sein, als dass sich dieser Vorteil amortisieren wird. Zumal dem Wert von zehn Litern ungefähr so viel Bedeutung zuteil werden kann wie den derzeitigen Zusagen der Bundesregierung über staatliche Hilfen für angeschlagene Autobauer. Der 370Z vermittelt noch den einen oder anderen Schuss mehr an Fahrspaß als der Vorgänger, sodass der rechte Fuß sich häufiger als gewollt fast in der waagerechten Stellung befindet.

Um das Gaspedal aber soweit hinunterdrücken zu können, müssen mindestens 38.690 Euro für die Basisversion investiert werden. 90 Prozent aller Z-Kunden legen aber die derzeit in Deutschland sehr attraktive Summe von 2500 Euro drauf, um gleich mit der «Pack»-Variante an den Start zu gehen. Viele müssen dabei auf die Zähne beißen, um die Summe zusammen zu sparen. Doch Disziplin ist auch nach dem Erwerb der kraftvollen Spaßmaschine gefordert, sonst heißt es «morituri te salutant».






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