31. Oktober 2012

Fahrbericht Land Rover gibt sich britischer denn je Range Rover: Fische im Rückspiegel

Der neue Range Rover kommt im Januar Fotos ▶
Der neue Range Rover kommt im Januar © Land Rover

Mit der vierten Generation des Range Rover zielt Land Rover auf eine konsequente Verschmelzung von Luxus-SUV und Offroad-Tugenden. Aber lässt die Frage offen: Wozu braucht ein Geländefahrzeug einen Einparkassistenten?




Von Martin Woldt

Dass man sich als Entwickler bei Land Rover in den Armen des indischen Eigners Tata britischer denn je fühlt, ist eine dieser Merkwürdigkeiten moderner Autohistorie. Jedenfalls geben sich die Entwickler britischer als jüngst, da die Marke noch zum Ford-Konzern gehörte. Dort baut man ja bekanntlich gerne Weltautos mit vielen Gleichteilen. Den britischen Automobilbau indes prägte stets ein ausgesprochener Hang zur Individualität. Tatsächlich dürfte es irgendeinem anderen Modell schwerfallen, die über 18.000 Farb-, Motor-, Ausstattungsvariationen, mit denen die nun vierte Generation des Range Rovers antritt, zu übertrumpfen.


Autos nicht für jeden

Für den neuen Range Rover galt es also zu klotzen. Gab es für ihn als Topmodell der Marke doch keinen geringeren Anspruch, als den, "das beste Auto der Welt" zu sein, wie es Fahrwerksentwickler Mick Cameron bei der Vorstellung verkündete. Einst als elitäres Mobil für den snobistischen Landadel gedacht, zielt der neue Land Rover weltweit auf eine Käuferschicht mit ähnlich exklusivem Status- und Lebensgefühl.

Das man sich, gewiss doch, leisten können muss. Wir reden hier von einem Einstiegspreis bei 90.000 Euro mit viel Luft nach oben.

Im Fernsehsessel durchs Flussbett

Bis zu 90 Zentimeter Watttiefe mit dem Range Rover
Bis zu 90 Zentimeter Watttiefe mit dem Range Rover © Land Rover

Dafür bekommt man eine Hightechkarosse, die in bester Offroad-Tradition von Land Rover auch abseits der Straße mit gesteigertem Ehrgeiz agiert. Im neuen Range kommt man trockenen Fußes, bei Bedarf in Fernsehsesselqualität massiert, bei Volllederumgebung in einer Vollklimakabine, unbehelligt durch ein 90 Zentimeter tiefes Flussbett. Das sind 20 Zentimeter (!) tiefer als bisher. Und während man schon fast die Fische im Rückspiegel erkennt, macht die Technik so ziemlich alle Arbeit. Ein bisschen Steuern, fest am Gas passt die Software des Allterrain-Response-Systems sich automatisch jedem Untergrund an.

Liegt die Bodenfreiheit normal bei 30 Zentimeter, sinkt die Karosse zum Einsteigen fünf Zentimeter herab. Im Gelände lässt sie sich bis 44 Zentimeter anheben, die meiste Zeit unbemerkt und ohne Zutun.

Range Rover speckt mit Alu ab

Karosse und Fahrwerk des Range Rover aus Aluminium
Karosse und Fahrwerk des Range Rover aus Aluminium © Land Rover

Eine weitere Neuheit ist die Monocoque-Karosse aus Vollaluminium. Zusammen mit anderen Gewichtseinsparungen wie der Fahrwerksarchitektur, ebenfalls in Alu-Leichtbauweise, bringt das ein Minus von 420 Kilogramm Gesamtgewicht. Die im Einsatz mit einem Drei-Liter-TDV6-Diesel den Verbrauch immerhin um ein Fünftel (7,5 Liter/196 g/km CO2) gegenüber dem Vorgängermodell drücken. Land Rover erwartet diesen ausgewogenen Selbstzünder als erste Wahl in Deutschland, wo der Range Rover im Januar zu haben sein wird.

Ohne Hybrid im Programm des Range Rover

Der kräftige Diesel geht mit einem maximalen Drehmoment von 600 Newtonmetern zu Werke, der ihn in 7,9 Sekunden von null auf Tempo 100 hievt. Den Punsh hält man solange für absolut hinreichend, bis man die Spitzenmotorisierung probiert hat. Im Fünf-Liter V8 Supercharged (375 kW/510 PS) sind es nämlich nur 5,4 Sekunden für den Normsprint. Was vielen Überholmanövern den Schrecken nimmt. Allein sein Normverbrauch von fast 14 Litern auf 100 Kilometern wirft einen dunkeln Schatten auf soviel Kraftentfaltung.

Gleichzeitig erinnert er daran, dass Landrovers Pläne für einen vorzeigbaren Hybriden in dieser Klasse noch immer in der Pipeline stecken.

Aufgeräumter Luxus im Range Rover

Weniger Schalter, aber mehr Technik im Range Rover
Weniger Schalter, aber mehr Technik im Range Rover © Land Rover

Rasen ist ohnehin keine zwangsläufige Option für ein Auto mit so viel britischem Understatement. Denn die eigentliche Absicht der Entwickler war ja die Verschmelzung von Luxuslimousine und Offroadqualitäten. Mit fünf Metern drei Zentimeter länger als der Vorgänger, aber zwei Zentimetern flacher (1,84 Meter) wirken die noch immer kantigen Konturen nun weicher als zuvor. Der Eindruck entsteht durch die etwas abgeflachten A-Säulen und die weniger klobigen Scheinwerfer.

Der Innenraum wirkt durch die um die Hälfte verringerte Zahl an Schaltern aufgeräumter und eleganter. Lederpolster und Holzmaserungen können ihre Luxusanmutung hemmungslos entfalten. Zugleich sorgt ein breites Farbdisplay über der Mittelkonsole mit seinem Steuerfeld dafür, dass der Zeitgeist gewahrt bleibt.

Neuer Range Rover mit Technik ohne Ende

Aber Luxus in dieser Klasse hat auch sehr viele versteckte technische Facetten. Durch die neue sehr unauffällige elektrische Servolenkung beispielsweise kann der Range Rover nun auch mit einem Einparkassistenten ausgerüstet werden. Zugleich besitzt er einen aktiven Neigungsausgleich, der in Kurven alle Karosseriebewegungen ausbügelt

Dass die Optionsliste in dieser Preisklasse beinahe unbegrenzt scheint, ist nicht nur bei Land Rover üblich. Sie reicht hier von der Soundanlage mit 30 Lautsprechern über ein Rundum-Kamerasystem bis zum Anhängerassisten, denn 3,5 Tonnen lassen sich auch weiterhin an den Haken hängen.






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