18. Mai 2007

Fahrbericht Jeep Wrangler: Familientaugliches Urviech

Jeep Wranger Unlimited
Jeep Wranger Unlimited © Foto: AG/Flehmer

US-Hersteller Jeep macht den Wrangler mit der viertürigen Version «Unlimited» salonfähig. Erstmals auch als Diesel hat der Urahn aller Geländewagen seine Stärken vor allem im gewohnten Terrain.




Von Thomas Flehmer

Jeep öffnet für den Wrangler die Grenzen. Mit dem Wrangler Unlimited kommt das Urviech der Geländewagen erstmals als Viertürer daher, das bis zur B-Säule identisch mit dem Zweitürer ist. Zudem spendierte das zur Chrysler Group gehörende Unternehmen 65 Jahre nach dem Debüt des Willys MB im Jahre 1941 einen gerade für das Gelände sinnvollen Dieselmotor. Obwohl der Wrangler, mit dem man zumeist die Gattung Jeep noch verbindet, stark modernisiert wurde, zeigten die ersten Testfahrten, dass der Wrangler seine Stärken weiterhin dort hat, wohin sich die meisten Geländewagenfahrer eher nicht hintrauen - im Gelände.


Open-Air-Mobil

Obwohl der Jeep völlig neu gezeichnet wurde, hat er doch seine militärische Ausstrahlung, die er in zahlreichen Kriegs- und Antikriegsfilmen zur Schau trug, eindeutig behalten. Der neue Wrangler ist knapp 14 Zentimeter breiter und hat auch in der Spurweite 90 Millimeter für eine bessere Straßenlage zugelegt.

Der Kühlergrill mit den sieben Lüftungsschlitzen sowie den runden Scheinwerfern lassen sich sofort zuordnen. Weiteres Indiz sind die Außenverriegelung der Motorhaube und die Gummiauflieger auf der Motorhaube, damit die Frontscheibe umgeklappt werden kann, was in Deutschland allerdings verboten ist. Auch die auffälligen Frontscheiben- und Türscharniere gehören zum Merkmal eines Wranglers, der wie seine Vorgänger durch zahlreiche Kombinationen in ein Open-Air-Mobil verwandelt werden kann.

Neu dagegen sind die automatischen Fensterheber, die eigentlich gar nicht zum Image des robusten Geländewagens passen. Ebenfalls neu ist die gebogene Frontscheibe zur Verbesserung von Luftwiderstand und Geräuschniveau. Die Puristen brauchen aber keine Angst zu haben: beim Fahren sind die Motorengeräusche immer noch gut wahrnehmbar - man möchte ja schließlich hören, was man fährt.

Bärenstarkes Drehmoment

Überzeugend auch im Gelände
Überzeugend auch im Gelände © Foto: AG/Flehmer

Neben dem 3,8 Liter V6-OHV-Motor mit 198 PS und Sechsgang-Getriebe wird die Wrangler-Familie in Deutschland eher auf den 2,8 Liter großen Commonrail-Diesel zurückgreifen, der bei VM Motori in Italien gebaut wird. Der Vierzylinder greift auf 130 kW/177 PS zurück und besitzt ein bärenstarkes Drehmoment von 410 Nm, die zwischen 2000 und 2600 U/min anliegen.

Der serienmäßig mit Partikelfilter ausgelieferte Diesel, der entweder mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder mit einer Fünfstufen-Automatik geordert werden kann, verbraucht laut Jeep zehn Liter auf 100 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h.

Echter Offroader

Auch in der Langversion immer noch ein echter Offroader
Auch in der Langversion immer noch ein echter Offroader © Foto: AG/Flehmer

Auch wenn Jeep den neuen Wrangler mit über 50 Komfort- und Sicherheitsausstattungen versehen hat, bleibt der Ur-SUV doch ein Fahrzeug für das Gelände. Eine vergrößerte Bodenfreiheit und kurze Überhänge sowie ein bis zu 37,8 Grad vorderer sowie 31,3 Grad hinterer Böschungswinkel und 24,9 Grad Rampenwinkel lassen auch den neuen Wrangler in seiner vorgezeichneten Schublade. Es macht einfach Freude, den Jeep durch extremes Terrain zu bewegen.

Dafür wurden Vorder- und Hinterachse verstärkt und ein aktives Entkopplungssystem, bei dem der vordere Querstabilisator elektronisch entkoppelt werden kann, eingesetzt. Für den hohen Fahrgenuss sorgt aber vor allem das zuschaltbare, zweistufige Verteilergetriebe. Dank eines Untersetzungsverhältnisses von 2,72:1 wird der Wrangler auf geradem Terrain förmlich nach vorn gestoßen, bergab wird der Zweitonner phantastisch abgebremst, wenn die Kupplung eingreift. Hier wird jeder steile Abhang quasi zum Kinderspiel.

Komfort und Abenteuer

Das Cockpit ist modern geworden
Das Cockpit ist modern geworden © Foto: AG/Flehmer

Auf Asphalt dagegen kann der Wrangler sich nicht so entfalten wie im Gelände, hier ist er eher als Familien-Lifestyle-Car zu betrachten. Gerade in Kurven wirkt das 4,75 Meter lange Mobil träge. Doch richtige Fans werden das verschmerzen können und sich wohlfühlen, denn der Innenraum bietet eine Kombination aus Komfort und Abenteuer. Neu gestaltete Rundinstrumente harmonieren mit den Türblechen, die auch im Innenraum in Wagenfarbe lackiert sind.

Ab 29.990 Euro steht die geländetaugliche Familienkutsche zur Verfügung. Weitere 3870 Euro kostet das Hard-Top-Paket Sport, in dem unter anderen eine Klimaanlage, 16 Zoll-Leichtmetallfelgen, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und Tempomat enthalten sind. Weitere Accessoires speziell für das Gelände treiben den Preis natürlich weiter nach oben.















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