24. Juli 2007

Fahrbericht Cadillac STS-V: Sanftmütiges Kraftpaket

Cadillac STS-V
Cadillac STS-V © Foto: Cadillac

Der STS-V mit seinen 476 PS unter der Haube ist der stärkste Cadillac aller Zeiten. Am Ende haben die Amerikaner die Limousine aber dann noch nicht gnadenlos auf sportlich getrimmt.




Von Michael Langenwalter

Wenn ein amerikanischer Autohersteller den stärksten Motor aller Zeiten vorstellt, wird die Sache interessant. Massig Hubraum unter der Haube gehört bei Cadillac zwar seit jeher zur Marke. Doch fehlte es den Aggregaten am Ende zumeist am Drehmoment. Das ist beim Northstar V-8 SC mit seinen 4,4 Liter Hubraum komplett anders. Das bekannte Triebwerk befeuert in zwei Ausbaustufen die neue V-Serie von Cadillac. Im Roadster XLR-V liegt die Leistung bei 331 kW/450 PS. In der Luxuslimousine STS-V wird dann die besagte Rekordmarke von 350 kW/476 PS (anstatt 325 PS wie in der Serienversion) erreicht. Das maximale Drehmoment von 595 Nm Drehmoment liegt bei 3800 Umdrehungen an.


Imageträger

Der STS-V von Cadillac spielt damit in einer Liga mit einem Audi RS6, einem S8 oder dem BMW M5. Die Zusatz-Buchstaben stehen immer für die leistungsstärksten Fahrzeuge der jeweiligen Baureihe. Sie schlagen sich bei den Verkaufszahlen zwar nur marginal nieder, sind für das Image einer Marke aber eminent wichtig. Cadillac will dieses Schaufenster nun für sich nutzen und der revitalisierten US-Marke jetzt auch in Deutschland ein entsprechendes Profil verschaffen.

Dabei verfolgt Cadillac eine komplett andere Fahrzeugphilosophie als bespielsweise BMW. Während die Münchner konsequent auf Sportlichkeit setzen, fällt beim STS-V trotz des fulminanten Kraftpakets unter der Haube alles etwas weicher, gedämpfter aus. Das gilt auch für das gelungen abgestimmte Fahrwerk. Der Hecktriebler ist mit einem Sauger bestückt, der von einem Kompressor richtig in Fahrt gebracht wird. Ein Ladeluftkühler sorgt zudem dafür, das die komprimierte Luft stets perfekt temperiert ist.

Brachialer Vortrieb

Das Cockpit im US-Design
Das Cockpit im US-Design © Foto: Cadillac

Diese Kombination macht nicht nur akustisch was her, wie man nach dem Drücken des Startknopfes feststellen kann. Dabei ist das Aggregat zunächst nur dezent vernehmbar, was sich nach einem beherzten Tritt auf das Gaspedal aber zu einem feurigen, aber eben nicht aggressiven Sound steigert. Der Vortrieb indes ist fast schon brachial zu nennen; die Insassen werden regelrecht in den weichen Ledersessel hineingedrückt. Die Fahrwerte des STS-V sind zum Zungenschnalzen: 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden, abgeriegelte 250 km/h Spitze. Zuvor sollte sich der Fahrer aber mit der sehr weich greifenden Bremsanlage anfreunden. Den Verbrauch gibt Cadillac gut 16 Liter auf 100 Kilometer an. Für die Leistung, die der STS-V auf die Straße bringt, geht dieser Wert voll in Ordnung.

Dabei lässt sich der STS dank der für europäische Verhältnisse sehr leichtgängigen Lenkung wunderbar durch die Kurven zirkeln. Auch die weich schaltende Sechsstufen-Automatik trägt ihren Teil zum Fahrvergnügen bei.

Nicht für die Rennstrecke ausgelegt

Sportiv, aber nicht sportlich
Sportiv, aber nicht sportlich © Foto: Cadillac

Cadillac spricht mit dem STS-V jene Kunden an, die einen sportiven Fahrstil bevorzugen, aber nicht auf den Komfort verzichten wollen. Für die Rennstrecke ist der 1,9 Tonnen schwere Nobelschlitten indes nicht ausgelegt.

Der US-Stil setzt sich auch im Inneren fort. Das kantige Design mit hohem Wiedererkennungwert verspricht zwar viel Platz. Doch ist die Innenraumaufteilung nicht ganz optimal. Groß gewachsene Insassen stoßen auf allen Plätzen mit dem Kopf schnell am Dach an. Von außen weisen übrigens nur Kleinigkeiten auf die V-Version hin: ein kleiner Spoiler, größere Reifen oder der polierte Fahrzeuggrill.

Attraktive Alternative

Der STV-V begeistert nicht nur ausgemachte Fans amerikanischer Fahrzeuge und lädt als attraktive Alternative zum gemütlichen Cruisen ein - und zum Genießen. Die zusätzlichen PS unter der Haube vermitteln einfach ein gutes Gefühl - und die Gewissheit, dass man - falls nötig - auf der Autobahn schnell und sicher überholen kann. Für den STS-V werden 74.850 fällig. Dafür gibt es dann allerdings auch eine Komplettausstattung. Nur das Glas-Schiebedach kostet noch extra.








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