29. Mai 2007

Fahrbericht Volvo V70 und XC70: Auf die weiche Tour

Volvo V70
Volvo V70 © Foto: Volvo

Volvo führt die dritte Generation des XC70 ein. Das schwedische Crossover-Modell des ebenfalls neuen V70 wird auch weiterhin seine Liebhaber vornehmlich in den USA finden, steht aber auch in Deutschland unter Druck.




Von Thomas Flehmer

Volvo veredelt seinen Hoffnungsträger. Die 70er-Reihe mit dem V70 und dem XC70 sind die wichtigsten Volumenmodelle des schwedischen Autoherstellers in Deutschland. Rund ein Viertel aller Volvo-Verkäufe sind die V70-Kombis oder deren Crossover-Ableger XC70. Darum haben die Schweden die Plattform des Topmodells S80 herangenommen, um die dritte Generation, die aber auch weiterhin hauptsächlich ihren Markt in den USA findet, zu verfeinern. Und auf amerikanisch getrimmt sind die beiden Hoffnungsträger, wie die ersten Testfahrten zeigten.


Wie im Fernsehsessel

Das wird besonders deutlich beim Fahrwerk. Die Lenkung reagiert etwas schwammig, die Unterschiede bei den drei separaten Fahrwerkseinstellungen Comfort, Sport und Advance sind kaum spürbar. Volvo-Pressesprecher Olaf Meidt spricht von einer bestimmten Klientel, die absolut harte Fahrwerkseinstellungen - wie bei den Mitbewerbern Audi A6 oder den 5er BMW vorhanden sind - gar nicht mögen.

Volvo setzt auf die weiche Tour. Das wird auch bei den Sitzen deutlich. Der Fernsehsessel daheim könnte nicht mehr Luxus bieten als die Sitze in den Siebzigern, die optional belüftet und beheizt werden können. Allerdings fehlen der nötige Seitenhalt und Sitzfläche. Eine weiche Lenkung rundet das Bild ab. So fährt man hauptsächlich in Amerika, doch auch die Volvo-Kunden auf dem alten Kontinent fühlen sich wohl.

Wertiger Innenraum

Wertiger Innenraum, weiche Sitze
Wertiger Innenraum, weiche Sitze © Foto: AG/Flehmer

Und wohl fühlen können sich die Insassen. Der Innenraum präsentiert sich sehr wertig, nur die vielen verschiedenen Materialien sorgen für Verwirrung. Besonders beim XC70 sind die auf hip gemachten, zerkratzten Alu-Applikationen Geschmackssache. Ansonsten wirken Armaturen und Mittelkonsole trotz vieler Schalter nicht überlastet. Man findet sich schnell zurecht.

Für das Wohlbefinden sorgen zudem die gewachsenen Dimensionen. Die Länge wuchs um mehr als elf Zentimeter an, die Breite um knapp sechs, die Höhe um gut acht und der Radstand um über sechs Zentimeter an. Das schafft weiteren Platz für Bein- und Kopffreiheit. Da auch das Ladevolumen des Kofferraums von 485 auf 575 Liter zulegte, können fünf Personen bequem ihren Jahresurlaub antreten. Wertsachen können dabei im abschließbaren Ladeboden verstaut werden und müssen nicht auf jede Schlossbesichtung mitgenommen werden.

Anlehnungen an S80

Der XC70
Der XC70 © Foto: Volvo

Weitere Annehmlichkeiten bieten die beiden Außensitze der 40:20:40 teilbaren Rückbank, die sich dem Wuchs der Kinder anpassen. Spezielle Kindersitze können deshalb daheim gelassen werden. Optional zu ordernde Seitenairbags an den Rückfenstern sichern den Nachwuchs beim Aufprall ebenso ab wie die spezielle Whips-Funktion, die die Personen auf den vorderen Sitzen vor dem Schleudertrauma bewahren sollen.

Doch nicht nur innen zeigen sich die Siebziger komfortabel. Auch das Design versprüht ohne die wuchtigen Stoßstangen früherer Jahrzehnte viel Sicherheit mit einem Schuss Komfort vermischt. Die Front erinnert stark an den S80, die ansteigende Seitenlinie versprüht Charme, die bulligen Heckleuchten, die teils in die automatisch öffnende Heckklappe integriert sind, wirken kraftvoll.

Erstmals Sechszylinder-Benziner

Sicher auf Feldwegen
Sicher auf Feldwegen © Foto: AG/Flehmer

Bei der Crossvariante sollen die schwarz gehaltenen Stoßfänger weitere Dynamik erzeugen, doch das bleibt Ansichtssache. Stärker wirkt der XC70 trotzdem, da er über eine höhere Bodenfreiheit von 21 Zentimetern verfügt. Die Crossover-Variante ist aber nicht nur optisch verändert, sondern besitzt auch den wichtigen Allradantrieb, der den knapp 1,7 Tonnen wiegenden Kombi auch auf Feldwegen sicher ans Ziel bringt.

Serienmäßig verfügt der XC70, der erstmals als Sechszylinder-Benziner mit 175 kW/238 PS angeboten wird, über eine Bergabfahrhilfe. Zudem steht noch der D5-Diesel mit 136 kW/185 PS zur Verfügung. Beim V70 werden neben den beiden beim XC70 erhältlichen Triebwerken noch weitere zwei Benziner und ein Diesel angeboten. Weitere Motoren, unter anderem mit Bioethanol, ergänzen ab dem kommenden Jahr die Flotte.

Und das ist auch nötig. Denn weder der von uns gefahrene D5, der zudem während der ersten Testfahrten schon im kleinen Drehzahlbereich relativ laut röhrte, noch die ebenfalls von uns chauffierte Topmotorisierung T6 des V70 mit 210 kW/285 PS ließen den zu erwartenden Schub vermissen. Sicher waren sie zügig unterwegs, doch knapp 300 PS waren nicht zu spüren - besonders nicht bergauf, besonders nicht bei der nicht unbedingt optimal arbeitenden Sechsgang-Automatik.

Lange Aufpreisliste

Die Heckansicht des XC70
Die Heckansicht des XC70 © Foto: Volvo

Für die Kunden, die die weiche Tour mögen, ist das kein Problem. Sie müssen 37.550 Euro für die Basismotorisierung anlegen. Die Preise für den D5 des V70 beginnen bei 38.950 Euro. Beim allradangetriebenen XC70 schlägt der D5 mit 42.840 Euro zu Buche, der 3,2 Liter-Benziner kostet 46.010 Euro. Wohlgemerkt in der Basisausstattung Kinetic.

Die weiteren Varianten Momentum und Summun mit der automatischen Heckklappen, belüfteten Sitzen Leder-Polsterung und Bi-Xenon-Scheinwerfern schlagen noch einmal bis über 5000 Euro zu Buche. Zudem hat die Aufpreisliste der Schweden deutsche Ausmaße erreicht - Ende offen. Für die Liebhaber der schwedischen Sicherheitsfahrzeuge kein Thema. Rund 12.300 Skandinavien-Liebhaber aus Deutschland will Volvo in 2008 in den Kundenkreis der Siebziger aufnehmen.






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