25. Mai 2006

Fahrbericht Megane Grandtour: Nur Automatik stört

Der Renault Megane 1.9dCi Grandtour
Der Renault Megane 1.9dCi Grandtour © Foto: press-inform

Variabel und geräumig muss auch in der Kompaktklasse nicht immer Van bedeuten. Bestes Beispiel ist der Renault Megane Grandtour. Die jüngsten Überarbeitungen sind ihm kaum anzusehen. Wer genau hinschaut, kann einen großen Familienfreund erkennen.




Von Stefan Grundhoff

Überraschend zurückhaltend hat sich die Modellpflege bei der neuesten Megane-Generation ausgewirkt. Selbst Renault-Fans müssen schon zweimal hinsehen, um den Neuling zu entdecken. Kombi, Diesel und Automatik - das passt gerade in der Volumenklasse schon lange zusammen. Wie wäre es daher mit einem variablen Megane Grandtour mit 130-Diesel-PS, ordentlich Drehmoment und einer entspannenden Automatik? Gibt es ab 23.800 Euro in der mittleren Ausstattungsvariante Dynamique.


Fünf Dieselvarianten

Das Angebot an Dieselvarianten beim Megane ist mit fünf Versionen deutlich größer als das Benzinerarrangement. Davon gibt es gerade einmal drei Modelle. Wer sich für einen Dieselkombi interessiert, kommt um die 130-PS-Variante kaum herum. Klar, möchte der Vater des Hauses auch ein paar Pferde unter der Haube haben, wenn er mit Kind und Kegel durch den Bayrischen Wald rauscht. So sind 130 PS, der serienmäßige Partikelfilter und 300 Nm bei 2.000 Umdrehungen fraglos die beste Kombination.

Nur Viergang-Automatik

Die Viergang-Automatik
Die Viergang-Automatik © Foto: Werk

Ein Blick in die Aufpreisliste überrascht. Überraschung Nummer eins: Als Diesel ist nur der 1,9-Liter-Motor mit 130 PS als Automatikversion bekommen. Überraschung Nummer zwei: die Automatik kostet zwar nur 1.200 Euro Aufpreis ist jedoch eine betagte Viergang-Version. Wo gibt es denn so etwas noch? Immerhin gibt es eine manuelle Schaltebene. Mal sehen, wie sich der kompakte Kombi schlägt mit dieser Motor-Getriebe-Kombination schlägt.

Bevor die ersten Kilometer unter die Reifen genommen werden, punktet der 4,50 Meter lange Megane Grandtour mit seinem großzügigen Innenraum. Vorne und hinten findet man gute Platzverhältnisse vor. Ein Grund ist der im Vergleich zur Schrägheckversion um sechs Zentimeter verlängerte Radstand. Leider sind Oberschenkelauflage und Seitenwangen der Sitze alles andere als ausreichend. Renaulttypisch gibt es gut ablesbare Instrumente und unübersichtliche Lenkstockhebel. Links tastet man nicht nur nach Blinker und Fahrlicht, sondern auch nach den nicht unwichtigen Nebelleuchten. Rechts unten kann der kantige Bediensatellit für das Soundsystem ebenso wenig überzeugen. Bedienung, Anmutung und Schnelligkeit des optionalen Navigationssystems sind allenfalls Mittelmaß.

Viel Platz im Fond

Viel Platz auf den Rücksitzen
Viel Platz auf den Rücksitzen © Foto: Werk

Erfreulicher dagegen das Platzangebot im Fond. Ungemütlich wird es erst, wenn hinten drei Personen reisen. Öffnet man die leicht aufschwingende Heckklappe, gibt das Gepäckabteil 520 Liter Stauraum frei - eindrucksvoll und leicht zu beladen. Die Rückbank lässt sich problemlos im Verhältnis 40:60 umklappen. Ganz nach belieben gibt es so bis zu 1.600 Liter.

Auch wenn man beladen unterwegs ist, können sich die Fahrleistungen sehen lassen. Der 130-PS-Diesel ist angenehm gekapselt und hält sich außer bei Drehzahlorgien angenehm zurück. 10,7 Sekunden bis Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit von knapp 200 km/h garantieren, dass man bei freier Fahrbahn flux von A nach B kommt. Unterwegs muss man abgesehen von menschlichen Bedürfnissen nicht allzu oft stoppen. Renault verspricht einen Durchschnittsverbrauch von rund 6,8 Litern Diesel auf 100 Kilometern. Bei einem Kraftstofftank von 60 Litern sind so auch Langstreckenetappen drin.

Motor arbeitet gut

Der Motor des Megane
Der Motor des Megane © Foto: Werk

Ungewöhnlich zudem, dass der 1,4 Tonnen schwere Grandtour nur rund 50 Kilogramm mehr auf die Waage bringt, als die dreitürige Limousine. Hört sich alles ganz ordentlich an. Allein die Automatik ist es, die nicht überzeugen kann. Was nützt der beste Motor, wenn die Automatik einer anderen Dekade zu entstammen scheint? Schnell fällt auf, dass mindestens eine Schaltstufe fehlt. Im schnellen Autobahntempo dreht der Motor zu hoch. Bei flotten Überholvorgängen schaltet das vierstufige System nervig hin und her, ehe man schließlich mit über 4.000 Umdrehungen laut dröhnend den Lastwagen überholt.

Schade, denn der Eindruck, den der 1,4 Tonnen schwere Renault Megane Grandtour auf der Straße macht, kann sich ansonsten sehen lassen. Die elektrische Servolenkung arbeitet präzise und leichtgängig; die Bremsen packen stramm zu und das Fahrwerk ist gut abgestimmt. Dem traut man selbst unter voller Beladung (500 kg) noch einiges zu. Gerade die Verbundlenkerachse hinten kann auch bei flotter Fahrt überzeugen. Wird es brenzlig, helfen ABS und das serienmäßige ESP. Ebenfalls ab Werk verfügt der Renault Megane 1.9 dCi Grandtour Dynamique über 16-Zoll-Alufelgen, Klimaanlage und Bordcomputer. Für weitere Sicherheit sorgen Nebelscheinwerfer, Regen-/ Lichtsensor und elektrische Spiegel. Alles in allem ein faires Paket für einen geräumigen Familienkombi. Nur die Viergangautomatik kann man sich getrost sparen und das gesparte Geld für das kleine Navigationssystem (1.100 Euro) ausgeben.






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