25. September 2008

Fahrbericht Nissan Qashqai+2 2.0 dCi 4WD Nimm 2!

Der Nissan Qashqai +2
Der Nissan Qashqai +2 © Foto: Nissan

Der Qashqai ist für Nissan seit Anfang 2007 die Eier legende Wollmilchsau. Die nach neuer Kontur suchenden Franko-Japaner stellen dem erfolgreichen Einsteiger-SUV einen Bruder zur Seite.




Von Stefan Grundhoff

Selten hat sich ein Autohersteller bei der Namensfindung eines neuen Modells weniger Mühe gegeben. So einfachsreich der Modellbegriff «Qashqai», den man auf einen Nomadenstamm bezieht, so dünn ist die Erklärung für den Qashqai +2. Wie es der Name schon sagt gibt es nahezu dasselbe Auto - mit zwei zusätzlichen Sitzplätzen im Kofferraum. Im Zuge dessen wurde der Radstand des Stretch-Qashqai um 13,5 und die Gesamtlänge um 21 Zentimeter verlängert.


Unzumutbarer Ein- und Ausstieg

Mageres Platzangebot auf Sitz sechs und sieben
Mageres Platzangebot auf Sitz sechs und sieben © Foto: Nissan

Das schafft in Höhe des hinteren Radlaufs Lebensraum für zwei weitere Passagiere, mit denen man es allerdings nicht besonders gut meint. Wenn es schon bei Fahrzeugen zwei Klassen größer mit dem Platzangebot für Bewohner in der dritten Reihe schlecht aussieht, kann man sich denken, wie knapp es im Qashqai +2 zugeht.

Nissan meint, Personen bis 1,60 Metern sei das ganze zuzumuten. Real sollte man deutlich kleiner einen Schlussstrich ziehen. Kleine Kinder - ja, der Rest bitte nicht. Denn sowohl Ein- und Aussteigen als auch Sitzkomfort sind kaum zumutbar. Daran ändern auch die vergrößerten Türen und die verlängerten Seitenelemente am Heck nichts.

Große Nachfrage

Qashqai oder Qashqai +2
Qashqai oder Qashqai +2 © Foto: Nissan

Trotzdem dürfte sich der 4,53 Meter lange Nissan Qashqai+2 als sinnvolle Ergänzung zur Kurzversion in Szene setzen können, die seit ihrer Markteinführung vor rund eineinhalb Jahren mehr als 250.000 Mal verkauft werden konnte. Die Nachfrage nach dem Qashqai ist ungemein groß. Im Juli wurde im Produktionswerk Sunderland daher eine dritte Schicht eingeführt.

«Ebenso wie der Qashqai solchen Kunden eine Perspektive jenseits von Golf und Focus eröffnet hat, offeriert ihnen der +2 eine willkommene Alternative vom konventionellen C-MPV», so Simon Thomas, bei Nissan Europe verantwortlich für Sales und Marketing.

Bequeme Rücksitzbank

Praktische Rücksitzbank
Praktische Rücksitzbank © Foto: Nissan

Nissan erwartet daher einen +2-Verkaufsanteil von 35 Prozent. Das gewisse etwas Mehr an Platz muss nicht allein Passagieren zur Verfügung gestellt werden. Die Langversion des Qashqai bietet hinten mehr Freiheit für Kopf, Knie und Gepäck. Der Laderaum fasst bei normaler Bestuhlung 550 Liter. Das sind 140 Liter mehr als im kurzen Qashqai. Zudem wurde die Ladekante durch eine geänderte Heckklappe geringfügig abgesenkt.

Praktischer als die beiden Notsitze im Laderaum ist die verschiebbare und in der Neigung verstellbare Rücksitzbank. Hier sitzen Passagiere jeder Größe sehr bequem und freuen sich über die zahlreichen Ablagemöglichkeiten. Wer die Rücksitze komplett umklappt, hat eine nahezu ebene Ladefläche und Stauraum von bis zu 1.520 Litern. Die Zuladung variiert je nach Version zwischen 490 und 550 Kilogramm.

Müde Automatik

Lieber per Handschalter unterwegs
Lieber per Handschalter unterwegs © Foto: Nissan

Das Motorenangebot entspricht der bekannten Qashqai-Palette ohne die Basisversionen mit 1,5 und 1,6 Litern Hubraum. Nicht nur wegen dem Mehrgewicht von rund 100 Kilogramm empfiehlt sich der zwei Liter große Commonrail-Diesel mit 110 kW / 150 PS. Von der Automatikversion sollte man trotz 320 Nm maximalem Drehmoment ab 2.000 U/min jedoch auch im Modelljahr 2009 die Finger lassen. Die sechsstufige Wandlerautomatik macht den an sich gleichermaßen kraftvollen wie leisen Vierzylinder träge, müde und nimmt ihm jede Dynamik.

Hier ist die manuelle Schaltvariante die deutlich bessere Version. Der Verbrauch liegt mit sieben Litern pro 100 Kilometern ein Liter unter der Automatikversion. Die Höchstgeschwindigkeit geht mit 190 km/h in Ordnung. Der Spurt 0 auf 100 km/h in 12,4 Sekunden dauert mit dem Wandlerautomaten jedoch deutlich zu lang.

Allradversion sinnvoll

Ein Plus an Länge, Gewicht und Personen - daher wurde auch bei der Fahrwerksabstimmung nachgearbeitet und größere Bremsen verbaut. Trotzdem würde man sich in engen Kurven etwas weniger Seitenneigung wünschen; das gilt besonders, wenn man beladen unterwegs ist. Die präzise und gleichermaßen direkte Servolenkung gefällt. Um den Crossover nicht zu einem reinen Blender zu machen, sollte man sich guten Gewissens für die Allradversionen entscheiden. Macht beim gut ausgestatteten Nissan Qashqai +2 Acenta 4WD einen Aufpreis von 1.850 Euro.

Das komfortable Acenta bietet Klimaautomatik, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer, 17-Zoll-Alufelgen, sowie Regen- und Lichtsensor. Das 2.200 Euro teure Executive-Paket stattet das Modell zudem mit Bildschirmnavigation und Einparkhilfe mit Rückfahrkamera aus. Serienmäßig bei allen Qashqai-Langversionen an Bord: sechs Airbags, ESP, ABS und das fast 1,20 Meter langen Panorama-Glasdach.

250 Euro Aufpreis

Interessantes Outfit
Interessantes Outfit © Foto: Nissan

Wer sparen will und auf den Cent schaut, kann sich jedoch auch zum Basismodell Qashqai +2 Visia mit einem zwei Liter großen Basisbenziner mit 104 kW / 141 PS herüberschielen. Mit Frontantrieb geht es dann für 23.490 Euro los.

Der kurze Qashqai kostet mit identischem Triebwerk nur 250 Euro weniger. Ein Grund mehr, sich für die Langversion und den Namenszusatz «+2» zu entscheiden - auch wenn man die dritte Sitzreihe dort lässt, wo sie hingehört: in den Ladeboden.






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