24. April 2009

Fahrbericht Kia Sportage Softrocker mit Garantie

Der Kia Sportage
Der Kia Sportage © Foto: AG/Flehmer

Der Kia Sportage rollte schon durch die Felder als für VW und Ford die Worte Tiguan und Kuga noch sehr befremdlich klangen. Trotz einer Leistungsspritze agiert der kleine Geländewagen doch eher wie ein Softie.




Von Martin Woldt

Ja, das trefflichste Auto zur Jahreszeit ist dieser Kia mit Allradantrieb vielleicht nicht. Es sei denn, man ordert zusätzlich das vergnügungssteuerpflichtige Glasdach. In die Zeit allerdings passt der Sportage aber irgendwie schon. Der Gedanke drängte sich nämlich unverschämterweise auf, nach dem wir am etwas fummeligen neuen Navigationssystem in der oberen Mittelkonsole den Knopf für das Radio gefunden hatten. «Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit...» trällerte Silbermond da krisenschwanger und prompt aus den Lautsprechern.


Robust verarbeitet

Wäre Kias Mittun an dieser aufdringlichen Anspielung auf die Sieben-Jahre-Herstellergarantie irgendwie plausibel, man würde das Thema glatt verschweigen. Nun eben, seit der Sportage in der benachbarten Slowakei produziert wird, ist der Hersteller in der Frage so großmütig wie sonst keiner. Und, soweit man aus einem einwöchigen Test schließen kann, nicht ganz zu unrecht.

Das Fahrzeug wirkt robust, solide verarbeitet, nichts klappert oder knarzt. Um die recht hohe Fahrerposition zu erklimmen, sollte das Reißen in den Knien noch erträglich sein. Man sitzt hier gut zwei Zentimeter höher als im VW Tiguan oder Ford Kuga. Oben angekommen, wird man zudem mit einem Überblick, der zu den besseren im Klassement zählt, entschädigt.

Nüchternes Innenraumambiente

Nüchternes Ambiente
Nüchternes Ambiente © Foto: Press-Inform

Nicht in jede Blickrichtung mag man davon ungehemmt Gebrauch machen. So ist etwa das Cockpit nicht gerade ein heimeliges Kontrastprogramm zum gesellschaftlichen Klima hinter der Frontscheibe. Das Wort «nüchtern» wäre ein faires Adjektiv ergänzend zur Einladung, die Steuer und Schalter aussprechen. Die Vordersitze wurden zuletzt verbreitert, und wirken bisweilen etwas straff aufgepolstert, geben dafür aber deutlich besseren Seitenhalt.

Geblieben sind allerlei Ablagen und ein leicht erweiterbarer Kofferraum. So ganz leicht ist der allerdings nicht zu erreichen. Sowohl auf dem Weg über die extra zu öffnende Heckscheibe wie über die nicht minder aufragende Ladekante ist man im Vorteil, wenn man von Reinhold Messner schon gehört hat.

Allradantrieb kein Muss

Allradantrieb kein Muss
Allradantrieb kein Muss © Foto: Kia

Auch mit 150 statt 140 PS ist der Sportage ein Softrocker geblieben. Sein intelligenter Allradantrieb hat auf ausgewaschenen Feldwegen gewiss seine Vorteile, überlässt aber alle Antriebskraft automatisch den Vorderrädern, sobald die Geschwindigkeit über 40 km/h klettert. Der Grund ist weniger Reibung und infolge auch geringerer Verbrauch. So dass sich an der Stelle die prinzipielle Frage stellt, ob es wirklich die 4x4-Version des 25.840 Euro teuren Sportage sein muss.

Denn das Auto gibt es auch ohne, etwa 150 Kilogramm leichter und 2545 Euro erschwinglicher, bei allerdings nur geringfügig niedrigerem Verbrauch (0,1 Liter). Dazu ein letztes Wort. Der Sportage ist mit 8,6 Litern Diesel im Stadtverkehr und sieben Litern auf der Autobahn vergleichsweise ehrlich in seinen Verbrauchsangaben. Vorausgesetzt, man zögert nicht, die sechs Gänge hemmungslos durchzuschalten. Das wiederum würde mit besser erspürbaren Druckpunkten etwas mehr Spaß machen.






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