25. Februar 2008

Fahrbericht Hummer H3 Aufmerksamkeit garantiert

Keine Angst vor Matsch und Pampe
Keine Angst vor Matsch und Pampe © Foto: Textfabrik/Busse

Wer sich von seiner Umwelt nicht ausreichend wahrgenommen, gar missachtet und oder zu Unrecht übersehen fühlt, braucht sein Geld nicht zum Psychotherapeuten zu tragen. Auch die Anschaffung eines Hummer H3 kann helfen.




Von Axel F. Busse

Eines ist gleich zu Beginn sicher: Der Hummer H3 ist ein Auto, mit dem man garantiert und überall ausreichend Aufmerksamkeit hervorruft. Genau 322 Mal wurde im vergangenen Jahr so ein Auto in Deutschland neu zugelassen. Die im Vergleich zu anderen Geländewagen verschwindend geringe Zahl garantiert auch weiterhin Exotenstatus auf einheimischen Straßen. Bei anderen Marken würde man diese Absatzmenge auch eher als Flop werten, doch bei General Motors ist das anders.


Vom Militär- zum Zivildienst

Anlässlich der ersten öffentlichen Präsentation des «Baby»-Hummers sprach der Importeur von einer Absatzerwartung von etwa 150 Stück jährlich in Deutschland. Daran gemessen ist der H3 ein richtiger Verkaufsschlager. Und die rollende Unvernunft.

Ursprünglich fürs Militär konzipiert, dann für die zivile Nutzung adaptiert und schließlich auf straßenkonforme Dimensionen reduziert ist der Hummer zwar ein Fahrzeug mit hervorragenden Geländeeigenschaften geblieben - aber wer braucht die schon? Für Land- und Forstwirtschaft sowie für die Gemeinde an eingefleischten Offroad-Fans, die sich am Wochenende in Schlammgruben aus Spaß den Dreck um die Ohren fliegen lassen, gab es schon vor dem H3 ausreichende Angebote bei anderen Herstellern.

Widersprüche wohin man sieht

Keine Angst vor tiefen Pfützen
Keine Angst vor tiefen Pfützen © Foto: Textfabrik/Busse

Es geht also um den Kult. Wenn selbst 18 Jahre alte Fahranfängerinnen den Hummer zu ihrem Lieblingsauto erklären, muss ja wohl eine Faszination von dem Wagen ausgehen, bei der andere Fahrzeuge nicht mithalten können. Und richtig: Wer das Trittbrett erklimmt und zum Fahrersitz emporklettert, kommt an in einer Umgebung, die in einem beweglichen Bunker kaum anders, sicher aber nicht widersprüchlicher sein dürfte.

Die kleinen Scheiben lassen kaum Licht ins Innere, die breiten Ledersessel wollen aber Gemütlichkeit suggerieren. Das dicke Lenkrad lässt an eine sportliche Gangart und fahrdynamische Qualitäten denken, tatsächlich kommt bei 160 km/h der Vortrieb an seine Grenze und wer angesichts des martialischen Auftritts mit reduzierter Sicherheitsausstattung rechnet, wird erstaunt sein, Kopf- und Seitenairbags im serienmäßigen Lieferumfang zu finden.

Gemessen an Fahrzeugen mit ähnlicher Geländetauglichkeit ist man im Hummer wirklich sehr kommod unterwegs. Bewährte Kraxler wie der Jeep Wrangler oder der Land Rover Defender geben sich am Hang zwar ebenfalls keine Blöße, sind aber für eine lange Autobahntour allenfalls zweite Wahl. Im Hummer dagegen ist auch auf langen Strecken Entspannung möglich. Der serienmäßige Tempomat und die aufpreispflichtige Automatik (plus 2100 Euro) lassen durchaus so etwas wie Limousinenkomfort aufkommen. Als Zugmaschine für Pferde- oder Bootsanhänger kommt der H3 weniger ist Betracht, denn mit 1650 Kilo liegt die maximale Anhängelast doch deutlich unter denen anderer Fahrzeuge ähnlichen Kalibers.

Tankverschluss als Luxusgut

Hinterlässt auch abseits der Pampe eine gute Figur
Hinterlässt auch abseits der Pampe eine gute Figur © Foto: GM

Der 3,7-Liter-Motor leistet 244 PS lässt bei den Insassen keinen Zweifel darüber aufkommen, welche Anstrengung es bedeutet, die 2,2 Tonnen Leergewicht in zügiger Bewegung zu halten. Die permanent hohen Drehzahlen und die damit verbundene Geräuschentwicklung sind aber nicht zu mindern, da der Automatik eine fünfte oder gar sechste Schaltstufe fehlt. Was das wiederum für den Verbrauch bedeutet, ist zu ahnen: Auch mit zurückhaltender Fahrweise war das Testfahrzeug nicht dazu zu bewegen, weniger als 15 Liter je 100 Kilometer Strecke in Abgas zu verwandeln, bei voller Auslastung von fünf Plätzen und mit Gepäck für Passagiere beladen entsprechend mehr.

Dass die Tankanzeige während längerer Fahrten zum wichtigsten Instrument wird, ist da kein Wunder. Konsequent freilich ist, dass der Hersteller das Fahrzeug von Hause aus nicht mit einem abschließbaren Tankdeckel ausliefert. Potenzielle Spritdiebe kämen sowieso nicht auf die Idee, in einem Hummer-Tank könnte sich noch eine nennenswerte Menge Benzin befinden. Wer dennoch den Behälter verriegeln möchte, kann als Original-Zuberhörteil einen verchromten Verschluss bekommen - zum unverschämten Preis von 358,80 Euro.

Hindernisse ohne Schrecken

Wohlfühlen in der Pampe
Wohlfühlen in der Pampe © Foto: Textfabrik/Busse

Was die einheimische Feldmark an Buckelpisten, Trampelpfaden, Böschungen und holperigen Waldwegen zu bieten hat, ist für den Hummer H3 keine wirkliche Herausforderung. Obwohl mit 219 Millimeter Bodenfreiheit nicht sonderlich hochbeinig, so ist der Unterbau doch robust genug, um auch kleinere Aufsetzer schadlos zu überstehen. Die Getriebeuntersetzung wird elektronisch gesteuert und nimmt auch schwierigen Hindernissen ihren Schrecken. Der Hersteller verspricht, dass das Fahrzeug auch eine 40 Zentimeter hohe vertikale Wand erklimmt, sagt aber nicht, wofür diese Fähigkeit wichtig ist. Treppenstufen sind jedenfalls nicht so hoch. Mit 11,3 Metern Wendekreis ist der Wagen noch gut manövrierfähig, wenn auch die fast zwei Meter Fahrzeugbreite nicht für jede hohle Gasse geeignet sind.

Souverän im Gelände, erstaunlich komfortabel auf der Straße und Platz für maximal 1570 Liter Gepäck - eigentlich könnte der H3 ein praktisches Auto mit großem Aktionsradius sein. Was ihm fehlt, ist eine Antriebseinheit, die in die Zeit passt. Statt des schluckfreudigen Fünfzylinders wäre ein bulliger Dieselmotor angemessen, den es bei Hummer aber nicht gibt.

Bis Hilfe naht, ist Geduld gefragt: General Motors hat einen 250 PS starken V6-Diesel entwickelt, der aber 2009 erst im Cadillac CTS angeboten werden soll. Ob das 2,9-Liter-Aggregat im Hummer zu haben sein wird, steht dahin, und bis dahin werden noch die deutschen Besitzer mit zusammen gebissenen Zähnen die Tankstellen ansteuern.






Mehr zur Marke Hummer

Hummer

Seit 2010 ist die Produktion anch insgesamt nur sieben Jahren eingestellt worden. Angesichts der Verbräuche von H1, H2 und H3 passten die von Militärfahrzeugen abgeleiteten Riesenschiffe der GM-Tochter nicht mehr in die Zeit.



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