25. August 2009

Fahrbericht Corvette ZR-1 In 7,26 Minuten durch die «Grüne Hölle»

Die Corvette ZR-1
Die Corvette ZR-1 © Foto: press-inform

Kaum ein Sportwagen polarisiert derart wie die Corvette. Die einen halten die US-Flunder für einen der besten Sportwagen auf der Welt. Andere rümpfen über die Prolo-Schleuder seit Jahrzehnten die Nase. Zumindest bei der ZR-1 müssten alle einer Meinung sein: Absolute Sportwagenklasse.




Von Stefan Grundhoff

Nicht, dass man am Steuer einer Corvette schon einmal das Gefühl gehabt hätte, untermotorisiert am Straßenverkehr teilgenommen zu haben. Doch selbst die Kraftprotze Coupé, Cabriolet und Z06 lassen noch genügend Platz nach oben. Optisch fällt die Rennversion ZR-1 kaum mehr ins Auge, als es eine normale Corvette tun würde. Einige schauen, wenige blicken - doch für helle Aufregung wie mit einem Lamborghini Murcielago oder einem Ferrari 430 Scuderia sorgt der US-Bolide schon lange nicht mehr. Zu sehr wirkt sein Design wie aus einem Guss. Flach, sportlich und eben typisch US-Style. Da macht der 1,6 Tonnen schwere Supersportwagen ZR-1 keine Ausnahme. „Wir haben mit der ZR-1 auf der Nordschleife des Nürburgrings eine Zeit von 7,26 Minuten gefahren“, läutet Testfahrer und technischer Manager Patrick Herrmann ein, als er aus dem grauen Boliden steigt. 7,26 Minuten auf dem wilden Eifelgeschlängel - das ist eine Zahl die sitzt. So zahm und normal diese Corvette auch aussieht - sie ist es nicht. Im Gegenteil.


Brachialer Vortrieb

Man muss genau hinschauen um zu sehen, was einen hier erwartet. Dach, vordere Kotflügel und die Motorhaube aus Karbon. Das ist echte Rennsporttechnik. Auch die kleine Spoilerlippe lugt im Karbonlook unter der Frontschürze hervor. «Die brauchen wir. Zum einen für den Anpressdruck und für das Rennreglement», erklärt Patrick Herrmann fachkundig, der selbst ein paar tausend Erprobungskilometer in der ZR-1 absolviert hat. Die Corvette ZR-1 ist der Straßenbruder der Rennversion, die in der Le-Mens-Serie startet. Dabei ist bereits die Straßenversion eine Rakete. 6,2 Liter Hubraum, 476 kW / 647 PS und acht Brennräume mit Kompressoraufladung. Kein Wunder, dass diese Rakete in 3,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigen soll. Die Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h. Für die entsprechende Verzögerung sorgt eine Keramik-Bremsanlage von Brembo.

Doch noch spektakulärer als Vollgasstart oder Regelbremsung ist die Beschleunigung aus dem laufenden Verkehr. Wenn der Kompressor, der durch eine Plexiglasluke für jedermann von außen zu bestaunen ist, einmal greift, wächst kein Gras mehr und der Asphalt scheint sich zu wellen. 819 Nm maximales Drehmoment bei 3.800 U/min weiß man erst dann zu schätzen, wenn man sich einmal ihrer bedient hat. Tempo 50, dann zweiter Gang und Vollgas. Die Corvette schiebt, als müsste sie ein Space Shuttle in die Weiten des Weltraums emporheben. Und kaum ein Zweifel, dass sie es könnte. Ganz ohne Feststoffraketen. Der Vortrieb ist schlicht brachial. Doch kaum weniger beeindruckend, wie souverän der Porsche-Jäger seine Leistung auf den Untergrund transferiert.

Fehlendes Feeling der Lenkung

Rennsporttechnik gut verpackt
Rennsporttechnik gut verpackt © Foto: press-inform

Hinten beißen sich 335er Hochgeschwindigkeitsreifen in den Asphalt und sorgen dafür, dass der Pilot sich allein um die Richtung der Kraftexplosion kümmern muss. Wenn man der ZR-1 neben der schlechten Sitzposition etwas vorwerfen kann, ist es die Lenkung. Die könnte schlicht präziser, feinfühliger und handlicher sein. So hat man bei jeder Geschwindigkeit das Gefühl, man würde eine gigantische Schnauze um die Kurven drücken müssen.

Doch wer angesichts des gewaltigen Leistungsspektrums einen bockelharten Renner ohne Manieren erwartet hat, sieht sich getäuscht. Wenn man will, mimt die ZR-1 trotz mitunter etwas knochiger Handschaltung sogar den lässigen Cruiser und bügelt mit dem elektronischen Dämpfersystem Magnetic Ride Fahrbahnunebenheiten weg, so gut es geht. Alles in allem überaus komfortabel und selbst den Sportmodus kann man nicht nur auf der Rennstrecke einschalten. 15 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometern - angesichts dieser Fahrleistungen allemal noch akzeptabel, aber kaum interessant für die Interessenten. Schon wichtiger ist da der Klappenauspuff, der einen nicht bereits bei niedrigen Drehzahlen mit einem wilden Getöse nervt.

Limitiertes Angebot

Der Kompressor ist auch bei geschlossener Klappe zu sehen
Der Kompressor ist auch bei geschlossener Klappe zu sehen © Foto: press-inform

Dass ein solcher Rennwagen gerade einmal 135.990 Euro kostet, muss die Konkurrenz aus Stuttgart, Sant' Agata oder Maranello schlicht zu Tränen rühren. Denn für diesen Preis hat kein anderer Sportwagenhersteller einen ähnlichen Rennwagen zu bieten. Da kann man auch schon einmal über den einen oder anderen Makel hinwegsehen. Das ist neben der mäßigen Ergonomie und den schwachen Sitzen insbesondere eine Zuladung von gerade einmal 227 Kilogramm. So bringt es auch wenig, dass die ZR-1 ebenso wie ihre schwächeren Corvette-Brüder über einen 634 Liter großen Kofferraum verfügt.

Und wer eine Corvette ZR-1 auf der Straße sieht, kann sich glücklich schätzen. Patrick Herrmann: «Dieses Jahr kommen gerade einmal 50 Fahrzeuge nach Europa. Im nächsten Jahr werden es jedoch deutlich mehr werden.» Die Pleite des Generalimporteurs Kroymans machte den Sportwagenträumern einen Strich durch die Rechnung. Doch Corvette arbeitet an einem eigenen deutschen Händlernetz.






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