Zero DSR/X: Mit gutem Gewissen ins Gelände

Zero DSR/X: Mit gutem Gewissen ins Gelände
Die Zero DSR/X hinterlässt auch im Gelände einen guten Eindruck. © Thierry Dricot/Zero

Zero hat mit der DSR/X ein neues Modell auf den Markt gebracht. Das Elektro-Motorrad der US-Amerikaner hinterlässt auf der Straße einen ebenso stimmigen Eindruck wie im Gelände.

Zu Absatzerwartungen sagt Zero bekanntlich nichts. Da macht der Hersteller von Elektro-Motorrädern auch mit Blick auf sein neuestes Modell keine Ausnahme. Dabei bringt die DSR/X alles mit, um das Wachstum der us-amerikanischen Marke weiter zu beflügeln.

Schließlich erschließt die DSR/X für Zero Motorcycle das Segment der Adventure-Bikes, wie Entwicklungschef Abe Azkenazi das Modell bezeichnet. Damit dürfte auch weiteres Wachstum für die Marke einhergehen, die Ende September bei einer neuerlichen Finanzierungsrunde 110 Millionen Euro eingesammelt hat.

Stimmiger Eindruck auf Offroad-Parcours

Klar, die DSR/X ist primär für die Straße und nicht als Enduro konzipiert. Doch wie die Testfahrten auf einem Offroad-Parcours in Belgien zeigten, hinterlässt dieses Bike auch dort mit seiner technischen Ausstattung einen stimmigen Eindruck.

Die Zero DSR/X verfügt über ein gut ablesbares Digitaldisplay. Thierry Dricot/Zero

Doch bevor es auf die Motocross-Piste geht, bietet unser Instruktor noch kurz darum, unter den insgesamt fünf Fahrmodi den Offroad-Modus zu wählen. Das geschieht über einen kleinen Schalter am linken Lenkergriff. Die Bedienbarkeit erschließt sich zwar nicht intuitiv, aber wenn man es ein paar Mal gemacht hat, weiß man, wie es funktioniert.

Federweg von 190 mm

Obwohl unsere Testmaschine nur mit Straßen- und nicht Stollenreifen ausgestattet war, lässt es sich mit der Zero DSR/X ziemlich souverän und spaßbetont über Waldwege und tiefes sandiges Gelände fahren. Die DSR/X vermittelt dem Fahrer dabei ein gutes und vor allem sicherer Gefühl. Die voll einstellbare Gabel bietet einen Federweg von 190 mm und steckt dabei auch heftigere Schläge im Gelände gut weg. Die Sitzhöhe liegt bei rund 83 Zentimeter, auch wenn man im Gelände überwiegend stehend unterwegs ist.

Mit ihrem Gewicht von 247 Kilogramm ist diese Zero DSR/X zwar kein Leichtgewicht, doch das merkt man ihr auch abseits des Asphalts kaum an. Unterwegs ist die Zero mit einem 15,2 kWh starken Batteriesystem. Es ist übrigens das stärkste, was die Elektro-Motorradmarke bisher entwickelt hat. Der E-Motor bringt es auf eine Maximalleistung von 102 PS und stellt ein Drehmoment von satten 225 Nm zur Verfügung. Wie bei Elektro-Motorrädern üblich, liegt es sofort an und verlangt von E-Motorrad-Newcomern aufgrund der vehementen Beschleunigung etwas Umsicht. Die Spitzengeschwindigkeit wird bei 180 km/h abgeregelt.

Reichweite bei 185 Kilometer

Das Ablagefach bei der Zero DSR/X lernt man zu schätzen. Thierry Dricot/Zero

Und, wie weit kann ich mit der Zero DSR/X fahren? Es kommt immer darauf an, wie man sie fordert. So wird die Normreichweite mit 185 Kilometern angeben, in der Stadt sind über 290 Kilometer möglich. Die höhere Reichweite basiert darauf, dass im Stadtverkehr viel rekuperiert werden kann, also Energie in die Batterie zurückgeleitet wird, beispielsweise beim Bremsen. Im Eco-Modus ist die Rekuperation übrigens besonders stark.

Ist die Batterie leer, vergehen an einer Ladestation rund zwei Stunden (mit optionalen Rapid-Charger eine Stunde), um sie von 0 auf 95 Prozent aufzuladen. An einer Haushaltssteckdose muss man dafür zehn Stunden einkalkulieren. Wer Angst vor fehlender Reichweite hat, der kann sich indes auch einen 3,6 kWh starken Zusatzakku ordern. Untergebracht werden kann der im 20 Liter-Staufach. Es befindet sich direkt vor dem Fahrer. Genau dort, wo sich bei Motorrädern mit Verbrennungsmotorrad der Benzintank befand.

Niedriger Schwerpunkt

Ist man mit der Zero auf der Straße unterwegs, setzt sich der gute Gesamteindruck fort. Die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterrad von 50:50 sorgt im Zusammenspiel mit dem niedrigen Schwerpunkt für ein ausgewogenes Fahrgefühl. Die Zero reagiert prompt auf Lenkbefehle, lässt sich gut durch Kurven bewegen. Ein Feature, was besonderer Erwähnung bedarf, ist die Rangierhilfe. So fährt die Zero bis Tempo 5 km/h vorwärts und rückwärts. Eine Funktion, die man schnell zu schätzen lernt. Ansonsten verfügt die neue Zero über alle gängigen Fahrassistenzsysteme wie Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Tempomat und Berganfahrhilfe. Doch das kann man von einer Maschine auch erwarten, die für mindesten 26.650 Euro in der Preisliste steht.

Auf der Straße bietet die DSR/X von Zero ein stimmiges Handling. Foto: Thierry Dricot/Zero

Das ist ein saftiger Preis, doch auch andere E-Motorräder sind nicht günstiger. Doch wer kauft sich ein Elektro-Motorrad für so viel Geld? Vom Alter her unterscheiden sich die Kunden nicht vom typischen Motorradkäufer, sagt Nina Luisa Bernecker aus dem Zero-Marketing. „Sie sind zwischen 45 und 50 Jahre alt, teilweise auch älter.“ Es seien Kunden mit einem hohen Sachverstand, die teilweise bereits auch ein Elektroauto fahren und auch mit dem Zweirad nachhaltig unterwegs sein wollen, so Bernecker. Es ist ein Klientel, was sich das Bekenntnis zu Nachhaltigkeit auch einiges kosten lässt. Keine schlechte Aussichten für eine Maschine wie die DSR/X von Zero.

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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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