Suzuki GSX-R 600: Verliebt in hohe Drehzahlen

Suzuki GSX-R 600:
 Verliebt in hohe Drehzahlen
Die Suzuki GSX-R 600. © Foto: Werk

Die Suzuki GSX-R 600 bietet Leistungen einer Rennmaschine. Doch die Fahrwerksabstimmung lässt auch äußerst bequemes Fahren auf der Landstraße zu.

Thilo Kozik

Auf den ersten Blick sehen sie alle gleich aus: Suzukis supersportliche GSX-R-Modelle geben sich gar keine Mühe, ihre Familienähnlichkeit zu verbergen.

Aggressiv und rundherum auf Sportlichkeit getrimmt zeigt auch das frisch renovierte Nesthäkchen GSX-R 600 die markante Front aus übereinander angeordnetem Projektionsscheinwerfer mit Reflektorleuchte. Mit der gedrungenen Silhouette und den schwarzen Rahmenoberzügen ist sie ganz die kleine Schwester der großen Sportlerinnen GSX-R 750 und 1000. Mit diesen teilt sie auch das schicke Leuchtdioden-Heck, was die Produktionskosten miniert haben dürfte.

Drehzahlgieriger Motor

Rennfeeling für die Straße: Die Suzuki GSX-R 600. Foto: Werk

Neben der modernisierten Optik liegt bei einem solchen Supersportmotorrad natürlich die Antriebseinheit im Fokus. Und da erweist sich das neue Suzuki-Aggregat in bester Japan-Tradition als drehzahlgierig wie sonst keine 600er aus Japan. Ihr Arbeitseinsatz beginnt fast dort, wo viele andere Aggregate ihre Anstrengungen Begrenzer bedingt einstellen. Für diese Drehzahlen wurde es indes perfekt ausgelegt: Im neuen, kompakt gestalteten Zylinderkopf machen leichte und drehzahlfeste Titanventile maximale Drehzahlen bis zum 16.000er Gipfel möglich. Ventilationsbohrungen im Zylinderfuß zwischen den einzelnen Zylindern verbessern den internen Druckausgleich im Motor und verringern damit innere Widerstände gerade bei hohen Drehzahlen.

Hinzu kommen detailliert vorgenommene Gewichteinsparungen, die allesamt zur Drehfreude beitragen. So lassen die Hamamatsu-Ingenieure 120 Pferde jaulenden 13.000 U/min. galoppieren. Das maximale Drehmoment von 66 Newtonmeter stellt sich bei 10.750 U/min. ein. Das mündet zusammen in einer Höchstgeschwindigkeit von 249 km/h.

Bei der Sitzposition fällt die ausgezeichnete Integration des Fahrers auf: kompakt, aber nicht gedrängt, schmiegen sich die Oberschenkel um den 17-Liter-Tank, man fühlt sich auf Anhieb als Teil des Motorrades, den schmalen Lenker sicher in der Hand und mit einem guten Gefühl der Fahrzeugkontrolle ausgestattet.

Gutes Getriebe

Cockpit der Suzuki GSX-R 600. Foto: Werk

Außerdem wird das Rühren im exakten und leichtgängigen GSX-R-Getriebe geradezu zum Genuss, was allerdings gleichzeitig die Voraussetzung dafür ist, dass der Kontakt zur Konkurrenz am Kurvenausgang nicht abreißt. Unter 8000 darf die Nadel des Drehzahlmessers nicht sinken, besser sind fünfstellige, dann spielt der Suzuki-Four sein ganzes Potenzial aus. Dass die Fahrleistungen erstaunlicherweise vor allem in den Durchzugsübungen beeindruckend ausfallen, liegt an der vergleichsweise kurzen Übersetzung. Einziger Kritikpunkt ist das nach Schiebetrieb im unteren Drehzahldrittel bisweilen harte Ansprechen der Einspritzanlage - trotz bewährter Suzuki Doppel-Drosselklappenstrategie.

Was auf der Rennstrecke angepasst erscheint, macht auf den Landstraßen wenig Sinn: die luftpumpigere Charakteristik nötigt zu hohen Drehzahlen. Dafür kann der neuen GSX-R in punkto Agilität niemand das Wasser reichen.

Solide Stabilität

Ihre auf Handlichkeit getrimmte Fahrwerksgeometrie erlaubt in technisch anspruchsvollen Ecken fast freie Linienwahl, wo die Konkurrenz gerade Wege fahren muss, kann die GSX-R noch ausholen und mit Schwung um’s Eck biegen. Korrekturen im letzten Moment setzt sie selbst in tiefster Schräglage spontan um. Manchmal erscheint das Ganze fast überhandlich, die Suzuki reagiert bei niedrigem Tempo schon auf den kleinsten Impuls.

Andererseits stellt sich mit zunehmender Geschwindigkeit eine solide Stabilität ein, die sich hinter dem Niveau der Konkurrenz nicht zu verstecken braucht. Beim wilden Beschleunigen beruhigt zudem ein serienmäßiger Lenkungsdämpfer die leicht werdende Front, ein in dieser Klasse nicht übliches Ausstattungsdetail.

Selbst heftiges Bremsen lockt die GSX-R nicht aus der Reserve, und das kann sie wie keine zweite: Radial montierte Festkolbensättel liefern dank Radialpumpe glasklare und brachiale Verzögerungsleistungen, die ihr in der Anbremszone deutliche Vorteile bescheren - auch des geringeren Gewichts wegen. Abseits der Rennstrecke überrascht die mit 9690 Euro nicht überteuerte GSX-R sogar mit einer gelungenen Fahrwerksabstimmung für Landstraßen zweiter bis dritter Ordnung. Diese Auslegung harmoniert hervorragend mit der ausgeprägten Wuseligkeit, mit der die 600er durchs Kurventerrain pfeilt. Allein der drehzahlverliebte Motor passt nicht wirklich in die Straßenlandschaft.

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