1. Juli 2010

Fahrbericht VW Amarok Der Lust-Laster

VW Amarok
VW Amarok © VW

Nun hat auch Volkswagen das Segment der Pick-Ups erkannt. Mit dem Amarok wollen die Wolfsburger einen das Segment nun von hinten aufrollen.




Von Gerhard Prien

Weltweit ist der Pick-up die meist verkaufte Karosserieform. Weit, ganz weit vor Kombis, Limousinen, SUVs oder gar Cabrios. Kein Wunder, dass auch Volkswagen Nutzfahrzeuge mit dem neuen Amarok ein Stück vom weltweit recht großen Kuchen abhaben will. Ganz im Gegenteil ist es eher schon verwunderlich, dass die Hannoveraner (nach einem Zwischenspiel mit dem in Kooperation mit Toyota gebauten Taro in den 1990er Jahren) so lange mit einem "kleinen" Pritschenwagen auf sich haben warten lassen.


10.000 Einheiten jährlich

Während in den USA die Hausfrau mit dem Pick-up zum Supermarkt, der Börsenmakler ins Büro und der Nachwuchs zum Sport fährt, begrenzt sich die Nachfrage in Deutschland auf rund 10 000 Einheiten jährlich. Die Kunden sind beileibe nicht nur Freizeit-Cowboys, denn so ein Pick-up hat durchaus seine praktischen Seiten. Im Falle des 5,25 Meter langen VW Amarok sind das: Platz für bis zu fünf Personen, die Pkw-ähnlich untergebracht sind und eine anständig bemessene Ladefläche (Ladeflächentiefe 1,56 Meter, Ladeflächenbreite 1,62 Meter), die obendrein mit einer Ladekantenhöhe von 78 Zentimeter recht niedrig liegt.

Oder anders gesagt: Die Ladefläche nimmt eine Euro-Palette auch quer auf, denn der Abstand zwischen den Radhäusern liegt bei 1,22 Metern. Damit legt der neue Amarok, der ab September zu haben ist, Bestwerte in seiner Klasse vor. Seine Klasse ist die der viertürigen Doppelkabine mit rund einer Tonne Nutzlast - je nach Version darf der Amarok sogar bis zu 1,16 Tonnen zuladen. Auf die eher nutzorientierte zweitürige Single-Cab-Version mit zwei Sitzen und einer entsprechend längeren Ladefläche müssen potenzielle Käufer noch warten. Sie ist für die erste Jahreshälfte 2011 angekündigt.

Drei Antriebsversionen

Neben der großen Ladefläche bietet der im argentinischen Werk Pacheco gefertigte Amarok gleich drei Antriebsversionen: Heckantrieb, zuschaltbaren und permanenten Allradantrieb. Kleiner Knüller: Zuschalt- und Permanent-Allrad gibt es zum gleichen Preis. Dummerweise ist die Untersetzung bisher nur für die Version mit zuschaltbarem 4x4-Antrieb zu haben - aber das kann sich ja noch ändern. Hilfreich wäre eine Untersetzung etwa beim Zuwasserlassen eines Bootes. Das kann auch schon etwas größer sein, bis zu 2,8 Tonnen darf der Amarok ziehen.

Man muss kein Prophet sein, um den Modellen mit reinem Heckantrieb auf dem deutschen Markt nur eine Außenseiterrolle vorherzusagen. Der Wettbewerb hat das erkannt - und bietet in Deutschland folgerichtig nur noch Allrad-Varianten an. Denn offenbar genießen die Kunden das Gefühl zu können, wenn man wollte. Alle Antriebsaggregate bieten eine elektronische Differenzialsperre mittels automatischem Bremseingriff. Wem das nicht reicht: Optional ist eine mechanische Differenzialsperre für die Hinterachse zu haben.

Zweiliter-TDI ein Highlight

Weiteres Highlight des Amarok ist sein in Deutschland gefertigter 120 kW/163 PS starker Zweiliter-TDI mit Common-Rail-Direkteinspritzung und zweistufiger Bi-Turboaufladung. Schon ab 1 500 Touren bringt der Selbstzünder, der auch beim T5 zum Einsatz kommt, ein maximales Drehmoment von 400 Nm ab 1 500 Touren. Und das bei einem günstigen Durchschnittsverbrauch von 7,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer Fahrstrecke (beim Amarok 4x2).

Die "Szene" in Deutschland bedauert zwar, dass VW nicht ins Regal gegriffen und einen dort befindlichen Dreiliter-Motor unter die Haube des Amarok gesteckt hat - aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Und außerdem hat VW mit seinem neuen Nützling auch eher andere Märkte im Visier: Südamerika, Australien oder Afrika.

Märkte, in denen Wettbewerber wie Toyota anständige Stückzahlen absetzen. Und wo geringer Verbrauch und daraus resultierende höhere Reichweite mehr zählen als imponierende Hubraumzahlen. Erstaunlich ist auf alle Fälle, dass der Amarok gegenüber japanischen Mitbewerbern wie Nissan Navara, Mitsubishi L 200 oder Toyota Hilux nicht das Gefühl aufkommen lässt, untermotorisiert unterwegs zu sein. Und das, obwohl die Wettbewerber einen halben bis ganzen Liter mehr Hubraum zu bieten haben.

Euro5-Norm

Eine zweite Motorvariante mit 90 kW/122 PS und 340 Nm Drehmoment ab 1 750 Touren schiebt Volkswagen Nutzfahrzeuge nach. Sie dürfte eher den gewerblichen als den privaten Kunden ansprechen. Beide Motoren erfüllen die Euro-5-Abgasnorm und sind mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe gekoppelt. Ein Automatikgetriebe soll, so hört man aus Hannover, jedoch schon in Arbeit sein.

Wie fährt er sich nun, der neue Amarok? Erstaunlich gut für einen Pick-up. Von der angeblichen Anfahrschwäche, über die hier und da schon mal gemunkelt wurde, keine Spur.

Außerdem ist der Lust-Laster aus Hannover – für einen Pick-up - erstaunlich komfortabel. Und das nicht nur auf der Straße, sondern auch im Gelände. Leiser ist er auch, und mit seinen 163 Pferdchen unter der Haube werden selbst längere Strecken nicht zur Qual. Dafür sorgt auch die erreichbare Höchstgeschwindigkeit von über 180 km/h. Die umfassende Sicherheitsausstattung mit Fahrer- und Beifahrer-Airbag, seitliche Kopf-/Thorax-Airbags, Gurtstraffer vorne und ESP ist auf der Höhe der Zeit. (mid)






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