10. August 2010

Fahrbericht Nissan Cube Japanische Designer-Handtasche

Kein Einerlei verkörpert der Nissan Cube
Kein Einerlei verkörpert der Nissan Cube © Foto: Nissan

Der Nissan Cube ist wie eine Designer-Handtasche. Ein kostspieliges Accessoire, das für Aufsehen sorgt und das man am liebsten nicht mehr aus der Hand geben will.




Von Sabine Stahl

Japan ist bunt und schrill. Das gilt nicht nur für Klamotten und Leuchtreklamen, sondern auch für die überfüllten Straßen, auf denen sich die wundersamsten automobilen Formen aneinander vorbeischlängeln. Zu diesen für europäische Augen ungewöhnlich geformten Fortbewegungsmitteln gehört seit vielen Jahren der Nissan Cube. Da Exzentrik in unseren Gefilden vor allem bei jungen Käufern als chic gilt, hat es der Quader auf Rädern in seiner aktuellen Generation auch auf den europäischen Markt geschafft.


Ungewohnte Freiheit

Das Außergewöhnliche an dem Kleinwagen ist seine kastenförmige Karosserie mit minimalen Überhängen und einer Stummelschnauze. Einen Kontrast zu dem steifen Rahmen bilden die abgerundeten Fenster. Am Heck springt die asymmetrische, um die rechte D-Säule herumgezogene Scheibe ins Auge. Während die ungewöhnliche Karosserieform Passanten den Hals verdreht, vermittelt sie den Insassen jede Menge Wohlbehagen. Denn die ungewohnte Freiheit für den Kopf gibt den Passagieren das Gefühl, in einem großen Camper zu sitzen, mit dem man einmal um die ganz Welt fahren könnte - ganz gemach versteht sich, denn für die schnelle Nummer ist der Cube nicht zu haben.

Auch die Inneneinrichtung ist mit ihren weichen Sofasesseln ganz und gar auf Gemütlichkeit eingestellt. Das i-Tüpfelchen der Heimeligkeit ist der optionale Flokati für die Kuhle in der Mitte des Armaturenbretts. Dort kann der Haustürschlüssel und der Chip für den Einkaufswagen abgelegt werden. Mehr allerdings auch nicht, da weder die flache Kuhle, noch die Flokati-Fransen schwere Dinge am Platz halten können.

Pfiffige Gags

Dass die Designer des pfiffigen Fünftürers alles andere als einfallslos sind, zeigen auch andere Gags wie die Gummibänder an der Türinnenseite, mit denen Kleinkram, wie eine Plastiktüte oder eine Packung Tempos befestigt werden können, oder das serienmäßige Panorama-Glasdach, das sich mit original Shoji-Jalousien verdunkeln lässt.

Der Cube setzt alles auf eine Karte: seine sympathische Optik. Fahreigenschaften sind für die urbane Jugend, die sich vermutlich mit dem japanischen Gefährt schmücken wird, eher zweitrangig. Deshalb verzeiht man dem Kasten aus Fernost auch seine kaum konturierten zu weichen Sitze, die auf Dauer aufs Kreuz schlagen. Hinzu kommen laute Windgeräusche, die die Kastenform mit der steil stehenden Windschutzscheibe naturgemäß mit sich bringt.

Fehlender sechster Gang

Doch trotz der aerodynamisch unvorteilhaften Form ist der kleine Japaner keinesfalls temperamentlos. Der einzige Benziner im Programm schöpft aus 1,6 Litern Hubraum 81 kW/110 PS und verfügt über ein maximales Drehmoment von 153 Nm bei 4400 U/min. Mit dieser recht ordentlichen Leistung für einen Kleinwagen erreicht der Cube mühelos Autobahntempo und dank der Durchzugskraft des Vierzylinders kann der Fahrer durchaus auch zu Überholmanövern starten.

Allerdings ist der Antrieb in Sachen Geräuschentwicklung vor allem bei hohen Drehzahlen nicht gerade zurückhaltend. Was angesichts des fehlenden sechsten Ganges und der hohen Windgeräusche gerade bei flottem Tempo schnell zu einer störenden Geräuschkulisse anschwellen kann. Zudem fehlt es dem Fünfganggetriebe nicht nur an einem weiteren Gang, sondern auch an der nötigen Präzision.

Guter Durst

Beim Kraftstoffverbrauch werden die Pferdestärken bemerkbar. Der kleine Flitzer genehmigt sich pro 100 Kilometer 8,9 Liter und überschreitet die Herstellerangaben von 6,6 Liter damit deutlich. Über mehr Platz als vermutet freuen sich im Cube nicht nur die Köpfe der Insassen. Auch der Kofferraum hinter der links angeschlagenen und seitlich öffnenden Heckklappe bietet mehr Platz als man zunächst vermuten würde. Einerseits kann die Rückbank nach vorn verschoben werden, andererseits ist so viel Platz nach oben, dass man durchaus zwei Reisetaschen hochkant nebeneinander stellen kann. Selbst ein Kinderwagen findet sein Plätzchen. Dann müssen allerdings die Fondinsassen die Beine anziehen, was für kurze Strecken aber durchaus zumutbar ist.

Der Nissan Cube ist ein gelungenes Schmuckstück, welches für mindestens 18.000 Euro das Pkw-Einerlei auf deutschen Straßen bunter erscheinen lässt. Zwar werden die außergewöhnlichen automobilen Formen sicherlich nicht jedem gefallen, doch das macht Extravaganz ja gerade so reizvoll. (mid)






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