Zeekr 7X: Komfortzone mit Elektro-Punch

Zeekr 7X: Komfortzone mit Elektro-Punch
Viel Leistung, viel Platz: der Zeekr 7X. © Axel F. Busse

Der chinesische Geely-Konzern hat ein neues Modell in Deutschland auf den Markt gebracht: den Zeekr 7X. Was das SUV zu bieten hat, haben wir im Alltag getestet.

Heimlich, still und leise ist Geely zu einem stattlichen Player auf dem deutschen Markt geworden. Von den Marken Volvo, Polestar, Lotus, Lynk & Co sowie Smart wurden im vergangenen Jahr mehr als 70.000 Fahrzeuge neu zugelassen, das sind mehr als bei Nissan und Suzuki zusammen. Schon vor drei Jahren hatte man zwei Zeekr-Modelle gezeigt, doch erst seit diesem Frühjahr sind sie auch auf der Straße zu sehen. Nur vereinzelt zwar, aber das elektrische SUV 7X macht klar, wohin die Reise geht: Weiter nach oben.

Mit seiner Länge von 4,79 Metern überragt der 7X zum Beispiel einen Audi Q6 e-tron um zwei Zentimeter. Die von horizontalen Elementen bestimmte, gitterlose Frontpartie deutet klar auf den elektrischen Antrieb hin. Hinten zieht das durchgehende LED-Band die Heckpartie optisch in die Breite. Mit dem quadratischen Markenlogo dürfte kaum jemand etwas anfangen können, aber die wuchtige Erscheinung zieht wohl auch deshalb Blicke auf sich. 2,90 Meter Radstand lassen ordentlich Platz für einen großen Batteriespeicher, weshalb die „Privilege AWD“ genannte Top-Variante auf 100 kWh Stromvorrat bauen kann.

Tasten statt klassischer Türgriffe

Zugang zur Kabine ist ein Thema für sich. Das liegt am Schlüssel und an den versenkbaren Bügelgriffen, die man eigentlich gar nicht braucht, weil die Privilege-Ausstattung exklusiv elektrische Türen hat. Der Schlüssel ist eine winzige quadratische Kapsel, auf der die Funktionssymbole schlecht zu erkennen sind und die auch keine Befestigungsöse hat. Wer auf Steuerung per App und Smartphone verzichten will, wird ihn hassen, denn er bleibt zuverlässig immer in dem Kleidungsstück zurück, das man gerade nicht trägt.

AUfgeräumt: der Innenraum des Zeekr 7X. Foto: Zeekr

Ist er mal zufällig doch in der Hosentasche, genügt ein Druck auf die kleinen Tasten an B- oder C-Säule, um die Türen zu entriegeln oder zu schließen. Bei kurzem Druck öffnen sie einen Spalt, bei längerem Drücken schwingen sie komplett auf. So weit, so originell. Wer in Eile ist, wird beim Ein- oder Aussteigen aber weiterhin den Arm ausstrecken und muss dann das Türblatt gegen den Widerstand des Elektromotors bewegen. Noch eine kleine Überraschung erlebt man beim Anlegen des Gurtes: Es fehlt die Höhenverstellung – und das bei einem Auto, das sonst mit Komfort und Bequemlichkeit wirklich nicht geizt.

Viel Platz, edle Ausstattung

Dass die hinteren Seitenfenster nicht komplett versenkbar sind, stört nicht weiter, jedoch ist etwas Umgewöhnung für ihre Bedienung nötig. Die dazu dienenden Tasten stehen senkrecht und funktionieren genau umgekehrt wie erwartet: Ziehen zum Öffnen, drücken zum Schließen. Beim Blick in den Rückspiegel ist wegen der hinteren Kopfstützen kaum etwas vom nachfolgenden Verkehr zu sehen, aber es ist leicht, sich in der geräumigen Kabine wohlzufühlen. Massagefunktion in den Vordersitzen, üppige Beinfreiheit hinten, saubere Verarbeitung, hochwertige Materialien. Die Innenbreite vorn beträgt 1,49 Meter, hinten sind es 1,44 Meter. 539 Liter Volumen stehen unter der elektrischen Heckklappe an Kofferraum zur Verfügung und die Ladekante ist mit 70 Zentimeter angenehm niedrig. Noch flacher geht‘s per Knopfdruck, der Luftfederung sei Dank.

Sie ist auch dafür verantwortlich, dass trotz verlockend hoher Leistungsdaten (475 kW/646 PS/710 Nm) unterwegs das sanfte Gleiten die Oberhand gewinnt. Und muss tatsächlich mal der Aufschneider im V8-Sportwagen auf der Nebenspur in die Schranken gewiesen werden, stürmt der 2485 Kilogramm schwere Brocken mit brachialem Druck gen Horizont – in weniger als vier Sekunden von Null auf 100 km/h. Allradantrieb sorgt dafür, dass dies ohne Traktionsverluste vonstattengeht, die Ladeanzeige dafür, dass man der Versuchung widersteht, es allzu häufig auszuprobieren. Laut Zulassung soll der 7X eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erreichen, unsere GPS-Messung ergab sogar 205 Stundenkilometer.

Verbrauchsarm durch die Stadt

Das Heck des Zeekr 7X mit durchgehendem Lichtband. Foto: Axel F. Busse

Der Bordrechner des Testwagens hatte für die letzten 1400 Kilometer einen Mittelwert von 22,1 kWh/100 km gespeichert, was in Relation zu Größe und Gewicht ein vorzeigbarer Wert ist. Günstiger wird es auf der Kurzstrecke, wo durch den höheren Rekuperations-Anteil sogar Werte von unter 18 kWh möglich sind. Das Wiederbefüllen des Akkus läuft flott, wo bei einem 30-minütigen Ladestopp 250 km zusätzlicher Reichweite gewonnen werden konnten. Die Ladekurve zeigte dabei einen Spitzenwert von 180 kW. Bei 100 Prozent Füllstand versprach das System 529 km Reichweite, was nur wenig vom Herstellerwert (543 km) abwich.

Da zur serienmäßigen Ausstattung alle üblichen Sicherheits- und Assistenz-Systeme gehören, fiel eine Tatsache besonders ins Auge: Die Aufmerksamkeit für Tempolimits sollte die Person am Lenkrad nicht verlieren. Im Display wurden häufig ohne erkennbaren Grund Begrenzungen auf zehn oder 20 Stundenkilometer angezeigt, wiederholt auch 100 km/h in geschlossener Ortslage. Die Tempomat-Funktion fiel dadurch auf, dass bei ihrer Aktivierung eine spürbare Zugkraft-Unterbrechung eintrat.

Aktuell kostet der Zeekr 7X als Privilege-Version 64.990 Euro. Er bietet eine gelungene Synthese aus Komfort und Dynamik, ein hohes Ausstattungs-Niveau bei angemessenem Verbrauch sowie alle gängigen Kommunikations- und Infotainment-Features. Als Herausforderung für „early adopters“ könnten sich die Fragen von Beratung und Kundendienst erweisen. Ein klassisches Händlernetz soll erst noch aufgebaut werden, weshalb man Zeekr auch als „seeker“ – englisch für Sucher – lesen kann.

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Axel F. Busse
Axel F. Busse ist gelernter Redakteur, sein kommunikations-wissenschaftliches Studium absolvierte er an der FU Berlin. Nach Tätigkeiten bei Tageszeitungen, wo er sich mit Auto- und Verkehrsthemen beschäftigte, arbeitet er seit 2003 als freier Autor ausschließlich in diesem Bereich. Außer für die Autogazette schreibt er für verschiedene Online- und Printmedien.

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