Yamaha feiert sein 70-jähriges Bestehen. Passend zu diesem Jubiläum legt der japanische Motorradhersteller überarbeitete R7 als Einstiegssportler mit umfangreicher Elektronik und feingetuntem Fahrwerk auf.
Passend zum 70-jährigen Firmenjubiläum legt Yamaha den Mittelklassesportler R7 neu auf und bringt modernste Assistenzsysteme aus dem Highend-Bereich in die ambitionierte Mittelklasse. Für akzeptable 11.000 Euro steigt das Potenzial des rennsportlichen Sandwich-Modells nicht nur, es macht vor allem den Zugang zu supersportlichen Fahrerlebnissen leichter.
Yamahas R-Familie verkörpert die Supersport-Gene der Marke, vom Leichtkraftrad R125 bis zum Sport-Flaggschiff R1. In diesem Jahr füllt die R7 wieder die Lücke zwischen der Vierzylinder-R6 und dem Dreizylinder R9, nachdem sie letztes Jahr eine Pause einlegen musste: Die vom gleichen CP2-Reihenzweizylinder angetriebenen MT-07, Tracer 7 und Ténéré 700 lasteten die Produktionskapazitäten vollständig aus.
Zwangspause zur Weiterentwicklung genutzt
Die Zwangspause nutzte Yamaha zur Weiterentwicklung des Konzepts von 2022: Die neue R7 vereint fortschrittliche Elektronik, ein deutlich verfeinertes Fahrwerk sowie eine optimierte Ergonomie zu einem Gesamtpaket, das sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke überzeugen soll. Die Basis dafür bildet das bewährte CP2-Herz mit 683 Kubik und exakt 73,4 Pferden sowie 68 Newtonmeter Drehmoment. Dank der Integration eines Drive-by-wire-Systems präsentiert sich dieses Aggregat noch präziser und kultivierter, die elektronische Steuerung übersetzt jede Bewegung des Gasgriffs optimal für ein außergewöhnliches Gefühl von Kontrolle und Vertrauen. Drei Motorkennfelder ändern den Charakter des Motors spürbar für eine kraftvolle, jederzeit abrufbare und vor allem bestens dosierbare Drehmomententfaltung.
Schon ab 2.000 Umdrehungen steht saftiger Vortrieb mit guter Laufkultur an. Ab 6.000 Touren gibt’s zusätzlichen Schub, der erst knapp vorm Drehzahlgipfel bei 10.500 Umdrehungen abfällt. Die Gasannahme fällt vorbildlich aus bei sanften Lastwechseln. Dank 270-Grad-Kurbelwellenzapfenversatz und Airbox-Modifikationen klingt der CP2 wie ein Großer, aber nur für den Fahrer, ansonsten klingt die R7 voll nachbarschaftskompatibel. Ein Quickshifter ist serienmäßig an Bord und macht den Motor sehr lebendig und direkt. Die große Stärke des Antriebs liegt besonders im mittleren Drehzahlbereich, mit dem die R7 im offenen Revier punktet.
Elektronik wie bislang nur in Topmodellen
Als größter Fortschritt erweist sich das Elektronikpaket mit Technologien, die bislang den Topmodellen wie der Yamaha YZF-R1 vorbehalten waren. Ein 6-Achsen-Gyrosensor misst permanent Bewegungen und Lageveränderungen und liefert der Steuerelektronik eine Datenbasis, wie sie bislang nur aus der Superbike-Klasse bekannt war. Damit arbeitet die Traktionskontrolle schräglagenabhängig, eine Slide Control erlaubt kontrollierte Drifts am Hinterrad, ohne dabei die Stabilität zu gefährden. Eine Wheeliekontrolle hält das Vorderrad beim heftigen Beschleunigen am Boden und das Kurven-ABS ermöglicht brachiales Verzögern selbst in Schräglage. Obendrauf gibt’s noch eine Motorbremsmomentkontrolle, alles gebündelt in vordefinierten Fahrmodi für sportliche, alltägliche oder nasse Bedingungen samt frei komponierbarem Fahrprogramm.
Hinterm Lenker macht die R7 einen richtig zierlichen Eindruck. Das minimal niedrigere Polster, der höhere Lenker und umgestaltete Tank verschaffen mehr Bewegungsfreiheit bei gutem Knieschluss für schnelle Richtungswechsel. Langbeinigen könnte der Kniewinkel auf Dauer zu sportlich fallen, dafür geht der Windschutz selbst bei hohen Geschwindigkeiten in Ordnung, ein Tempomat mildert neuerdings den Schrecken langer Etappen.
Beim flotten Kurvenswing über die Landstraße zeigt sich die Güte des überarbeiteten Fahrwerks, denn die nun voll einstellbare 41er-USD-Gabel liefert viel Feedback bei sensiblem Ansprechverhalten. Ihre softe Grundauslegung harmoniert gut mit der Landstraße, während das eher straff ausgelegte Federbein nicht ganz so feinfühlig agiert, dafür unaufgeregte Stabilität bei engagierter Gangart liefert. Die vollgetankten 189 Kilo lassen sich spielerisch bewegen bei grundehrlichem Verhalten in allen Situationen. Auch beim Bremsen: Die Stopper funktionieren einwandfrei, verzögern entsprechend der Handkraft gut dosierbar.
ABS-Regelung passt zur Rennstrecke
Unauffällig greift die gute ABS-Regelung spät ein und passt damit gut zur Rennstrecke, dem flammneuen Circuito do Sol im Osten Portugals. Auf dieser engen Berg-und-Tal-Bahn setzt sich die R7 eindrucksvoll in Szene, denn das Geläuf ist maßgeschneidert für die drehmomentorientierte Fahrweise der Yamaha.
Aus den 18 teils sehr engen Kurven drückt sich die R7 mit gleichförmigem Druck nach vorn, die Kraft unten herum überspielt sogar einen zu hohen Gang und das in Dämpfung wie Federung angepasste Fahrwerk sorgt für ein gerütteltes Maß Vertrauen. Die USD-Gabel schluckt Unebenheiten mit leichtem Achselzucken und kommt selbst unter derbem Anfeuern oder Abbremsen nicht an ihre Grenzen. Ausgewogen und nachvollziehbar erleichtert sie das Kennenlernen und Bewältigen des kniffligen Tracks mit drei, vier blinden Ecken und sorgt so für viel mühelosen Rennstreckenspaß ohne Schreckmomente – die R7 vermittelt viel Vertrauen, entlastet von allzu viel hektischer Schaltarbeit und gibt Ressourcen für die Linienwahl frei.
TFT-Display mit Race-Layout
Das rennsportliche Vergnügen optimiert das „Race“-Layout im neuen TFT-Instrument, das weitere vier individuell belegbare Track-Modi freischaltet. Per zusätzlichem GPS-Empfänger ist eine Laptimer-Funktion möglich. Perfekt wird das Paket mit der Y-TRAC Rev App, die als Analysewerkzeug alle relevanten Fahrzustände, Drosselklappenstellung, Geschwindigkeit, Drehzahl und Eingriffe der Fahrhilfen im Nachgang übersichtlich darstellt. Abseits des Tracks liefert die Smartphone-Konnektivität die Basis für eine Kartennavigation.
Für durchaus günstige 11.000 Euro hat Yamaha ein attraktives Paket geschnürt, das mit gut 73 PS jede Menge Fahrspaß auf der Landstraße und verwinkelten Rennstrecken bereitet. Dank der elektronischen wie fahrwerksmäßigen Aufwertung ist die R7 eine ideale Wahl für Sporteinsteiger und fällt Versierten keinesfalls langweilig. Nostalgiker legen noch 300 Euro drauf und bekommen dafür die schicke rot-weiße Jubiläumsedition. (SP-X)

