Die Weltpremiere eines neuen Modells hat Xpeng außerhalb der Heimat bisher noch nicht gefeiert. Es gibt aber immer ein erstes Mal, wie jetzt beim SUV-Coupé L03. Es ist zugleich eine Kampfansage an die etablierte Konkurrenz.
Markus Schrick hat ehrgeizige Ziele: Bislang wollte der deutsche Statthalter der Marke 15.000 Autos der chinesischen Marke Xpeng Ende nächsten Jahres hierzulande auf den Straßen sehen. Mittlerweile ist sogar von bis zu 20.000 Einheiten die Rede, Dazu braucht es mehr Modelle. Eines davon wurde jetzt in München mit großem Aufschlag vorgestellt.
Das als Weltpremiere titulierte Ereignis war eingebettet in ein dreitätiges Event mit Workshops, Media-Sessions, Produkt- und Unternehmens-Informationen. Rund 1400 Gäste aus aller Welt hatte Xpeng dazu in der Vorwoche nach Deutschland geladen. Nicht zuletzt dies illustriert, welche Bedeutung der chinesische Hersteller dem größten Pkw-Markt in Europa beimisst.
Dabei darf man die Wahl des Schauplatzes getrost als Provokation ansehen, denn am Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt erwarten die per Flieger ankommenden Gäste nicht nur ein FC-Bayern-Fanshop, sondern zudem noch zahlreiche Show-Produkte von Autoherstellern des Freistaates. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass chinesische Produzenten in den letzten Jahren horrende Überkapazitäten geschaffen haben, deren Erzeugnisse die heimische Kundschaft nicht mehr aufnehmen kann und die deshalb irgendwo auf der Welt in den Markt gedrückt werden müssen.
Auslieferungen ab diesem Herbst
Das zentrale Geschehen vollzog sich im Showpalast, einer futurischen Veranstaltungs-Stätte im Stadtteil Schwabing-Freimann. Die Präsentation enthüllte ein SUV-Coupé mit der Ziffernfolge L03, das als „alternatives Einstiegsmodell“ in die Produktfamilie eingegliedert werden soll. Da bereits fürs vierte Quartal dieses Jahres die ersten Auslieferungen vorgesehen sind, steht auch der Preis schon fest: Den vollelektrischen Fünftürer gibt es ab 35.600 Euro.
Xpeng ist aktuell eine der am schnellsten wachsenden Marken in Deutschland. Zuletzt wurde ein Zugewinn von 215 Prozent an Verkäufen gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 vermeldet, was allerdings aufgrund der noch geringen absoluten Stückzahlen wenig überraschend ist. Im Unterschied zu anderen Marken aus China setzt Xpeng weder auf Online-Distribution noch auf die Entwicklung eines eigenen Vertriebsnetzes, sondern tut sich mit Händlern, Werkstätten und Filialisten zusammen, die bereits am Markt etabliert sind.
Das neue Modell L03 wird als Einstieg in die Xpeng-Welt zu betrachten sein, ist gleichzeitig aber weit komplexer als bisherige Produkte. War es bislang üblich, den produktionstechnischen Vorteil von einer, höchstens zwei Varianten zu nutzen, wird es diesmal eine ganze Reihe von Antriebs- und Ausstattungsoptionen geben. Die neue Angebotsstruktur, so Markus Schrick, werde dazu führen, dass „Kunden in den Genuss von mehr Flexibilität und Wahlmöglichkeiten kommen – Xpeng richtet die Mobilität so noch stärker an den Kundenwunsch aus“. Außer für Deutschland ist Schrick auch für die Märkte Österreich und Schweiz verantwortlich.
Mehr Antriebs- und Ausstattungs-Vielfalt
Das neue SUV-Coupé wird es mit zwei unterschiedlichen Batteriegrößen (58,3 und 71,2 kWh) geben, sowie mit Hinterrad- oder Allradantrieb. Das Leistungsspektrum reicht von 245 bis 388 PS. Zudem wird es das zweite Modell mit einem Range Extender sein. Bei ihm übernehmen ein 1,5 Liter großer Benzinmotor und ein Generator das kontinuierliche Nachladen der Batterie (37,25 kWh), die den elektrischen Antriebsmotor versorgt. Nach Angaben des Herstellers sollen mit diesem Fahrzeug Reichweiten von mehr als 1000 Kilometern mit einer Tankfüllung erreichbar sein.
Die Reichweiten der rein elektrischen Versionen variieren zwischen 440 und 520 km (gemäß WLTP-Messverfahren). Die 400-Volt-Architektur ermöglicht es, mit bis zu 236 kW nachzuladen, woraus sich unter optimalen Bedingungen eine Ladezeit von 18 Minuten für die Wiederbefüllung von 20 auf 80 Prozent ergibt. Eine solche Ladeleistung
Autonomes Fahren auf nächstem Level
Mit 4,65 Metern Länge sortiert sich elegante Fünftürer bei den Midsize-SUV ein. Laut Hersteller-Prosa verbindet es „das Beste aller Welten und Fahrzeugklassen“. Die sportlich-progressive Linienführung eines Coupés mache es zu einem Hingucker mit Dynamik-Potenzial, heißt es, und die robusten Elemente stünden für die SUV-Verwandtschaft. An der Front sind bumerangförmige LED-Scheinwerfer zu sehen, hinten gibt es ein LED-Rückleuchtenband. Standardmäßig ist das Fahrzeug mit aerodynamischen 18-Zoll-Leichtmetallfelgen bestückt, das Topmodell „Ultra“ ist mit 20-Zöllern ausgestattet. Sein Preis wird 46.600 Euro betragen.
Ein vergleichbar hohes technisches Niveau zu ähnlichen Preisen sucht man bei deutschen Marken, die sich überwiegend als „Premium“ verstehen, noch vergebens. Zusätzlich zum neuen SUV-Coupé rollte Xpeng in München seinen vorerst letzten Beitrag zu Thema autonomes Fahren aus: Im bekanntermaßen anspruchsvollen Münchner Stadtverkehr demonstrierten He Xiaopeng, Chairman und CEO von Xpeng, sowie Liu Xianming, Leiter des Xpeng General Intelligence Center (GIC), die Leistungsfähigkeit des Next Generation Pilot (NGP). Das System solle bereits nächstes Jahr weltweit eingeführt werden, sagte Xiaopeng.
Bereits für das nächste Jahr hofft der Xpeng-CEO, dass das System international ausgerollt werden kann, „Sobald die regulatorischen Voraussetzungen erfüllt sind, möchte Xpeng als erster chinesischer Hersteller ein vollständig integriertes intelligentes Fahrsystem mit fortschrittlichen Bremsfunktionen auf den Markt bringen, das den internationalen Vorschriften entspricht“, so der CEO. Seine Zuversicht schöpft der Xpeng-Chef auch durch zwei aktuelle Beschlüsse der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa, die u.a. den regulatorischen Rahmen für urbane NGP-Funktionen legen. Noch dieses Jahr soll es in europäisches Recht einfließen.
Präzises Erkennen
Der NGP zeichnet sich durch präzises Wahrnehmen und Reagieren auf besonders schutzbedürftige Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Radfahrer und E-Scooter-Fahrer aus. Daneben bietet es die zuverlässige Erfassung unterschiedlicher europäischer Verkehrszeichen sowie sicheres Verhalten entsprechend lokaler Verkehrsgewohnheiten, beispielsweise der „Rechts-vor-Links“-Vorfahrtsregelung an unbeschilderten Kreuzungen.
China ist beim Thema autonomes Fahren dann auch schon weiter als Europa. Xpeng hat sein sogenanntes Vision-Language-Action-Modells (VLA 2.0) der zweiten Generation bereits im November des Vorjahres präsentiert. Es liefert nach Unternehmensangaben das branchenweit erste auf L4-Autonomie ausgerichtete Grundgerüst für die physische Welt liefert. Die Serienauslieferung in China begann bereits im März dieses Jahres. Das System hätte seine Leistungsfähigkeit dabei bereits im ersten Monat nach Marktstart unter Beweis gestellt, zeigte sich Xpeng zufrieden mit den ersten Ergebnissen. Die besagen, dass die Fahrereingriffe pro 100 Kilometer um fast 26 Prozent reduziert werden und die Übernahmen auf engen Straßen um fast 36 Prozent reduziert werden konnten. Die chinesischen Nutzer jedenfalls scheinen auf ein derartiges System gewartet zu haben: die Aktivierungsrate läge bei fast 97 Prozent, so der Hersteller.
In München jedenfalls ließ die Marke mit seinem neuen L03 und seinen Innovationen beim autonomen Fahren aufhorchen. Das Selbstbewusstsein der Marke jedenfalls ist ausgeprägt. Kein Wunder, wenn es mit Produkten wie dem neuen SUV-Coupé und Technologien wie dem NGP untermauert ist.



