Xpeng-Deutschland-Chef Schrick: «Sind gekommen, um zu bleiben»

Xpeng-Deutschland-Chef Schrick: «Sind gekommen, um zu bleiben»
Manager Markus Schrick sieht die Marke Xpeng auf einem gutem Weg. © Xpeng

Noch ist der chinesische Hersteller Xpeng in Deutschland nur leicht profitabel. Bis Ende 2027 aber will die Marke hier 15.000 Autos verkaufen.

Wenn ein Automanager die Verfünffachung des Absatzes seiner Produkte in Aussicht stellt, kann das mit Realitätsverlust zu tun haben. Aber auch mit sorgfältiger Marktanalyse und daraus folgendem Optimismus. Markus Schrick von Xpeng Deutschland hat jedenfalls kein Problem mit erstaunlichen Prognosen.

Fast 3.000 Fahrzeuge hat der chinesischen Newcomer auf dem deutschen Pkw-Markt zuletzt überwiegend an den Mann, vereinzelt auch an die Frau gebracht. 15.000 oder mehr sollen es bis Ende 2027 werden. Das sind etwa so viele, wie Alfa Romeo und Honda zusammen im vergangenen Jahr hierzulande neu zulassen konnten. Ein Vertriebsmodell, das auf die Erfahrung eingeführter Handels- und Werkstattbetriebe setzt, soll ein Treiber des Erfolgs werden. Unter anderem wird es dazu führen, dass an vielen Standorten Xpeng-Fahrzeuge unter einem Dach mit deutschen Premium-Herstellern wie BMW oder Mercedes angeboten werden.

Drittes Modell soll im April kommen

Mit einer Ladeleistung von 525 kW machte der Xpeng G9 Schlagzeilen. Foto: Xpeng

Die Möglichkeit, dass sich Autohändler nicht nur an einen Hersteller oder eine Marke binden, schuf 2013 die Gruppen-Freistellungsverordnung der EU. Seitdem können die Verkäufer einheimische und Import-Fahrzeuge vom Kleinwagen bis zur Luxus-Limousine innerhalb einer Handels-Organisation feilbieten. Darin sieht Markus Schrick, der als Geschäftsführer nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich und die Schweiz verantwortlich ist, die große Chance für sein bisher auf rein elektrische Limousinen und SUV ausgerichtetes Unternehmen. Zwei Modelle sind aktuell verfügbar, ein drittes soll im April vorgestellt werden.

Während andere chinesische Hersteller wie etwa Nio sich auf dem deutschen Markt sehr schwer tun, sagt Markus Schrick selbstbewusst: „Wir sind gekommen, um zu bleiben“. Gegenwärtig werden Xpeng-Fahrzeuge schon in 28 europäischen Ländern angeboten. Dass das Vertrauen in die Marke auf Händlerseite stetig wachse, so der Geschäftsführer, zeige die Tatsache, dass jüngst ein bekannter Berliner BMW-Händler, der mehrere Autohäuser betreibt, eine Vertriebs-Vereinbarung mit Xpeng eingegangen sei. In Hamburg soll gar ein exklusiver Xpeng-City-Store entstehen. Der Expansionskurs hat das Ziel, die Zahl der Standorte auf eine dreistellige Summe zu verdoppeln.

Volkswagen glaubt an Xpeng

Neben Robotik arbeitet Xpeng auch am flugtauglichen Auto. Foto: Xpeng

Im internationalen Ranking ist Xpeng noch ein recht kleines Licht. Mit 430.000 Auslieferungen gibt das Unternehmen das globale Ergebnis des Jahres 2025 an. Zum Vergleich: In den gleichen zwölf Monaten lagen die Neuzulassungen der Marke Volkswagen allein in Deutschland bei rund 560.000. Aber dass auch der Markführer starkes Vertrauen in die Innovationskraft der Chinesen hat, ist unübersehbar. Für rund 700 Millionen Euro erwarb VW einen Fünf-Prozent-Anteil an der Firma und strebt gemeinsame Entwicklungen zunächst für den chinesischen Markt an.

Geld wird auf globaler Ebene noch nicht verdient. Die Verkäufe wiegen die Kosten für Forschung, Entwicklung, Herstellung und Vertrieb nicht auf. Sie werden zum überwiegenden Teil von den Investoren getragen, unter denen außer VW auch die chinesische Großhandels-Plattform Ali Baba zu finden ist. Aber der Turnaround sei „nicht mehr weit“, sagt Schrick. Für den von ihm zu verantwortenden Bereich spricht er von einem „leicht profitablen Ergebnis“. Außer auf dem Pkw-Sektor ist Xpeng auch in der Robotik und der Entwicklung von flugtauglichen Fahrzeugen aktiv.

Fertigung in Europa

Um die Mitwirkung am Projekt Xpeng und der Vertriebsstruktur für etablierte Betriebe appetitlich zu machen, lockt der ehemalige Toyota- und Hyundai-Geschäftsführer mit Erlösen. Die Handelspartner könnten mit einem halben bis einem Prozent über der branchenüblichen Durchschnitts-Rendite rechnen. Ein vertrauensbildendes Argument für die Händler gegenüber den Kunden soll eine zuverlässige Ersatzteilversorgung sein. Da mittlerweile auch nicht mehr jeder Wagen aus China herangeschifft werden muss, sondern bei Magna-Steyr im österreichischen Graz gefertigt werde, könnten Kundinnen und Kunden mit überschaubaren Lieferzeiten rechnen.

Dass die Produkte überzeugen, entnimmt Markus Schrick einem Umfrage-Ergebnis. Danach sollen sich vier von fünf Käufern für eine Weiterempfehlung der Marke ausgesprochen haben. Mit Performance und kurzen Ladezeiten, mit Vollausstattung ab Werk sowie sieben (auf Fahrzeug) und acht Jahren Garantie (auf Batterie) soll der Imagegewinn gelingen, der aufgrund der kurzen Marktpräsenz noch nicht vorhanden sein kann.

Wahrnehmung der Marke verbessern

Statt auf größtmögliche Individualisierung mit telefonbuchdicken Optionslisten zu setzen, zieht Xpeng mit Raffinesse aus dem hohen Komfortniveau seiner Fahrzeuge sogar einen Kostenvorteil. Lagerhaltung und Montage werden wesentlich vereinfacht, wenn nicht jedes Auto auf dem Fließband individuelle Merkmale aufweisen muss.

Gegenwärtig ist der durchschnittliche Xpeng-Kunde in Mitteleuropa etwa 55 Jahre alt. Autohersteller haben gerne jüngere Kunden, mit denen sie eine längerfristige Markenbindung aufbauen können. Deshalb wird künftig auch in Wahrnehmung, Bekanntheit und entsprechendes Marketing investiert. Mittel zum Zweck: Sport-Sponsoring. An dieser Stelle überwiegt bei Xpeng einmal das Bewährte die Start-Up-Logik.

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