Xpeng geht mit einer komplett neuen Modellpalette ins Modelljahr 2027. Neben dem neuen P7+ wurde auch der G6 und das von uns getestete Flaggschiff G9 überarbeitet.
Noch bewegt sich der Absatz von Xpeng in einem überschaubaren Rahmen. Im Vorjahr konnte die Marke rund 3000 Neuzulassungen auf dem deutschen Markt verbuchen. Doch das sind Zahlen, mit denen sich Deutschlandchef Markus Schrick nicht zufrieden gibt. Allein in diesem Jahr sollen es auf dem hart umkämpften deutschen Markt schon 8000 Neuzulassungen werden, in 2027 stehen bei dem Manager bereits 15.000 Einheiten als Zielwert.
Damit das gelingt, setzt Schrick u.a. auf einen Ausbau des Händlernetzes. Es soll von jetzt 62 Standorten auf 110 steigen. Solche Wachstumsziele müssen indes durch die Qualität der Modelle untermauert werden. Und hier brauchen sich die Chinesen keine Sorgen machen. Ihre Modelle laden dank einer 800 Volt-Architektur nicht nur ultraschnell, sondern bieten auch ein überzeugendes Preis-Leistungsverhältnis. So startet das Xpeng Flaggschiff G9 in der Variante Standard Range (502 km Reichweite) bei 59.600 Euro, für die von uns getestete Long Range Variante (585 km) werden 63.600 Euro aufgerufen. Damit die Entscheidung für den G9 befördert wird, hat Xpeng bis zum 30. Juni attraktive Kundenvorteile für sein Topmodell ausgelobt. Sie liegen in der Kombination verschiedener Aktionspakete bei über 10.000 Euro.
Xpeng G9 mit guter Serienausstattung
Rabatte sind gut und animieren zum Kauf, doch auch ohne Rabatte muss ein Modell zum Kauf animieren. Der Xpeng G9 tut dies. Und das fängt bereits bei der Serienausstattung an: Um angenehm unterwegs zu sein, muss man sich bei den Chinesen nicht erst durch ellenlange Aufpreislisten arbeiten, der G9 fährt bereits gut ausgestattet vor. Ab Werk sind beispielsweise bereits ein Panoramaglasdach, alle wichtigen Assistenzsysteme (Assist Fahren, Parken, Sicherheit) oder Komfort- und Konnektivitätsfeatures an Bord. Die Sprachsteuerung („Hey Xpeng“) funktioniert erstaunlich gut, das Infotainmentsystem mit den zwei großen Touchdisplays ist intuitiv, wenn man sich zuvor kurz in die Funktionsweise eingelesen hat oder der Händler sie einem erklärt hat. Die wichtigsten Funktionen lassen sich durch ein Runterwischen des Screens auf dem Touchscreen aufrufen. Damit entfällt das Suchen bestimmter Funktionalitäten im Menü weg.
Zur Ausstattung unseres Testwagens gehören übrigens auch zwei induktive Ladeflächen in der Mittelkonsole. Das ist doch nichts Besonderes? Stimmt, eigentlich nicht. Doch beim G9 lässt sich das Handy zweimal mit 50 Watt laden – und kühlt zudem das Smartphone. Wer mindestens 59.600 Euro in das Flaggschiff eines Herstellers investiert, der erwartet auch bei der Verarbeitung und den genutzten Materialien eine entsprechende Qualität. Auch hier wird die Käuferin oder Käufer nicht enttäuscht. Die Verarbeitung ist nicht zu beanstanden, die Materialen sehen dabei nicht nur gut aus, sondern fühlen sich auch so an.
Komfortable Platzverhältnisse auch im Fond
Komfortabel sind auch die Platzverhältnisse in dem 4,89 Meter langen G9, der es auf eine Breite von 1,93 Meter und eine Höhe von 1,83 Meter bringt. Fahrer und Beifahrer finden ausreichend Platz vor, die Sitze (sie könnten einen etwas besseren Seitenhalt vertragen) sind bequem und sind im Winter beheizt (die Rücksitze übrigens auch), im Sommer belüftet. Wer auch auf der Rückbank belüftete Sitze wünscht, muss das Premium-Paket ordern. Auch dank seines Radstands von fast drei Metern können im Fond übrigens auch Großgewachsene gut sitzen, ohne dabei Probleme mit Knie- oder Kopffreiheit zu bekommen. Im Kofferraum des G9 lassen sich übrigens 660 Liter Gepäck unterbringen, im Frunk findet sich Stauraum für weitere 71 Liter. Damit ist der G9 zugleich auch für Familien eine gute Wahl.
Kommen wir zu den Fahrleistungen unseres immerhin 2,8 Tonnen schweren Testwagens. Er wartet mit einer Leistung von 258 kW/351 PS auf. Sein Drehmoment von 465 Nm sorgt für einen kraftvollen Antritt, lässt das Gewicht des G9 vergessen. Trotz seiner Länge und auch Gewichts lässt sich der G9 erstaunlich handlich auch durch die Stadt bewegen. Die Lenkung spricht direkt an, vermittelt der Fahrerin oder dem Fahrer eine gute Rückmeldung.
Beeindruckende Ladeperformance
Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt, lässt selbst bei schlechten Straßenverhältnissen nur wenig Schläge in den Innenraum kommen. Wer möchte, der kann es im G9 auch sportlicher angehen: für den Sprint auf Tempo 100 vergehen nur 6,4 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt erst bei 200 km/h an. Solche sportlichen Leistungswerte sind nett, aber vernachlässigbar. Wichtiger sind Aspekte wie die Effizienz des Fahrzeugs – und damit die Reichweite der 92,2 kWh (netto) großen LFP-Batterie. So kamen wir bei den Testfahrten zwar nicht auf dem verbrauchswert von 18,6 kWh/100 km (WLTP), doch ein Wert von knapp über 20 kWh/100 km war bei teils auf flotterer Fahrweise und einem hohen Autobahnanteil dennoch gut.
Überragende Ladeleistung
Vor allem ist bei einem E-Modell die Ladeleistung entscheidend – und hier präsentiert sich der G9 in Bestform. Laut Datenblatt lässt es sich an einer entsprechend starken Ladesäule mit bis zu 525 kW laden. So man denn einen entsprechend leistungsstarken Lader findet, sollen für die Ladung von 10 auf 80 Prozent gerade einmal 12 Minuten vergehen. Wir haben bei unseren Testfahrten indes nur an 300 kW-Säulen geladen, waren dabei aber wegen der linearen Ladekurve des G9 nicht minder beeindruckt. Los gelegt hat der G9 bei einem SOC von 15 Prozent an der 300 kW-Säule mit rund über 283 kW; bei 82 Prozent waren es noch hervorragende 207 kW. Selbst das sind Ladeleistungen, die das Thema Laden zu einer Nebensächlichkeit werden lassen.
Der Xpeng präsentiert sich in der Gesamtheit seiner Eigenschaften als ziemlich überzeugendes SUV der oberen Mittelklasse. Er zeigt sich auf Augenhöhe mit der Premiumkonkurrenz von BMW und Co – und vor allem bietet er deutliche Preisvorteile. Und das nicht nur in Zeiten von Verkaufsaktionen. Vor diesem Hintergrund sind die Absatzziele von Schrick für das laufenden und kommende Jahr vielleicht sogar noch sehr konservativ.

