VW ID. Polo: Zurück zu dem, was Kunden wollen

VW ID. Polo: Zurück zu dem, was Kunden wollen
Rückkehr zur alten Designsprache: der neue ID. Polo. © VW

Mit dem ID. Polo will VW bei der Elektromobilität vieles besser machen als in der Vergangenheit. Der elektrische Kleinwagen setzt auf vertrautes Design, eine deutlich bessere Bedienung und viel Platz.

Es ist Ende August. Es sind die Tage, an denen VW-Konzernchef Oliver Blume auf Werkstour ist: Erst führt ihn der Weg nach Emden, dann weiter nach Zwickau. Bei der Reise ging es darum, den Beschäftigten den Sparplan zu erläutern, mit dem der VW-Konzernvorstand hofft, den in der Krise steckenden Konzern wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

Für die Mitarbeitenden von Europas größtem Autobauer geht es dabei um nicht weniger als ihre Zukunft. Die Werke in Emden, Zwickau und Hannover sowie das Audi-Werk in Neckarsulm stehen nach 2030 vor einer ungewissen Zukunft; bis dahin besteht eine Beschäftigungsgarantie. Zehntausende Stellen sollen zudem wegfallen. An Blumes Seite war dabei auch Thomas Schäfer, der Chef der Kernmarke VW.

Dass Schäfer trotz der wirtschaftlichen Krise des Konzerns die Zeit findet, zur Fahrpräsentation des ID. Polo nach Wien zu kommen, zeigt, welche Bedeutung der rein elektrische Kleinwagen für Volkswagen hat. Auch für Schäfer. Schließlich hat er dafür gesorgt, dass einige der Fehler, die unter der Ägide von Blumes Vorgänger Herbert Diess bei der Elektromobilität begangen wurden, korrigiert werden.

Rückkehr zur alten Designsprache

Tasten statt Touch: das Lenkrad im ID. Polo. Foto: Jan Dada/VW

Da war zum einen das Design von Fahrzeugen wie dem ID.3, der optisch so gar nichts mehr mit dem gemein hatte, was die Kundinnen und Kunden von den Wolfsburgern gewohnt waren. Dann war da ein Bedienkonzept, das auf Tasten verzichtete. Viele Funktionen waren nur noch über den Touchscreen aufrufbar, und auch die Qualitätsanmutung entsprach nicht dem, was man von einem Volkswagen erwartet.

Schäfer hat auf die Kritik gehört. Er zog das Facelift des ID.3 vor und beseitigte dabei einige Schwächen bei der Qualitätsanmutung, bevor der ID.3 Neo in diesen Wochen auf den Markt sich wieder stärker an dem orientiert, was Volkswagen-Kunden erwarten. Bei den Kunden komme das sehr gut an, sagt Schäfer.

Zurück zum ID. Polo: Mit ihm kehrt VW wieder zu seiner alten Designsprache und zu altbekannten Modellnamen zurück. Damit zahle man auch „sehr stark“ auf das Markenimage ein. „Der ID. Polo zeigt, wie wir uns ein Elektroauto vorstellen, das den Markenwerten von Volkswagen entspricht“, sagt Thomas Schäfer im Gespräch mit der Autogazette und dem Magazin electrified. „Wir haben aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt – und bieten nun ein Design und eine Benutzerführung, die die Kunden von uns erwarten“, so der Markenchef.

Dazu gehört auch die Rückkehr von Tasten am Lenkrad und an der Mittelkonsole. „Der ID. Polo ist technologisch und preislich top. Dieses Gesamtpaket kommt super an“, sagt Schäfer über den neuen Stromer der Marke.

Später Start des ID. Polo

Dass man ein solches Modell im Preissegment um die 25.000 Euro allerdings mindestens schon ein Jahr früher von VW hätte erwarten können, steht auf einem anderen Blatt. Die Konkurrenz von Renault hat mit dem R5, Kia mit dem EV2 vergleichbare Modelle längst im Angebot. Strategisch ebenso unklug ist es, dass die Wolfsburger den ID.1, der ID. Up heißen soll, erst 2027 auf den Markt bringen.

Renault feiert zwischenzeitlich mit dem Twingo, der ab rund 20.000 Euro angeboten wird, Erfolge. Eigentlich wollten VW und die Franzosen bei diesem Projekt kooperieren, doch VW entschied sich am Ende dagegen.Da ss die VW-Kunden auf ein Modell wie den ID. Polo gewartet haben, zeigen auch die Bestellungen. Sie seien „gut, sehr gut sogar“, sagt Schäfer.

Was heißt das konkret? „Wir haben seit Öffnung der Bestellbücher bereits mehr als 30.000 Bestellungen bis Ende August vorliegen – und das schon vor der Markteinführung im September.“ Das ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Wenn das Modell erst einmal flächendeckend bei den Händlern steht, dürften die Bestelleingänge noch weiter zulegen.

Gute Verarbeitung, gute Benutzerführung

Denn das, was VW mit dem ID. Polo präsentiert, überzeugt. Das Design ist an den Polo angelehnt und damit für potenzielle Käufer vertraut. Auch der Innenraum gibt für ein Modell in dieser Preisklasse wenig Anlass zur Kritik.

Im nicht sichtbaren Bereich gibt es beispielsweise an den Fahrer- und Beifahrertüren zwar Kunststoffteile, im sichtbaren Bereich finden sich indes mit Gewebe bespannte Oberflächen. Das sieht gut aus – und fühlt sich auch so an. Bei der Bedienung gibt es nun für wichtige Funktionen entsprechende Tasten am Lenkrad. Mit ihnen lassen sich beispielsweise der adaptive Geschwindigkeitsassistent, die Lenkradheizung, die Senderwahl für das Radio oder die Lautstärke einstellen. In der Mittelkonsole findet sich zudem ein Lautstärkeregler.
Unterhalb des Touchscreens sind Tasten unter anderem für die Klimaanlage zu finden. Genauso muss es sein: Wichtige Funktionen sind nicht mehr in den Tiefen des Infotainmentsystems versteckt, sondern leicht erreichbar und intuitiv bedienbar. Das trifft auch auf die Fensterheber zu. Anders als beim alten ID.3 gibt es keinen Zusatzschalter mehr für die hinteren Scheiben. Stattdessen findet sich für jedes Fenster ein eigener Schalter im Türgriff.

Gute Platzverhältnisse

Auch unterhalb des Touchscreens sind Tasten angebracht, was die Bedienung erleichtert. Foto: VW

Platz nehmen Fahrer und Beifahrer auf gut konturierten, allerdings eher straff gepolsterten Sitzen. Der 4,05 Meter lange, 1,81 Meter breite und 1,53 Meter hohe Polo bietet den vorderen Passagieren gute Platzverhältnisse. Im Fond können auf der Rückbank drei Personen sitzen, für Erwachsene wird es dann allerdings eher eng.

Dass sich im Kofferraum bis zu 441 Liter Gepäck unterbringen lassen – 25 Prozent mehr als beim Verbrenner-Polo –, ist ein hervorragender Wert. Damit wird der neue Einstiegsstromer der Wolfsburger zu einem durchaus empfehlenswerten Auto für die Kleinfamilie.

Unterwegs mit großer Batterie

Doch wie fährt sich der ID. Polo, den VW in drei Leistungsstufen mit 116, 135 und 211 PS sowie zwei Batteriegrößen mit 37 kWh LFP beziehungsweise 52 kWh NMC jeweils netto anbietet? Gut, sehr gut sogar. Schäfer geht übrigens davon aus, dass sich drei Viertel der Kundinnen und Kunden für den größeren Akku entscheiden werden. Je nach Batteriegröße und Leistung sind Reichweiten von 323 bis zu 454 Kilometern möglich. Wir waren mit der Topvariante mit 211 PS und großem Akku unterwegs.

Die Batterie verfügt über eine DC-Ladeleistung von bis zu 155 kW. An einer Wallbox kann mit bis zu 11 kW geladen werden. An einem DC-Lader vergehen für den Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent beim kleinen Akku übrigens 23 Minuten, bei der größeren Batterie eine Minute mehr. Doch bis man an die Ladesäule muss, dauert es. Als WLTP-Verbrauch werden 13,3 kWh/100 Kilometer angegeben, bei den Testfahrten zeigte der Bordcomputer 12,8 kWh/100 Kilometer an. Ein sehr guter Wert.

Leistung von 211 PS

Die 211 PS unseres Testwagens sind für ein Fahrzeug dieser Größe und einem Gewicht von unter 1,6 Tonnen mehr als ausreichend und sorgen für sportliche Fahrleistungen. In gerade einmal 7,1 Sekunden sprintet der Polo auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei völlig ausreichenden 160 km/h erreicht.

Dabei präsentiert sich auch das Fahrwerk als durchaus sportlich. Es ist straff abgestimmt, bietet aber ausreichend Komfort und bügelt Bodenwellen und Straßenschäden souverän aus. So, wie sich der Polo präsentiert, dürfte er den Verantwortlichen in Wolfsburg viel Freude bereiten. Schäfer erwartet, dass sich in einem vollen Jahr rund 150.000 Kundinnen und Kunden für den Polo oder den ID. Cross entscheiden werden. Das SUV-Modell wird Ende November in den Handel kommen – und beim Absatz über dem Polo liegen. „Das resultiert allein schon aus dem Segment heraus. SUVs sind nach wie vor besonders stark nachgefragt“, sagt Schäfer.

Im kommenden Jahr wird es beim ID. Polo dann auch besonders sportlich: Dann folgt die GTI-Variante, die bei der Kundschaft bereits auf eine positive Resonanz gestoßen sei. „Ich gehe davon aus, dass er in der Baureihe schon auf einen zweistelligen Anteil kommen kann“, so der Markenchef.

Der Polo allein wird die Probleme nicht lösen

Schick: das Heck des ID. Polo von VW mit dem durchgehenden Leuchtband. Foto: VW

Es ist mittlerweile Anfang September. Bei VW herrscht für die Beschäftigten zumindest etwas mehr Klarheit. Der Aufsichtsrat hat zwar überraschend dem Sparplan des Konzernvorstands zugestimmt, doch wie es mit den Standorten in Hannover, Emden, Zwickau und dem Werk der VW-Tochter Audi in Neckarsulm weitergeht, ist nach wie vor unklar. An den vier Standorten könne „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung gestaffelt ab den Jahren 2031 bis 2034 gewährleistet werden“, hieß nach der Aufsichtsratssitzung. Deshalb würden „alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“. Klar ist indes, dass 50.000 weitere Stellen wegfallen werden.

Der ID. Polo kommt wie der Cupra Raval und der Skoda Epiq damit zu einer Zeit auf den Markt, in der Volkswagen dringend Erfolge braucht. Das Auto selbst – gebaut wird er im spanischen Martorell – bringt dafür einiges mit: vertrautes Design, eine bessere Bedienung, solide Verarbeitung, ordentliche Platzverhältnisse und einen Preis, der den Einstieg in die elektrische Volkswagen-Welt erleichtern soll.

Ob daraus auch der erhoffte wirtschaftliche Erfolg wird, muss sich allerdings erst zeigen. Der ID. Polo kann vieles besser machen als seine elektrischen Vorgänger. Die strukturellen Probleme des Konzerns wird aber auch er nicht allein lösen. Wer sich jetzt übrigens für den Polo entscheidet, der muss sich auf monatelange Wartezeiten einstellen.

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