Praktische Fahrzeuge für Senioren

Hoch und sicher

Praktische Fahrzeuge für Senioren
Kompakt-SUV wie der Ford Kuga erscheinen wie der Sportwagen der älteren Generation © Ford

Im Alter schwindet bei manchem die Sehnsucht nach dem Sportwagen. Andere Attribute werden neben Karosserie und Motorleistung wichtiger, um den Alltag im Straßenverkehr zu bestehen.

Autos werden in der Werbung immer von jungen Menschen gefahren und angepriesen. Die Realität sieht allerdings anders aus, schon alleine wegen des demografischen Wandels. Reine Seniorenfahrzeuge gibt es aber nicht, sie würden sich aus Imagegründen auch nicht verkaufen lassen. Doch es gibt einige Fahrzeuge, die sind besonders für Senioren praktisch. Dabei muss nicht immer zu einem Neuwagen gegriffen werden.

Kompakte SUV oder Vans bevorzugt

Generell sollten sich ältere Menschen eingestehen, dass hohes Sitzen nicht nur bequem ist, sondern auch praktisch. Tiefe Sportwagen oder besonders sportliche Limousinen oder Coupés sind zwar schick, aber für den Alltag eher eine Behinderung. Besser geeignet sind vier- oder fünftürige höhere Fahrzeuge, in denen die Passagiere ohne viel Mühe und Verrenkungen auf den hoch montierten und bequemen Sitzen Platz nehmen.


Dazu zählen kompakte SUV wie Ford Kuga, Suzuki SX4, Toyota RAV4 oder VW Tiguan. Auch kompakte Vans wie Ford C-Max, Mercedes B-Klasse, Opel Zafira, Toyota Corolla Verso oder VW Touran sind nicht nur für Familien geeignet, sondern bieten auch Rentnern eine Menge Vorteile. Doch auch Kompaktfahrzeuge mit einer höheren Karosserie sind praktisch, allen voran die Mercedes A-Klasse und der VW Golf Plus. Auch in der Klasse der Kleinwagen finden sich einige interessante Angebote wie Audi A2, Ford Fusion, Opel Meriva und Nissan Note. Kompakte und kleine Autos haben den Vorteil, dass das Einparken leichter fällt – auch ohne Einparkhilfe und Sensoren.

Assistenzsysteme entlasten Verrenken des Körpers

Eine Einparkhilfe vermindert körperliche Schwierigkeiten Ford

Die sollten aber auch beim Gebrauchtwagen dabei sein, denn mit der Unterstützung wird das Verrenken nach hinten fast überflüssig. Auch andere technische Hilfsmittel sind an Bord willkommen, dazu zählen unter anderem ein Navigationsgerät, ESP und einen Tot-Winkel-Assistenten. Je nach Fahrzeug konnte man diese Ausstattungsmerkmale schon vor Jahren ordern, bei einer Testfahrt ist darauf unbedingt zu achten. Auch etwas mehr Luxus wie elektrische Fensterheber vorn und hinten, Klimaanlage sowie Sitzheizung darf man sich ruhig gönnen. Verdunkelte Scheiben sind dagegen ebenso kontraproduktiv wie eine beheizbare Frontscheibe (bei Ford), die die Scheibe verdunkelt. Fahrer mit Sehschwierigkeiten bekommen damit leicht Probleme.

Unabhängig von der Motorwahl erhöht ein Automatikgetriebe nicht nur den Komfort, sondern auch die Sicherheit. Denn die Fahrer müssen sich nicht mehr ums Schalten kümmern und können sich voll und ganz auf die Straße konzentrieren. Beim Motor kommt meist nur ein Benziner in Frage, zumindest aus wirtschaftlicher Sicht. Denn selbst bei Unternehmungslustigen Senioren liegt die Jahreskilometerfahrleistung selten höher als 12.000 Kilometer im Jahr.

Suzuki SX4 – der Preiswerte

Der Suzuki SX4 gilt als sehr zuverlässig Suzuki

Seit 2006 wird der Crossover mit Allrad oder nur Frontantrieb angeboten, als Gebrauchtwagen mittlerweile ab rund 7000 Euro. Im TÜV-Mängelreport schneidet der Japaner fast in allen Bereichen besser ab als seine gleichalten Mitbewerber. Lediglich bei der Fußbremse muss er sich geschlagen geben. Beim Motor ist der 1,6-Liter-Benziner mit 78 kW/107 PS eine gute Wahl. Auch wenn der Japaner 2006 beim EuroNCAP-Crahstest vier von fünf Sternen erzielt hat, gab es ESP nicht als Serienausstattung. Darauf achten!

Toyota Rav4 – der Klassiker

Den Toyota RAV4 gibt es mittlerweile als Schnäppchen Toyota

Bis die Deutschen den Markt der kompakten SUVs für sich entdeckt haben, war der Toyota jahrelang die Nummer 1 – zu Recht. Denn bei der Qualität kann ihn auch bei älteren Fahrzeugen keiner schlagen. Im TÜV-Mängelreport schneiden selbst über zehn Jahre alte Autos deutlich besser ab als die Konkurrenz. Dafür gibt es den Japaner schon ab 2500 Euro bei frühen Modellen ab Baujahr 1995. Neuere Fahrzeuge ab 2006 schlagen dagegen mit mindestens 13.000 Euro zu Buche. Die sind die bessere Wahl, weil sieben Airbags, ESP und Klimaanlage mit an Bord sind. Beim Crashtest erzielt der RAV4 vier von fünf Sternen.

Mercedes A und B-Klasse – der Unverstandene

Die Mercedes A-Klasse wird zu Unrecht verkannt Daimler

Die A-Klasse (Baureihe W168, ab 2004 W169) wird häufig nicht als "echter" Mercedes angesehen – zu Unrecht. Die Qualität reicht an legendäre Modelle wie die W124er E-Klasse heran und auch bei älteren Exemplaren ist Rost kaum ein Thema. Dazu gibt es für einen Kompaktwagen erstaunlich viel Platz, eine bequeme und hohe Sitzposition und eine anständige Verarbeitungsqualität.

Die Motoren der neueren Generation ab 2004 haben eine Leistung zwischen 60 kW/82 PS und 147 kW/200 PS. Da als Stadtwagen konzipiert, reicht ein mittlerer Benziner wie ein A170 oder der kultivierte A180 CDI, bequemer geht es mit Automatikgetriebe. Überdurchschnittlich gut weg kommt die A-Klasse bei den Hauptuntersuchungen von TÜV, Dekra und GTÜ. Auspuff und Kraftstoffsystem sind seltener defekt als bei anderen Modellen. Wie bei Mercedes gewohnt, ist auch die Zubehörliste bei der A-Klasse sehr lang. Wohl dem, der ein gut ausgestattetes Fahrzeug findet, dann wird aber auch ein Preis von über 7500 Euro fällig.

Nissan Note – der Pfiffige

Der Nissan Note ist erst seit 2010 mit ESP serienmäßig ausgestattet Nissan

Der Note ist eine bunte Mischung aus Kleinwagen, Van und Kombi, der bis zu 1332 Liter Gepäck schluckt, viele Ablagefächer bietet und solide verarbeitet ist. Im TÜV-Ranking liegt er auf den vorderen Plätzen, die Qualität ist dementsprechend gut und frühe Modelle von 2006 gibt es ab 6900 Euro. ESP ist allerdings nicht serienmäßig an Bord, erst ab August 2010 zählt der Schutzengel zur Serienausstattung. Ein guter Motor ist der starke 1,6-Liter-Vierzylinder mit 81 KW/110 PS.

Opel Meriva – der Familienfreund

Der Opel Meriva zeigt sich auf allen Ebenen praktisch Opel

Eigentlich ist der Meriva ein Auto für Familien. Doch was für die Kinder und Enkelkinder gut ist, kann für die Großeltern nicht schlecht sein. Die Sitze sind hoch, die Rundumsicht des ab 2003 gebauten Vans sehr gut und die Motoren zwischen 55 kW/75 PS und 132 kW/180 PS spritzig. Eine gute Wahl ist der 1,6-Liter mit 77 kW/105 PS.

Vor allem die "Flex Space" genannte verschiebbare Rückbank ist praktisch, dabei wird die mittlere Lehne versenkt, so dass die beiden äußeren Sitze nach hinten rücken können. Der 4,04 Meter kurze Opel ist ab 4200 Euro auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu haben.

VW Golf Plus – der Unscheinbare

Der VW Golf Plus ist der Platzhirsch VW

Der VW Golf ist seit Jahren das meistverkaufte Auto in Deutschland. Die Qualität stimmt, die Motorenauswahl ist groß und die Optionsliste lange. Dabei bleibt der Wolfsburger optisch zurückhaltend, so auch die Hochdachvariante Golf Plus. Mit ein bisschen mehr an Dachhöhe und höher angeordneten Sitzen ist der Plus bei Senioren sehr beliebt. Die Preise sind mit mindestens 8200 Euro für Fahrzeuge ab Baujahr 2004 stabil, gut ausgestattete Autos mit Automatik und einem modernen TSI-Benziner mit mindestens 90 kW/122 PS sind aber teurer. (SP-X)

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Der diplomierte Religionspädagoge arbeitete neben seiner Tätigkeit als Gemeindereferent einer katholischen Kirchengemeinde in Berlin in der Sportredaktion der dpa. Anfang des Jahrtausends wechselte er zur Netzeitung. Seine Spezialgebiete waren die Fußball-Nationalelf sowie der Wintersport. Ab 2004 kam das Autoressort hinzu, ehe er 2006 die Autogazette mitgründete. Seit 2018 ist er als freier Journalist unterwegs.

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