VW kehrt zurück zu traditionellem Design, bekannter Benutzerführung und besseren Materialien. Wie das aussieht, zeigt der ID.3 Neo.
Glücklich war die aktuelle Führungsriege von Volkswagen nicht mit dem, was der einstige VW-Chef Herbert Diess ihr mit der ID-Familie hinterlassen hatte. Sie sollte nach dem Dieselskandal den Aufbruch in die Elektromobilität darstellen, der Marke Modernität verleihen. Dazu gehörte neben einer neuen Designsprache ebenso eine neue Benutzerführung im Innenraum.
Mit Start des Kompakt-Stromers ID.3 hat man sich von vielen Knöpfen für die Benutzerführung verabschiedet, sie mit Blick beispielsweise auf die Einstellung der Lautstärke mit einem Slider ersetzt. Bei Dunkelheit war die dafür vorgesehene Fläche unterhalb des Touchscreens mangels Beleuchtung indes nicht auf Anhieb zu finden. Das sorgte bei den Kunden ebenso für Verdruss, wie die Materialwahl. Auch sie entsprach nicht dem, was man von VW kannte und erwartete.
Kritik der Kunden gehört und umgesetzt
VW hat unter Markenchef Thomas Schäfer die Kritik der Kundschaft ernst genommen, Verbesserung versprochen – und geliefert. In einem vorgezogenen Facelift und einer umfassenderen Modellüberarbeitung wurde das Design des ID.3 leicht modifiziert und im Innenraum mit neuen, besseren Materialien gearbeitet. „In den zurückliegenden Jahren haben wir etwas von dem verloren, für das VW in der Vergangenheit stand“, räumte Vertriebsvorstand Martin Sander in der zweiten April-Woche bei dem Event „True Volkswagen“ in Hamburg selbstkritisch ein. Dort stellte VW neue Modelle vor. Dazu gehört unter anderem der überarbeitete ID.3 ebenso wie der ID. Polo (samt GTI-Variante) und der ID.Cross. Mit dem ID. Polo bringen die Wolfsburger zugleich ein Auto im Preisbereich um die 25.000 Euro.
Bis auf den ID.3, der nun den Zusatz Neo in der Bezeichnung trägt, stehen ID. Polo und ID. Cross für eine neue Designsprache, die sich den Traditionen der Marke verpflichtet sieht. Gleiches trifft auf die Namen der Modelle zu. Die Kundinnen und Kunden sollen sofort wissen, was auf sie wartet, wenn von einem ID. Polo die Rede ist. Nämlich ein Auto, was wie ein Polo aussieht und so heißt. Ein Name wie Polo sei ikonisch, stellte Vertriebsschef Sander bereits vor einigen Wochen im Interview mit der Autogazette fest. Er schaffe Identität. Kein Wunder, dass man die Sportvariante nicht GTX nannte, sondern ihm das GTI-Logo verpasste. So wie Designchef Andreas Mindt in nur wenigen Wochen den ID.2all auf die Räder stellte und damit den Nerv des Vorstands traf, ziehen nun auch wieder Knöpfe in den Innenraum ein.
Deutliche Neuerungen im Innenraum
Den Auftakt macht dabei der ID.3 Neo, der optisch an Heck und Front leicht geändert wurde: Vorn gibt es nun ein beleuchtetes Markenlogo samt durchgehender Leuchtleiste, hinten ein modifiziertes und in Wagenfarbe lackiertes Dach. Es sorgt dafür, dass der Neo länger, flacher und dynamischer wirkt.
Während die Retuschen am Exterieur-Design überschaubar sind, ist der Innenraum komplett neu. Dort sieht man das, was auch die anderen neuen Modelle aufweisen: nämlich wieder ausreichend Knöpfe am Multifunktions-Lenkrad, mit denen wichtige Funktionen ausgewählt werden können. Ebenso finden sich an der Mittelkonsole Knöpfe u.a. für die Bedienung der Klimaanlage und darunter ein Drehregler für die Lautstärke. Es sind Dinge, die der VW-Kunde schätzt und erwartet. Im ID.3 Neo hat man sich mit Blick auf die Öffnung der hinteren Fensterscheiben glücklicherweise auch davon verabschiedet, dass man dafür den Knopf „Rear“ drücken musste und nicht einfach mit zwei Schaltern die Scheiben öffnet und schließt.
Neuer, effizienterer Antrieb
Doch das ist nicht alles. Die Benutzerführung des Infotainmentsystems wurde neu gestaltet. Das Digital-Cockpit hat nun eine Größe von 26 Zentimeter, das zentrale Display ist 32,8 Zentimeter groß. Das Smartphone lässt sich induktiv laden, ohne dabei zu überhitzen, da die Ladeschalte belüftet ist. Im sogenannten Infotainment-System „Innovision“ lassen sich über den In-Car-Shop Services digital erwerben oder auch freischalten. Neben Apps wie etwa für Audio, Parking und Charging kann man in der Ladepause auch Youtube-Videos schauen.
Antriebsseitig hat sich ebenfalls etwas getan. Der ID.3 Neo hat mehr Drehmoment und soll nun auch weniger verbrauchen als der Vorgänger. Im Angebot sind dabei drei Batteriegrößen (50, 58 und 79 kWh), die für Reichweiten von mehr als 600 Kilometer reichen sollen. Laden kann man in der Spitze bei der großen Batterie mit bis zu 183 kW.. Bestellen lässt sich der ID.3 Neo ab diesem Donnerstag. Der Preis wurde offiziell noch nicht kommuniziert, soll aber knapp unter 34.000 Euro starten.

