Ein Kompakt-SUV mit 428 PS. Muss das sein? Ja, sagt sich Volvo und biet den EX30 als Twin Motor Ultra Performance mit einer solchen Leistung an. Fahrdynamisch hinterlässt der Stromer einen überzeugenden Eindruck.
Leistung kann man bekanntlich nie genug haben. Vor allem dann, wenn man bei seinem Fahrzeug Wert auf ein ausreichendes Maß an Sportlichkeit legt. Und genau das bietet Volvo mit dem EX30 in der Variante Twin Motor Ultra Performance. Der Name ist dabei Programm.
Mit den zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse mit 156 PS beziehungsweise 272 PS kommt dieser kompakte Stromer damit nicht nur auf eine Gesamtleistung von 428 PS, sondern bietet dank des Allradantriebs eine souveräne Fahrleistung. Die Energie beziehen die beiden E-Motoren aus einer 69 kWh starken Lithium-Ionen-Batterie, die für eine Reichweite von bis zu 448 Kilometer sorgen soll.
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob ein kompaktes Elektroauto wie der EX30 mit einer Länge von 4,23 Meter über eine Leistung auf Sportwagenniveau verfügen muss. Doch diese Frage stellt sich für Kundinnen und Kunden nicht, die nach einem sportlichen Fahrzeug suchen und sich dann für dieses Modell der Schweden entscheiden. Sie wollen genau das – und das möglichst in einer überzeugenden Ausführung.
Von 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden
Allein der Blick aufs Datenblatt ist vielversprechend: Für den Sprint von 0 auf 100 km/h werden in diesem gerade einmal knapp zwei Tonnen schweren E-SUV 3,6 Sekunden angegeben. Doch das sind nur Zahlen, diese Beschleunigung muss man erleben: tritt man das Pedal kräftig durch, wird man mit Wucht in die Sitze gedrückt. Dann erst merkt man, wieviel Power dieses SUV mit seinem Drehmoment von 543 Nm hat. Die Spitzengeschwindigkeit liegt – wie bei allen Volvos – bei 180 km/h.
Klar kann man nun einwenden, dass da bei dieser Leistung auch mal mehr möglich sein sollte – aber Volvo hält auch hier an seiner Linie fest, den Topspeed auf diese Marke zu begrenzen. Seien wir ehrlich: Mehr als diese 180 km/h braucht man nicht. Ohnehin dürfte man diesen Volvo selbst auf der Autobahn nicht allzu lange mit diesem Tempo bewegen wollen. Denn dann kommt man statt eines Verbrauchs (WLTP) von 17,6 kWh/100 km eher auf Werte jenseits von 20 kWh. Wer ist indes umsichtiger angehen lässt, der kann den EX30 – auch mit gelegentlichen Sprints beim Überholen – mit 18,9 kWh/100 km bewegen, wie wir bei unseren Testfahrten.
Entscheidender als der Topspeed ist ohnehin die Dynamik des EX30 – und die lässt sich sehen. Dieser Stromer liegt mit seinem Radstand von 2,65 Meter satt auf der Straße, lässt sich dank Allradantriebs und seiner überschaubaren Länge überaus sportlich durch Kurven bewegen. Passend zu diesem sportlichen Fahrverhalten spricht die Lenkung direkt an, gibt dem Fahrer eine gute Rückmeldung. Da gibt es wenig zu meckern. Für besonders an Komfort interessierten Fahrerinnen und Fahrerinnen könnte das Fahrwerk des EX30 vielleicht etwa zu straff ausgelegt sein – bei Bodenwellen nimmt man sie doch merklich wahr – aber für mich passt die Abstimmung zwischen Sportlichkeit und Komfort.
Verzicht auf Fahrerdisplay
Was nicht passt, ist indes das fehlende Fahrerdisplay. Darauf hat Volvo verzichtet – und daran muss man sich erst einmal gewöhnen, auch deshalb, weil die Schweden noch nicht einmal optional ein Head-up-Display anbieten. Der Fahrerin oder dem Fahrer hinter dem Lenkrad bleibt somit nichts anderes übrig, seinen Blick von der Straße zu richten, um die Fahrinformationen auf dem Mitteldisplay ablesen zu können. Den nur dort finden sich alle relevanten Informationen, wenngleich in viel zu kleiner Schrift.
Einen eigenwilligen Schritt ist Volvo auch bei der Positionierung der Fensterheber gegangen: Sie finden sich nicht an den Griffen der Seitentüren, sondern sind mittig an der Mittelarmlehne angebracht. Nun ja. Dass die Einstellung der Seitenspiegel beim EX30 im ersten Schritt über das Menü des Infotainmentdisplays geschehen muss, ist ebenso gewöhnungsbedürftig.
Selbstbewusster Preis
Und wie schaut es mit dem Platz aus? Der ist für Fahrer und Beifahrer ausreichend, anders sieht es da schon im Fond aus: selbst Erwachsene mit Normalgröße sitzen hier nicht gerade bequem. Und im Kofferraum findet sich nur ein überschaubares Gepäckvolumen von 317 Liter. Dass es daneben noch einen Frunk gibt, ist vernachlässigbar, denn der bietet nur eine Fassungsvolumen von sieben Litern. Das reicht fürs Ladekabel. Ach ja, wie schnell lädt der EX30 denn? An einem Schnelllader vergehen im Idealfall 26 Minuten für die Ladung von 10 auf 80 Prozent.
Auch wenn der EX30 mit Mankos wie dem fehlendem Fahrerdisplay, der Positionierung der Fensterheber oder arg viel Plastik im Fahrgastraum aufwartet, macht seine Fahrdynamik dies vergessen. Dass ein solches Power-SUV seinen Preis hat, versteht sich von selbst. Los geht es bei 55.290 Euro.



