«Wollen die Marke Mini weiter ausbauen»

«Wollen die Marke Mini weiter ausbauen»
Stefan Krause © Foto: BMW

Die BMW Group setzt auf profitables Wachstum. Ab dem Jahr 2012 soll die Umsatzrendite bei 8 bis 10 Prozent liegen, wie Vertriebs- und Marketingvorstand Stefan Krause der Autogazette sagte.

Die USA ist für die BMW Group der größte Einzelmarkt. Im vergangenen Jahr verkauften die Münchner dort über 335.000 Fahrzeuge. Trotz der Immobilienkrise rechnet Vertriebs- und Marketingvorstand Stefan Krause für dieses Jahr mit keinen Absatzrückgängen. «Wir wollen auf dem weltweit größtem Automobilmarkt auch 2008 weiter wachsen. Die BMW Group ist von den Folgen der US-Immobilienkrise bislang nicht direkt betroffen. Unsere Kunden in den USA verfügen in der Regel über hervorragende Bonität», sagte Krause der Autogazette.

Steigerung der Rendite angestrebt

Perspektivisch peilen die Münchner eine höhere Umsatzrendite an. Im vergangenen Jahr lag sie nach den ersten neun Monaten bei 5,5 Prozent. Zufrieden war Krause damit nicht. «Als Premiumhersteller müssen wir uns einer höheren Renditezielsetzung stellen. Deshalb haben wir uns im Rahmen unserer neuen Strategie vorgenommen, an Effizienz- und Kostensenkungen zu arbeiten, um angesichts des Dollarkurses und des Rohstoffpreises eine höhere Rendite zu erzielen», fügte der Manager hinzu. «So streben wir ab 2012 eine Umsatzrendite von 8-10 Prozent an.»

«Haben uns 2007 gut geschlagen»

Das 1er Cabrio von BMW Foto: BMW

Autogazette: Herr Krause, BMW hat im zurückliegenden Jahr mit über 1,5 Millionen Fahrzeugen einen neuen Absatzrekord aufgestellt. Mit welchen Zielen gehen Sie in dieses Jahr?

Stefan Krause: Wir wollen mit den drei Premiummarken der BMW Group auch 2008 weiter profitabel wachsen. Wir sind optimistisch, auch 2008 unsere Spitzenposition als führender Premiumhersteller in der Welt behaupten zu können.

Autogazette: Im vergangenen Jahr musste BMW in Deutschland mit 284.523 Zulassungen ein Minus von 4,2 Prozent verzeichnen. Bereitet Ihnen dieser Rückgang auf dem Heimatmarkt Bauchschmerzen?

Krause: Wir hatten in Deutschland ein schwieriges Marktumfeld. Die höhere Mehrwertsteuer und die Verunsicherung der Verbraucher durch die CO2-Diskussion haben zu einem Rückgang des gesamten PKW-Marktes um 9,2 Prozent geführt. Dennoch hat sich die BMW Group in Deutschland mit einem Rückgang von 4,2 Prozent deutlich besser als der Gesamtmarkt entwickelt. Es ist uns gelungen, Einbußen auf anderen Märkten auszugleichen und das anvisierte weltweite Wachstumsziel im hohen einstelligen Bereich mit 9,2 Prozent zu erreichen. Auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten haben wir uns in Deutschland 2007 gut geschlagen.

Autogazette: Ihre Händler dürften das nicht so positiv sehen.

Krause: Natürlich wissen wir um die schwierige Situation bei einigen unserer Händler. Doch wir arbeiten daran, diese zu unterstützen und die Profitabilität zu verbessern.

Kaufzurückhaltung durch Klimadebatte

Der BMW M3 Foto: BMW

Autogazette: Worauf führen Sie die Verunsicherung der Kunden primär zurück, auf die hohen Spritpreise oder die CO2-Diskussion?

Krause: Vor allem auf die Klimadebatte. Kunden, die ein neues Auto kaufen, wollen wissen, wie es mit der Werthaltigkeit ihres Autos bestellt ist und welche Steuern sie dafür zu bezahlen haben.

«Gehe nicht von Erholung aus»

Autogazette: Rechnen Sie in diesem Jahr mit einer Erholung der Absatzsituation?

Krause: Ich gehe nicht von einer Erholung in diesem Jahr aus. Aber mittelfristig wird sich der Markt in Deutschland wieder positiv entwickeln. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens: Der Fahrzeugbestand ist mit einem Durchschnittsalter von neun Jahren sehr alt, entsprechend gibt es früher oder später einen Nachholbedarf. Zweitens: Wenn die CO2-Thematik geklärt ist, werden wir wieder mehr Kunden bei den Händlern haben. Wir rechnen im Falle einer vernünftigen Abgasregelung - dank unserer effizienten Motorentechnik - sogar mit positiven Absatzimpulsen.

Autogazette: Erwarten Sie diese Absatzimpulse bereits in diesem Jahr?

Krause: Wir wissen es noch nicht, weil die Abgasgesetzgebung noch nicht feststeht. Sollte es hier jedoch eine schnelle Entscheidung geben, dann könnten wir bereits im Frühjahrsgeschäft Impulse erwarten. Sollte sich die Entscheidung indes länger hinziehen, dann nicht.

«Andere Dynamik im Premiumsegment»

Der BMW X6 Foto: BMW

Autogazette: Teilen Sie die Auffassung von Analysten, dass die Autoindustrie in diesem Jahr nur außerhalb Westeuropas und Nordamerikas wachsen wird?

Krause: Nein, diese Auffassung teile ich nicht, obwohl es in Amerika die Sorge einer Rezession gibt. Im Premiumsegment gibt es eine andere Dynamik als in anderen Segmenten. Wir wären von einer Rezession erst dann betroffen, wenn sie länger dauern würde.

Autogazette: Die USA sind für die BMW Group mit 335.840 verkauften Fahrzeugen der größte Einzelmarkt. Wird die Immobilienkrise in diesem Jahr zu Absatzrückgängen führen?

Krause: Wir wollen auf dem weltweit größtem Automobilmarkt auch 2008 weiter wachsen. Die BMW Group ist von den Folgen der US-Immobilienkrise bislang nicht direkt betroffen. Unsere Kunden in den USA verfügen in der Regel über hervorragende Bonität.

Autogazette: Wie wollen Sie erreichen, dass für dieses Jahr die Rendite besser ausfällt als im zurückliegenden Jahr? Momentan fährt man den Mitbewerbern hier noch hinterher.

Krause: Es gibt zwar Ansagen der Wettbewerber, dass sie bessere Renditen anstreben. Wie sich diese in Zukunft entwickeln werden, bleibt abzuwarten. In Summe betrachtet ist der BMW-Konzern weiterhin auf der Renditeseite überdurchschnittlich gut aufgestellt. Im Gegensatz zu anderen Herstellern haben wir keine massiven Abschreibungen vorgenommen, die unser betriebswirtschaftliches Ergebnis in einem Kalenderjahr verbessern.

Höhere Rendite angepeilt

Autogazette: Sie sind also mit einer Umsatzrendite, die im Automobilsegment in den ersten neun Monaten 2007 bei lediglich 5,5 Prozent lag, zufrieden?

Krause: Nein, als Premiumhersteller müssen wir uns einer höheren Renditezielsetzung stellen. Deshalb haben wir uns im Rahmen unserer neuen Strategie vorgenommen, an Effizienz- und Kostensenkungen zu arbeiten, um angesichts des Dollarkurses und des Rohstoffpreises eine höhere Rendite zu erzielen. So streben wir ab 2012 eine Umsatzrendite von 8-10 Prozent an.

Autogazette: Führt der schwache Dollarkurs zu der aktuell unbefriedigenden Umsatzrendite von 5,5 Prozent?

Krause: Natürlich lastet der schwache Dollarkurs auf unserem Ergebnis, denn das amerikanische Geschäft spielt bei uns im Gegensatz zu anderen Herstellern eine große Rolle. Solange der Wechselkurs des Dollar zum Euro bei 90 Cent stand, konnten wir natürlich mehr Geld verdienen als heute. Dennoch ist das Amerikageschäft für uns nicht unrentabel. Wir stehen aber vor der Herausforderung, mehr in Amerika zu produzieren und dort auch verstärkt einzukaufen, um die Wirkung des schwachen Dollar besser in den Griff zu bekommen.

Höhere Produktion in Spartanburg

Produktion in Spartanburg Foto: BMW

Autogazette: Die Produktion in den USA soll erhöht werden. Hat das seinen Hintergrund ausschließlich im schwachen Dollarkurs?

Krause: Es hat auch andere Gründe, aber zunächst wollen wir die BMW Group durch stärkeres Natural Hedging noch besser gegen Währungsschwankungen absichern. Dazu bauen wir das Werk in Spartanburg von 140.000 Einheiten auf 240.000 Einheiten aus, Wir agieren aber nicht nur dann, wenn der Dollar schwach ist: Spartanburg ist errichtet worden, als der Dollar stark war.

Autogazette: Hat sich das Unternehmen in den zurückliegenden Jahren unzureichend gegen Währungsrisiken abgesichert?

Krause: Überhaupt nicht. Wir haben ein langfristiges Modell zur Währungsabsicherung gefahren. Mit diesem Modell sind wir sehr erfolgreich gewesen: Wir haben in den zurückliegenden Jahren mehrere Milliarden an Absicherungsgewinnen erzielt.

Abbau von Stellen

Autogazette: BMW vermeldet zwar erneut einen Rekordabsatz, doch zugleich werden in diesem Jahr 8000 Stellen abgebaut. Wie passt das zusammen?

Krause: Wir bestätigen die Zahl von 8000 Stellen nicht...

Autogazette: ...Sie dementieren sie aber auch nicht.

Krause: Wir werden vor allem mehrere Tausend Zeitarbeitskräfte weniger beschäftigen. Daneben werden wir aber über Fluktuation und Altersteilzeitregelungen Stellen abbauen.

Autogazette: Inwieweit würde die angekündigte Strafsteuer der EU-Kommission die Wettbewerbsfähigkeit von BMW beeinträchtigen?

Krause: Es gibt zur CO2-Thematik eine Reihe von Vorschlägen, die industriepolitische Hintergründe haben. Es ist positiv, dass sich die Bundesregierung um Angela Merkel für eine sinnvolle Regelung einsetzt. Wir teilen die Auffassung, dass gegen den Klimawandel etwas getan werden muss und dass größere Autos auch eine größere Last tragen müssen. Aber es gibt derzeit Vorschläge, die sich nur an nationalen industriepolitischen Zielen orientieren. Diese Vorgehensweise können wir nicht nachvollziehen, weil sie marktverzerrend und für den Umweltschutz nicht hilfreich ist.

Weniger Innovationen durch Strafsteuer

Autogazette: Würde eine Strafsteuer dazu führen, dass BMW verstärkt in Kompaktfahrzeuge investieren müsste, die weniger profitabel sind als Oberklassefahrzeuge?

Krause: Mit einer unsinnigen Straftsteuer insbsondere für Premiummodelle wäre keinem gedient. Denn gerade dieses Segment sorgt für Innovationen im Bereich Technik, Sicherheit und Umwelt - und bezahlt diese auch. Wenn man die Premiumhersteller nun mit unvernünftigen Abgasregelungen abstraft, würde es aus unserer Sicht zu weniger Innovationen kommen und zudem auch die Zuliefererindustrie schädigen.

Autogazette: Sehen Sie in dieser Strafsteuer für BMW nicht auch eine Chance? Schließlich bietet BMW bereits heute 24 Modelle an, die unter 140 Gramm C02 pro Kilometer emittieren?

Krause: Wir haben relativ gesehen im Premiumsegment gegenüber unseren Mitbewerbern einen Vorteil, da wir in den zurückliegenden Jahren viel Geld in die Hand genommen haben, um unser EfficientDynamics-Programm ins Leben zu rufen. Im Wettbewerb haben wir sehr umweltfreundliche Technologien im Einsatz. Wir freuen uns über diesen Wettbewerbsvorsprung, doch er wird uns dann nichts mehr nutzen, wenn wir unsinnige Gesetze bekommen.

Gedanken über neue Fahrzeugkonzepte

Der Mini Clubman Foto: AG/Flehmer

Autogazette: Wenn Sie sich das Produktportfolio von BMW vor dem Hintergrund des Klimawandels anschauen. Fehlt Ihnen dann nicht ein klassisches City-Auto unterhalb des 1er BMW´s?

Krause: Unsere Kunden erwarten von uns nicht, dass wir Fahrzeuge mit weniger Leistung anbieten. Sie erwarten von uns, dass wir den vermeintlichen Widerspruch - mehr Leistung und gleichzeitig weniger Verbrauch - auflösen. Dies ist uns bei unseren neuen Modellen gelungen, deshalb heißt unser Programm auch «EfficientDynamics». Wir müssen auch weiter Fahrzeuge auf den Markt bringen, die emotional sind und die dem Anspruch Freude am Fahren gerecht werden. Im übrigen haben wir im Rahmen unserer neuen Strategie über vieles nachgedacht und uns die Märkte angeschaut. Ein Produkt herzustellen, was kein Kunde will, macht aber keinen Sinn. Tatsache ist aber, dass wir uns angesichts der Tendenz zu Mega-Cities Gedanken über neue Fahrzeugkonzepte machen.

Autogazette: Wenn man sich die Absatzzahlen des Mini anschaut, dann liegen sie bei derzeit 230.000 Einheiten. Bereitet ihnen die große Nachfrage eigentlich aufgrund der Produktionskapazitäten von 260.000 Einheiten in Oxford Probleme?

Krause: Wir wollen die Marke Mini weiter ausbauen - 2008 wollen wir weltweit mehr als 240.000 MINI verkaufen. Deshalb werden wir unsere MINI Produktion in Oxford auch weiter ausbauen. Darüber hinaus gibt es Magna Steyr in Österreich, - hier werden wir den neuen MINI SAV fertigen lassen. Kapazitäten zu bauen ist kein Problem, das dauert drei Jahre. Geld genug dafür haben wir, auch wenn es viele Unkenrufe gibt, dass unsere Rendite nicht gut genug wäre. Der Konzern verfügt dazu über genügend liquide Mittel.

Das Interview mit Stefan Krause führte Frank Mertens

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