«Überschaubare Modellpalette ist unsere Stärke»

«Überschaubare Modellpalette ist unsere Stärke»
Alfred E. Rieck © Foto: Skoda

Der tschechische Autobauer Skoda befindet sich weiter auf Wachstumskurs. «Ich rechne am Ende des Jahres mit einem Marktanteil von 3,7 Prozent», sagte Deutschland-Chef Alfred E. Rieck der Autogazette.

Skoda eilt von Erfolg zu Erfolg. Auch auf dem deutschen Markt wird das Unternehmen in diesem Jahr seinen Wachstumskurs unvermindert fortsetzen. «Ich rechne am Ende des Jahres mit einem Markanteil von 3,7 Prozent», sagte der Geschäftsführer von Skoda Auto Deutschland, Alfred E. Rieck, der Autogazette.

Im zurückliegenden Jahr konnte Skoda auf dem deutschen Markt 118.523 Fahrzeuge absetzen und erzielte damit einen Marktanteil von 3,42 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet Rieck mit 122.000 verkauften Fahrzeugen.

«Abstand zu Konkurrenten wird geringer»

Autogazette: Herr Rieck, wer wird Ende des Jahres in Deutschland der zweitstärkste Auto-Importeur?

Alfred E. Rieck: Renault. An Position eins wird sich Toyota platzieren.

Autogazette: Und Skoda?

Rieck: Wir werden Dritter.

Autogazette: Warum so bescheiden?

Rieck: Weil wir uns in der kontinuierlichen Weiterentwicklung befinden. Doch wenn wir in diesem Jahr - wie bereits im Vorjahr - die Position drei in der Importeurswertung erreichen, dann ist der Abstand zu unseren Konkurrenten von Renault und Toyota deutlich geringer geworden.

Autogazette: Sagt Ihnen die Zahl 7219 etwas?

Rieck: Nichts.

Autogazette: Das ist der Abstand zu Toyota, die nach den ersten sieben Monaten des Jahres mit 78.594 verkauften Fahrzeugen in der Zulassungsstatistik vor Skoda liegen.

Rieck: Die Zahlen von Toyota beinhalten auch die Marke Lexus und die Zahlen von Renault die Marke Dacia. Wenn wir nur die reine Performance der Marken addieren, dann ist der Abstand zu Toyota sogar noch geringer.

Der Atem von Renault

Der neue Skoda Fabia Foto: Skoda

Autogazette: Richtig, dann steht Skoda ja noch besser da...

Rieck: ...ja, dann ist der Abstand noch geringer.

Autogazette: Deshalb verwundert es, dass Sie sich als Geschäftsführer von Skoda Deutschland mit Platz drei zufrieden geben wollen.

Rieck: Wieso? Sie fragten mich, wer Ende des Jahres zweitstärkster Importeur wird. Dazu habe ich Ihnen meine realistische Einschätzung gegeben.

Autogazette: Wenn wir nur den Realismus walten lassen: Wann wollen Sie zweitstärkster Importeur werden?

Rieck: Dass dieses Jahr so gelaufen ist, wie es gelaufen ist, wusste niemand. Dass wir nach einer Mehrwertsteuererhöhung noch eine CO2-Diskussion bekommen haben, konnte niemand ahnen. Dass wir im Juli eine Performance von Plus 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr haben, ist eine gute Sache und zeigt, wie stark unsere Produkte im Markt positioniert sind. Erwarten konnte man eine solche Performance nicht. Der absolute Abstand unter den Marken Renault, Toyota und Skoda ist in Summe rund 4100 Autos. Bei so einem Abstand zu prognostizieren, wer am Ende des Jahres die Nummer eins oder zwei ist, ist sehr, sehr schwierig.

Autogazette: Aber es ist doch realistisch, auf der Position zwei zu landen...

Rieck: Die Kraft der Marke unter relativ «normalem» Verhalten des Wettbewerbsumfeldes haben wir in den ersten sechs Monaten des Jahres gesehen - in dem Zeitraum war die Marke Skoda bereits die zweitstärkste Importmarke. Im Juli ist die Marke Renault mit Sonderaktionen an uns vorbeigezogen. Ich kann nicht einschätzen, wie lange der Atem von Renault ist, derartige Aktionen weiter zu fahren.

«Beteiligen uns nicht an Rabattschlacht»

Skoda Octavia Combi Foto: Werk

Autogazette: Sie zielen auf Rabatte ab...

Rieck: ...ja. Ich weiß, dass wir uns an keiner Rabattschlacht beteiligen werden. Wir wollen nicht, dass am Ende des Tages der Kunde dafür den Preis bezahlt, indem der Wert seines Wagens beim Wiederverkauf rapide sinkt. Wir werden unseren Weg konsequent weiter gehen. Wenn wir Ende des Jahres die Position zwei erreicht haben, ist das schön. Wenn es uns nicht gelingt, ist es aber auch nicht schlimm. Wir sind dann nicht geschäftsmüde oder Suizid gefährdet. Doch wir wissen, dass wir ein sauberes Geschäft mit einer sauberen Rendite vorweisen können. Wir werden aber auf keinen Fall unter Einsatz von massiven Rabatten am Ende des Jahres die Nummer zwei bei den Importeursmarken sein.

Autogazette: Skoda hat in den ersten sieben Monaten ein Plus von 5,8 Prozent gemacht, Renault und Toyota indes ein Minus von 17,4 beziehungsweise 7,7 Prozent. Wieso läuft es bei Ihnen, aber bei Ihren Konkurrenten nicht?

Rieck: Was in der Vergangenheit von uns gemacht wurde, trägt jetzt seine Früchte. Wir haben unsere Stabilität und Glaubwürdigkeit über die Jahre hinweg aufgebaut. Wer heutzutage vor einem Autokauf steht, der entscheidet sich im Zweifelsfall eher für Skoda. Bei uns weiß der Kunde, dass bei uns der Restwert des Autos stabil ist. Das zahlt sich nun aus.

«Wollen Bekanntheitsgrad von 40 bis 45 Prozent»

Skoda Superb Foto: Skoda

Autogazette: Die Marke Skoda verfügt über einen Bekanntheitsgrad von 30 Prozent. Reicht das, um auch in Zukunft in der Erfolgsspur zu bleiben?

Rieck: Seit April 2006 ist kein Tag verstrichen, an dem wir nicht im Fernsehen waren. Allein in diesem Jahr haben wir vier neue TV-Spots gehabt. In keinem dieser Spots ist das Wort Rabatte gefallen. Uns geht es darum, den Bekanntheitsgrad und die nachhaltige Wertigkeit der Marke kontinuierlich zu erhöhen.

Autogazette: Welchen Bekanntheitsgrad wollen Sie erreichen?

Rieck: Bekanntheit und Image ändert man nicht über Nacht. Wir wollen einen Bekanntheitsgrad von 40 bis 45 Prozent erreichen. Damit lägen wir auf einem Niveau mit dem unserer Kollegen von Toyota und Renault.

Autogazette: Zu Jahresbeginn sprachen Sie davon, dass Sie in 2007 insgesamt 122.000 Fahrzeuge verkaufen wollen. Sie haben jetzt die Gelegenheit, diese Zahl nach oben zu korrigieren.

Rieck (lacht): Wir lassen es bei dieser Zahl.

«Rechne mit Marktanteil von 3,7 Prozent»

Der Roomster von Skoda Foto: Skoda

Autogazette: Sie sagen immer wieder, dass Ihnen die absoluten Verkaufszahlen nicht so wichtig sind, sondern der Marktanteil. Welchen Marktanteil erwarten Sie nach den 3,42 Prozent in 2006 für das laufende Jahr?

Rieck: Ich rechne am Ende des Jahres mit einem Markanteil von 3,7 Prozent.

Autogazette: In den neuen Bundesländern hat der Gesamtmarkt Einbrüche von gebietsweise bis zu 40 Prozent zu verzeichnen. Wie wollen Sie das auffangen?

Rieck: Wir können diese Einbrüche des Gesamtmarktes in Teilen der neuen Bundesländer nicht auffangen, weil die Ursachen hierfür nicht in unserem Einflussbereich liegen. Was wir aber tun, ist Präsenz aufzubauen damit zu dem Zeitpunkt wenn die Menschen wieder mehr Zukunftsvertrauen haben und an einen Neuwagenkauf denken, die Marke Skoda berücksichtigen.

Autogazette: Haben Sie sich zu sehr auf die neuen Bundesländer konzentriert?

Rieck: Wenn dem so wäre, hätten wir nicht die Zahlen, die wir jetzt haben. Unter dem Strich steht bei uns ein Plus und kein Minus.

Ende des Jahres 570 Händler

Der Yeti Foto: Skoda

Autogazette: Welche Rolle spielt mit Blick auf das Wachstum das Händlernetz? Derzeit haben Sie 520 Vertriebspartner...

Rieck: ...wir haben derzeit sogar schon 539...

Autogazette: ...wie viele sollen es bis zum Ende des Jahres werden?

Rieck: Wir werden dann rund 570 Händler haben.

Autogazette: Wie viele sollen es werden?

Rieck: Bis 2009/2010 sollen es 660 bis 670 werden. Das ist die Planung für den Fall, dass sich der Gesamtmarkt erholt und sich bei 3,4 bis 3,5 Millionen Fahrzeugen bewegt. Sollte sich der Markt nicht erholen, werden wir uns fragen, ob wir 660 Händler haben wollen. Unsere Partner müssen eine vernünftige Rendite haben.

Autogazette: Wo sehen Sie Potenziale, um Wachstum zu generieren?

Rieck: Es gibt eine Reihe von Potenzialen, die wir nutzen können. Es gibt Städte, die wir noch nicht oder erst seit kurzem besetzt haben. Dort ist also Volumen zu machen. Zum Beispiel haben wir den Markt Stuttgart erst Ende letzten Jahres besetzt. Daneben liegt es an den Produkten: unser jetziger Fabia Combi ist bis Ende des Jahres ausverkauft. Der neue kommt im Januar, er wird uns im nächsten Jahr helfen, weiter zu wachsen. Daneben kommt der neue Superb im nächsten Jahr. In 2009 kommt mit dem Yeti ein neues Fahrzeug in einem neuen Segment.

«Überschaubare Produktpalette»

Der Joyster Foto: AG/Mertens

Autogazette: Wenn wir den Yeti außen vor lassen, verfügt Skoda mit dem Fabia, Octavia, Roomster und dem Superb über vier Baureihen. Reicht das aus, um in Zukunft weiter erfolgreich zu sein?

Rieck: In der überschaubaren und fokussierten Modellpalette liegt unsere Stärke. Verzettelung muss nicht unbedingt erfolgsorientiert sein. Wir werden uns auch in Zukunft auf die volumenstarken Segmente konzentrieren.

Autogazette: Würden Sie sich ein Einstiegsmodell wie den Joyster wünschen?

Rieck: Wenn wir die Chance haben, nach unten die Produktpalette abzurunden - vorausgesetzt, das Auto bleibt ein typischer Skoda - dann kann das nur Vorteile haben. Damit kann man eine neue, jüngere Zielgruppe erreichen, die auch über einen längeren Zeitraum der Marke treu bleiben kann.

«Setzen auf bewährte Technologien»

Autogazette: Teilen Sie den Eindruck, dass Skoda von der Mutter VW an der kurzen Leine gehalten wird, um sich nicht selbst zu schwächen?

Rieck: Nein, überhaupt nicht.

Autogazette: Doch wo finden sich denn derzeit Innovationen von VW bei Skoda wieder? Wo sind TSI-Motoren, wo ist ein Skoda Bluemotion?

Rieck: Wir setzen bewährte Technologien ein, von denen der Kunde erwarten kann, dass er keine Probleme hat. Auch wenn wir auf manche neue Technik vielleicht etwas warten müssen, bedeutet das nicht, dass wir an der kurzen Leine gehalten werden. Unter dem Label Green Line wird Skoda z.B. künftig Fahrzeuge mit besonders verbrauchsarmen Motoren und geringem Schadstoffausstoß auf den Markt bringen.

Autogazette: Sehen Sie zwischen den Modellen von VW und Skoda keine Kannibalisierungstendenzen?

Rieck: Das hängt davon ab, wie wir Kannibalisierung messen. Die Frage ist doch: was hättest Du gekauft, wenn es die Marke Skoda nicht gegeben hätte? Und da bleibt festzuhalten, dass die meisten der Kunden sich einer Marke zugewandt hätten, die nicht zum VW-Konzern gehört. Wichtig ist doch, dass das Geld im Unternehmen bleibt.

Das Interview mit Alfred E. Rieck führte Frank Mertens

Keine Beiträge vorhanden