Medienbericht: Vier VW-Werke ab 2031 vor dem Aus

Medienbericht: Vier VW-Werke ab 2031 vor dem Aus
Einfahrt zum VW-Werk in Zwickau. © dpa

In Deutschland stehen vier VW-Werke vor dem Aus. Der Aufsichtsrat kommt am Freitag zu seiner Sitzung zusammen, um über entsprechende Pläne des Vorstands zu beraten.

Agesichts drohender Werkschließungen bei Volkswagen will sich Niedersachsens Landesregierung für den Erhalt aller deutschen Standorte einsetzen. „Wir werden um jeden Standort kämpfen“, sagte ein Sprecher von Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der auch im VW-Aufsichtsrat sitzt.

„Wir werden uns als Landesregierung um jeden Standort bemühen – auch nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit“, betonte der Sprecher. „Ein Standort in Neckarsulm ist genauso wichtig wie ein Standort in Zwickau, wie ein Standort in Hannover, wie ein Standort in Emden.“ Die VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm stehen auf der Kippe, da es für sie laut Konzernchef Oliver Blume noch „keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er Jahre“ gibt. Auch der laufende Arbeitsplatzabbau – 50.000 Stellen bis 2030 – reicht aus Sicht des Vorstands nicht aus. Im Raum steht der Abbau weiterer Zehntausender Stellen.

Medienbericht sorgt für Unruhe

Für Unruhe sorgt ein Bericht der Wirtschaftswoche über ein Papier des VW-Vorstandes für den Aufsichtsrat, wonach die Produktion in Emden und Zwickau 2031 enden soll, im Werk Hannover 2032 und im Audi-Werk Neckarsulm 2034. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer appelliert nach dem Bericht dazu, „die Nerven zu behalten“. „Auch am Freitag wird es dazu keine Entscheidung geben“, sagt der CDU-Politiker in einem Videostatement auf Facebook. Mit Blick auf die betroffene E-Auto-Fabrik in Zwickau ergänzt er: „Wir haben bei uns in Zwickau-Mosel die Argumente voll auf unserer Seite. Wir sind das effizienteste Werk.“

Vor der Aufsichtsratssitzung an diesem Freitag zu den Sparplänen ringt Niedersachsens Landesregierung weiter um eine Verständigung zwischen Unternehmen und Belegschaft. „Wir sind der festen Überzeugung, dass die Stärke von Volkswagen immer darin lag, gemeinsam Lösungen zu finden“, sagte der Regierungssprecher. „Es bleibt das erklärte Ziel, zu gemeinsamen Lösungen zu kommen.“ Konzepte, die Werkschließungen, einen massiven Rückbau der Beschäftigung und die Aushöhlung des VW-Gesetzes in den Mittelpunkt stellten, seien für die Landesregierung aber nicht zustimmungsfähig. Das VW-Gesetz sichert dem Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Anteile an VW hält, maßgeblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen bei Volkswagen.

Landrat fordert Klarstellung

Der Zwickauer Landrat Carsten Michaelis (CDU) fordert von Konzernchef Oliver Blume eine eindeutige Klarstellung. Die bekanntgewordenen Berichte „treffen Zwickau und die gesamte Region mit voller Wucht“. Sollte der VW-Vorstand tatsächlich bereits einstimmig das Ende der Fahrzeugproduktion in Zwickau 2031 beschlossen haben, stehe das im Widerspruch zu dem Eindruck, den Blume vergangene Woche bei seinem Besuch in Zwickau vermittelt habe.

„Es ist noch nicht der Punkt, an dem entschieden wird, wie es wirklich mit Volkswagen weitergeht“, versichert derweil Kretschmer. Er hatte sich vorige Woche zu einem Gespräch mit Konzernchef Oliver Blume und VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch in Dresden getroffen. Daher zeigte sich Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) überrascht von den neuesten Berichten. „Entscheidend für uns ist, was wir mit Volkswagen in Zwickau besprochen und vereinbart haben: Wenn das Zwickauer Werk wettbewerbsfähig ist und mit Standorten in Osteuropa mithalten kann, gibt es keinen Grund, das Werk zu schließen.“

Kretschmar fordert Schulterschluss

„Für die Zukunft unserer Standorte werden wir gemeinsam kämpfen“, betont der Betriebsratsvorsitzende der Zwickauer E-Auto-Fabrik, Mario Albert. Die neuen Schlagzeilen sorgten für Unruhe. „Klar ist, dass der Vorstand weiterhin an möglichen Werksschließungen festhält. Genauso klar ist aber auch, dass er darüber nicht allein entscheidet.“

Die Arbeitnehmerseite stehe geschlossen zusammen: „Mit uns wird es keine Werksschließungen geben.“ Volkswagen trage Verantwortung für seine Beschäftigten, ihre Familien und die Regionen, in denen die Werke seit Jahrzehnten fest verwurzelt seien. Die Mitarbeiter wüssten, was die Stunde geschlagen habe, betont Kretschmer. „Meine Gespräche mit der IG Metall, mit dem Betriebsratsvorsitzenden und mit dem Vorstand haben alle dazu geführt, dass wir anpacken müssen, dass wir einen Schulterschluss brauchen mit der Bundespolitik, aber auch hier in den eigenen Werken“, sagt Kretschmer. „Insofern brauchen wir jetzt ein gemeinsames Zutrauen. Wir halten zusammen.“

Die Autofabrik in Zwickau mit aktuell rund 8.000 Beschäftigten ist Vorreiter bei Volkswagen in der Produktion von E-Autos. Zudem wird hier ein neues Standbein im Bereich der Kreislaufwirtschaft aufgebaut. Bis Ende 2030 gibt es eine vertraglich vereinbarte Standort- und Beschäftigungsgarantie. „Wir müssen entlang unseres Erfolgskonzepts für unseren Standort werben“, betont Kretschmer. „Und dann, bin ich sicher, haben wir auch eine gute Chance, dass die Wiege der Automobilindustrie in Zwickau-Mosel auch in den nächsten Jahrzehnten ein starker Standort der Automobilproduktion bleibt.“ (dpa)

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