Opel befindet sich mit seiner Modellpolitik auf dem richtigen Weg. Die Rüsselsheimer sorgen mit pfiffigen und sportlichen Autos für Aufsehen.
Von Stefan Grundhoff
Opel drückt mächtig auf die Tube. Qualitätsprobleme und interne Querelen liegen lange hinter den Rüsselsheimern und die Modellpalette ist frischer denn je. Eine Rückkehr zur Sportlichkeit soll der Marke mit dem Blitz ein neues Image verschaffen.
«Wir stimmen alle unsere Fahrzeuge auf der Nordschleife ab.» Opel-Pressechef Frank Klaas wird nicht müde zu betonen, dass bei Opel seit einiger Zeit ein anderer Wind weht, «die OPC-Modelle sind bei uns als Marke in der Marke besonders wichtig. Sie zeigen unser Potenzial, unsere Sportlichkeit.»
Kunden überzeugen
Die Ära von müden Modellen, klappernden Innenverkleidungen und hinterher hinkender Motorentechnik sind lange vorbei. Jetzt muss nur der Kunde noch aufwachen und Opel als Marke mit einem neuen Gesicht erkennen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.
Der Spaßableger des Opel Performance Centers (OPC) wurde kurzerhand in das Unternehmen Opel integriert und mit wichtigen Aufgaben versehen: die Fahrzeuge mit dem blauen OPC-Schriftzug sollen es AMG, quattro GmbH oder M-Familie nach machen und der gesamten Modellpalette mehr Kontur geben. Wenn sportliche Versionen von Astra oder dem Familienvan Zafira auf der Nordschleife zu den schnellsten ihrer Zunft gehören, dann sollten auch die Versionen von der Stange keinen Vergleich scheuen müssen.
Öffentlichkeitswirksam setzte man zuletzt Markenbotschafter und Rennfahrer Manuel Reuter hinter das Steuer eines familiären Opel Zafira OPC und ließ ihn auf der Nordschleife die Porsches dieser Welt das Fürchten lehren. Unter dem Strich stand eine Hammerzeit. Mit den 8:54,38 Minuten muss man sich selbst gegenüber waschechten Sportwagen nicht verstecken. Auch der 240 PS starke Astra OPC ist der schnellste seiner Hubraumklasse. Opel und die Traditionsrennstrecke gehören seit Jahren zusammen.
Bekenntnis zur Sportlichkeit
Das soll endlich auch der Kunde merken. Trommeln gehört schließlich zum Handwerk. Lange Jahre hatte man das bei den Opelanern vergessen und verschwand von zahlreichen Einkaufslisten der jüngeren Kundschaft. Mit Modellen wie dem Opel Zafira, einem Meriva oder dem Astra TwinTop ist das anders geworden. Man bekennt sich wieder zur längst vergessenen Sportlichkeit und trägt sie stolz an die Öffentlichkeit.
Mit Freude warten viele Automobilfans schon auf den neuen Roadster Opel GT, der im nächsten Frühjahr auf den Markt kommen soll. Bleibt abzuwarten, ob mindestens 30.000 Euro nicht zu viel sind für einen Roadster mit dem Blitz im Kühlergrill. 260 PS und Heckantrieb lassen jedoch einiges vermuten und selbst in München oder Stuttgart wird Rüsselsheim wieder als ernsthafter Automobilstandort wahrgenommen.
Antara kommt spät
Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viel zu tun ist, bis man wieder in der ersten Reihe fährt. Den SUV-Trend hatte man in Deutschland mit dem Frontera eingeleitet, um ihn dann firmenintern versiegen zu lassen. Viel zu spät kommt mit dem Antara nun ein Nachfolger, der jedoch gute Chancen hat, das Image der Marke weiter zu steigern. Schließlich gibt es als Konkurrenten nur den BMW X3 und die starke Asien-Konkurrenz. Problemkind bleiben bei Opel die größeren Modelle.
Dem Opel Vectra werden branchenintern seit Jahren von allen Seiten gute Noten gegeben. Bei den Händlern tut sich der Vectra auch nach der jüngsten Modellpflege überaus schwer. Der Kunde fährt lieber BMW 3er oder einen schnittigen Audi A4. Autokauf ist eben Imagekauf. Hier bleibt abzuwarten, ob Opel in Mittel- und Oberklasse in den nächsten Jahren wieder mehr riskieren wird. Geht es um größere und PS-stärkere Autos, werden auch Themen wie Heck- und Allradantrieb auf das Tableau kommen.
Gutes Design
Die sportlichen Versionen von Astra OPC und Vectra OPC haben kaum Schwächen - abgesehen vom bisweilen überforderten Frontantrieb. Hier ist die frontgetriebene Konkurrenz mit 4x4-Optionen deutlich weiter. Gerade bei den PS-starken Modellen muss in der nächsten Generation ein besseres Konzept folgen. Auch bei den Alternativantrieben hält man sich im Rhein-Main-Gebiet bislang noch allzu bedeckt.
Der Schlüssel zum Erfolg ist nicht zuletzt das Design. Mit dem neuen Astra ist Opel ein großer Wurf gelungen. Auch Zafira und der neue Corsa zeigen, dass man auf einem sehr guten Weg ist. So dynamisch und charakterstark hätte man sich die Opel-Modelle auch in den 90er Jahren gewünscht. Bekanntlich ist es überaus schwer, einmal verlorene Marktanteile zurückzuholen. Die Konkurrenz aus dem In- und Ausland schläft nicht und drückt in alles Klassen mächtig auf das Tempo. So muss mehr kommen, als nur gute Autos. Gerade beim Thema Sportlichkeit gibt es viel aufzuholen. Hier ist die Nordschleife die beste Visitenkarte.



