Er ist größer, bietet mehr Leistung und letztlich mehr Alltagsnutzen: der bZ4X Touring ist der neuste Stromer von Toyota und ist weit mehr als die längere Variante des Elektro-Crossovers bz4X.
Für eine Marke, deren Stärke und DNA der Hybridantrieb ist, hat Toyota bei den batterie-elektrischen Modellen mittlerweile eine große Auswahl an Modellen. Insgesamt zehn Modelle offeriert die Marke seinen Kundinnen und Kunden auf dem deutschen Markt. Im PKW-Bereich gehören dazu die Modelle Urban Cruiser, C-HR+, bZ4X und der nun im slowenischen Ljubljana vorgestellte bZ4X Touring. Komplettiert wird das BEV-Angebot bei den leichten Nutzfahrzeugen mit dem Hilux BEV sowie der fünfköpfigen vollelektrische Proace-Familie.
Der neue Toyota bZ4X Touring will dabei mehr sein als nur die größere Variante des bekannten Elektro-Crossovers. Mit dem Touring erweitert Toyota seine Elektro-Palette um ein Modell, das genau den Nerv vieler europäischer Kunden treffen dürfte: ein geräumiger, höhergelegter Kombi, der dank schwarzer Radlaufverkleidungen mit einem robustem Auftritt vorfährt und über eine hohe Alltagstauglichkeit und Langstreckenkompetenz verfügt.
Kofferraumvolumen deutlich gewachsen
Doch bleiben wir kurz bei der Größe: mit einer Länge von 4,83 Meter ist er 14 Zentimeter länger und auch leicht höher als das Crossover-Modell. Damit und einem Radstand von 2,85 Meter bietet der Touring einen deutlichen Zugewinn an Platz. So stieg das Kofferraumvolumen um 50 Prozent auf 669 Liter an, bei umgelegter Rückbank sind es sogar 1718 Liter. Das ist eine Ansage. Fahrer und Beifahrer haben ebenso wie die Fondpassagiere ausreichend Platz.
Kein Wunder, dass die Verantwortlichen sich viel von dem neuen Modell versprechen: in Europa erwartet man in einem vollen Verkaufsjahr einen Absatz von 50.000 Einheiten, die Hälfte sollen dabei auf den Touring entfallen. In Deutschland hofft man in diesem Jahr noch 2000 Einheiten abzusetzen. Preislich geht es für den Fronttriebler mit einer Leistung von 224 PS in der Variante Teamplayer bei mindestens 51.900 Euro los. Die Allradvariante mit 380 PS kostet mindesten 55.000 Euro. Bei der Verteilung beider Antriebe erwartet Toyota einen AWD-Anteil von 30 Prozent.
In beiden Varianten kommt dabei übrigens eine 74,7-kWh-Batterie zum Einsatz, die für eine elektrische Reichweite von bis zu 591 Kilometer (528 km bei AWD) sorgen soll. Die Batterie hat damit im Vergleich zum bisherigen Modell um 1,6 kWh zugelegt. Geladen werden kann an einem Schnelllader mit 150 kW. Das ist angesichts von mittlerweile fast schon üblichen Ladeleistungen von jenseits 200 kW nur Durchschnitt. Dafür verspricht Toyota, dass der Ladevorgang bei Außentemperaturen von -10 Grad bis +20 Grad Celsius für die Ladung von 10 auf 80 Prozent bei vorkonditionierter Batterie konstant bei 28 Minuten liegt. Ein Alltagstest wird zeigen, wie das jenseits der Papierform ausschaut. Bei Minus 20 Grad soll sich die Ladezeit übrigens bei etwa 30 Minuten bewegen.
Anzeige über Zustand der Batterie
Im bZ4X findet sich im Innenraum zudem ein Feature, was bei den Kundinnen und Kunden das Zutrauen in die Batterietechnik steigern dürfte: direkt im digitalen Kombiinstrument wird angezeigt, in welchem Zustand die Hochvoltbatterie ist: dieser sogenannte „State of Health“-Wert (SoH) zeigt an, welche Kapazität die Batterie noch nach Jahren und Hunderten von Ladezyklen hat. Es ist erfreulich, dass Toyota dieses Feature bereits schon jetzt anbietet, obwohl die EU es erst ab 2027 zur Pflicht macht. Wer sich heute einen Gebrauchtwagen kauft, lässt häufig noch einen kostenpflichtigen Batteriecheck machen, um sich den SoH-Wert anzeigen zu lassen. Das entfällt somit. Toyota garantiert übrigens, dass die Batterie nach zehn Jahren oder 250.000 Kilometern noch mindestens eine Kapazität von 70 Prozent aufweist.
Auf die Kritik am Innenraum hatte Toyota bereits bei der Überarbeitung des bZ4X reagiert – und das bis dahin doch recht altbackene Cockpit ansehnlicher gestaltet. Modernität sieht indes weiterhin anders aus. Dafür sind die Funktionen intuitiv bedienbar, das Cockpit wirkt aufgeräumt. Der zentrale Touchscreen-Bildschirm hat eine Größe von 14 Zoll und reagiert recht flott auf Befehle.
Gute Fahrwerkabstimmung
Bei der Testfahrt mit der Allradversion zeigt der Touring, dass Toyota das Fahrwerk spürbar verfeinert hat. Die eTNGA-Plattform sorgt mit niedrigem Schwerpunkt und hoher Steifigkeit für ein überraschend souveränes Fahrgefühl. Toyota verspricht, dass mit dem Touring auch Wasserdurchfahrten bis zu einer Tiefe von 50 Zentimeter möglich sein sollen.
Trotz seiner Größe bleibt der Stromer angenehm handlich und vermittelt viel Ruhe auf langen Strecken, wenngleich man dem Touring sein Gewicht von knapp über zwei Tonnen bei der Allradversion anmerkt. Für ein ruhiges Fahrern sorgen dabei auch die mit Dämmfolie beklebten vorderen Seitenscheiben. Die von uns gefahrene Allradversion legt den Sprint auf Temp0 100 übrigens in flotten 4,5 Sekunden zurück. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 160 km/h erreicht. Der Verbrauch wir mit 16,6 kW/100 km (mit 20 Zoll-Rädern) angegeben, bei den Testfahrten lagen wir indes bei rund 20 kW.
Ohne Vehicle-to-Load
Wer mit dem Touring auch abseits befestigter Straßen unterwegs sein kann, kann dies dank der Allradsteuerung natürlich tun: X-Mode und Grip Control helfen da weiter. Ausgestattet ist der Touring natürlich mit allen relevanten Assistenzsystemen. Unverständlicherweise nicht an Bord ist V2L, also Vehicle-to-Load, mit dem man beispielsweise sein Laptop oder ein E-Bike laden kann. So etwas erwartet man von einem Auto jenseits von 50.000 Euro.
Ach ja: auf One-Pedal-Driving muss man im bZ4X verzichten. Er rekuperiert über die Schaltpaddels am Lenkrad zwar vierstufig, aber klassisches One-Pedal-Driving ist nicht möglich. Das ändert aber nichts daran, dass der Touring sich als grundsolider Allrounder erweist. Günstig ist er nicht – übrigens 4000 Euro teurer als der bZ4X – von daher erscheint die Absatzerwartung von gerade einmal 2000 Einheiten in diesem Jahr realistisch. Zudem sieht er sich im Segment einer starken Konkurrenz gegenüber: dazu zählen u.a. der Subaru E-Outback oder der VW ID.7 Tourer.


