Die Flut von Warntönen im Auto nimmt immer mehr zu. Doch nicht immer lassen sich die Signale eindeutig einordnen.
Von Heiko Haupt
Autos machen Geräusche - das wird wohl so bleiben. Doch während sich die Autohersteller Mühe geben, die in den Innenraum dringenden Fahrgeräusche zu minimieren, nimmt die Zahl möglicher Lärmquellen im Innenraum zu: Verstärkt gehen die Unternehmen dazu über, den Fahrer akustisch auf Probleme aufmerksam zu machen. Da wird mit Fiep- und Pieptönen gewarnt, wenn das Licht noch brennt, eine Tür nicht geschlossen ist oder der Gurt nicht angelegt wurde. Fachleute halten das für sinnvoll, weisen jedoch darauf hin, dass die tönenden Hinweise nicht immer eindeutig sind - und manchmal mehr verwirren als zur Problemlösung beitragen.
Verschiedene Klänge
Akustische Warnungen können recht unterschiedlich ausfallen. Als ein hilfreiches Beispiel gilt der Hinweis auf den nicht angelegten Sicherheitsgurt: «Dieser Gurtwarner macht Sinn», meint Hubert Paulus vom ADAC-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). «Man fährt los und wird durch einen unangenehmen Ton darauf hingewiesen, dass der Sicherheitsgurt nicht angelegt ist.»
Andere Warnungen sind im Grunde ebenfalls sinnvoll, wenn der Fahrer denn wirklich wüsste, was der Wagen ihm zu sagen versucht. Zum Beispiel, wenn der Fahrer nach einer längeren Autobahnfahrt am Ziel ankommt, die Zündung ausschaltet - und plötzlich mit einem Gong-Geräusch konfrontiert ist. Der Fahrer kommt womöglich erst nach längerem Überlegen darauf, dass er auch am Tage das Licht eingeschaltet hatte und drauf hingewiesen wird, dieses auszuschalten.
Fehlhandlungen nicht ausgeschlossen
Auch der eigentlich sinnvolle Gurtwarner führt nicht immer zum vom Hersteller gewünschten Ergebnis. «Das Dauerpiepsen des Gurtwarners kann auch zur Folge haben, dass der Fahrer genervt ist und den Gurt hinter der Sitzlehne vorbeiführt, um ihn in das Gurtschloss zu stecken», sagt Bastian Roet vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main.
Prinzipiell steht jedoch außer Frage, dass Warntöne die Aufmerksamkeit der Insassen auf sich ziehen. «Menschen reagieren auf alle Töne, das Gehirn entscheidet dann, was wichtig ist», sagt Martina Stein-Lesniak, Sprecherin der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) in Marburg. «Und schrille Pieptöne kann man eben nicht überhören, weil sie sich stark von Alltagsgeräuschen unterscheiden.»
Schnelle Erkennbarkeit ein Problem
Gerade die schnelle Erkennbarkeit des Defekts ist oft noch das Problem der akustischen Warnungen. «Es gibt das Phänomen, dass die Insassen nicht zuordnen können, auf welche Funktion sich die Warnung bezieht, weil vor zu vielen unterschiedlichen Dingen gewarnt wird», so Bastian Roet. «Wenn es immer nur Warntöne gibt und die auch noch ähnlich sind, dann hilft das im Endeffekt wenig», so Hubert Paulus.
Ein weiteres Problem kann daraus entstehen, dass die Hersteller auf ihre individuellen Klangkonstruktionen setzen. «Eine Vereinheitlichung wäre in diesem Zusammenhang sicher sinnvoll», sagt Martina Stein-Lesniak. Dann wüsste der Fahrer zum Beispiel, dass ein «Pling» auf die noch eingeschalteten Scheinwerfer deutet, während der «Gong» der Hinweis auf die nicht geschlossene Tür ist. (dpa)

