«Hustensaft beeinträchtigt Fahrtüchtigkeit»

Interview Arbeitsmedizinerin Ulrike Roth

«Hustensaft beeinträchtigt Fahrtüchtigkeit»
Ulrike Roth © Foto: TÜV Rheinland

Erkältungsbeschwerden können die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Worauf Autofahrer bei der Einnahme von Medikamenten und nach der Impfung zu achten haben, sagt Arbeitsmedizinerin Ulrike Roth vom TÜV Rheinland im Interview mit der Autogazette.

Immer mehr Menschen lassen sich gegen den Virus H1N1 impfen, besser bekannt als Schweinegrippe. Doch kann man nach einer Impfung noch ohne Bedenken mit dem Auto nach Hause fahren? Welche Auswirkungen hat die Einnahme von Hustensaft auf die Fahrtüchtigkeit? Ulrike Roth, Leitende Arbeitsmediziner beim TÜV Rheinland, gibt im Interview mit der Autogazette Antworten auf diese Fragen.

«Mit wenig Symptomen zu rechnen»

Autogazette: Kann ich nach einer Impfung gegen Schweinegrippe eigentlich noch unbesorgt mit dem Auto nach Hause fahren?

Ulrike Roth:Ja, können Sie. Nach einer Impfung ist mit wenigen Symptomen zu rechnen. Wenn überhaupt tut die Impfung etwas weh, dass aber meist erst einige Stunden nach der Impfung.

Autogazette: Inwieweit beeinträchtigen Erkältungssymptome wie Kopf- oder Gelenkschmerzen die Fahrtüchtigkeit?

Roth: Wenn Sie starke Kopf-, Gelenk- oder Gliederschmerzen haben, dann kann Sie das so beeinflussen, dass darunter die Konzentrationsfähigkeit leidet. Entsprechend muss man raten, dass Auto stehen zu lassen.

«Codein macht müde»

Autogazette: Und wie schaut es mit der Einnahme von Medikamenten wie Hustensaft oder Nasentropfen aus. Muss ich mir Gedanken um meine Fahrtüchtigkeit machen?

Roth: Es gibt Wirkstoffe im Hustensaft oder auch in Nasentropfen, die die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Beim Hustensaft ist beispielsweise das Codein zu nennen, ein Hustenstiller. Er setzt nicht nur die Reaktionsfähigkeit herab, sondern macht auch müde.

Autogazette: Gibt es denn Medikamente, die für Autofahrer unbedenklich sind?

Roth: Ohne Bedenken können Sie die bekannten Hausmittel wie Salbeibonbons oder beispielsweise Hustenpastillen mit Thymian einnehmen. Bei einer banalen Erkältung reicht das. Man muss nicht sofort nach einem apothekenpflichtigen Medikament greifen.

Autogazette: Homöopathische Mittel sind also vollkommen unbedenklich?

Roth: Sie sind mit Blick auf die Reaktionsfähigkeit mit den Hausmitteln gleich zu setzen.

«Autofahrer denken darüber nicht nach»

Autogazette: Welche Auswirkungen kann denn ein Schlafmittel oder beispielsweise die Einnahme des Erkältungssaftes Wick Medinait haben? Sollte man tags drauf die Finger vom Steuer lassen?

Roth: Nach der Einnahme eines Schlafmittels kann man tags drauf noch so beeinträchtigt sein, dass man sich besser nicht ans Steuer setzt. Bei der Einnahme von Wick Medinait kommt es darauf an, wie viel Sie davon genommen haben. Der dort enthaltene Alkohol dürfte in der Regel am folgenden Morgen abgebaut sein, falls Sie daneben nicht noch weiteren Alkohol zu sich genommen haben.

Autogazette: Schätzen Autofahrer nach der Einnahme von Medikamenten ihre Fahrtüchtigkeit richtig ein?

Roth: Aus meiner Erfahrung denken die meisten Autofahrer darüber nicht nach.

Das Interview mit Ulrike Roth führte Frank Mertens

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