Triumph hat mit der Thruxton 900 ein interessantes Retro-Bike aufgelegt. Die Maschine überzeugt mit ihren Fahrleistungen vor allem auf der Landstraße.
Michael Godde
Triumph wagt die Reise in die Vergangenheit. Bei dem legendären Langstreckenrennen Thruxton 500 belegte Triumph im Jahr 1969 mit der T120R die ersten drei Plätze. In Erinnerung an den Dreifach-Erfolg erhielt das Modell den Zusatz «Thruxton». 35 Jahre später ist das ehemalige sportliche Rennmotorrad zum sportlich-britischen Cafe-Racer umfunktioniert worden.
Tief montierte Lenkerstummel, zurückverlegte Fußrasten, schmale, silber lackierte Schutzbleche, nostalgischer Höcker unter dem sich ein Soziusplatz verbirgt und verchromte Endschalldämpfer im Megaphon-Stil verkörpern perfekt den historischen Anspruch legendärer britischer Sport-Bikes.
Sportivere Charakteristik
Ebenfalls intensiv widmeten sich die Ingenieure dem Paralleltwin aus der Bonneville. Auf Grund des von 86 mm auf 90 mm vergrößerten Hubs stehen jetzt 865 statt 790 ccm zur Verfügung. Veränderte Steuerzeiten der Ventile infolge schärferer Nockenwellen, überarbeitete Vergaser und eine von 9,2 zu 1 auf 10,2 zu 1 erhöhte Verdichtung bescheren dem Motor eine eigene sportivere Charakteristik.
Der Triebsatz nimmt willig seine Arbeit auf. Nervige Vibrationen werden von zwei Ausgleichswellen bereits im Keim erstickt. Öffnet der Pilot mit einem Dreh am Gasgriff die Schleusen und strömt das explosive Gemisch durch die Doppelvergaser, setzt der Twin diesen Befehl jederzeit spontan in kraftvolle Beschleunigung um.
Guter Schub aus niedrigen Drehzahlen
Dabei offenbart der kurzhubig ausgelegte Zweizylinder bereits aus niedrigen Drehzahlen genügend Druck, um sanft aus dem Drehzahlkeller zu beschleunigen. Ungefähr ab 6000/min kribbelt es leicht in den Fingern, trotz der ausgleichenden Wellen. Gleichzeitig wird die von 61 auf 70 PS gestiegene Leistung spürbar. Keine Scheu vor hohen Drehzahlen: Die Thruxton 900 legt noch ein paar Kohlen ins Feuer, wenn der Bonneville bereits die Puste ausgeht.
Verdeutlicht auch von den Drehmomentwerten: Statt der 60 Nm bei 3500 /min der Bonnie drückt die Thruxton 71 Nm auf die Kurbelwelle, jedoch erst bei 7250 /min. Allemal ausreichend, um einen forcierten Ritt auf den Asphalt der Landstraße zu brennen. Das Fahrwerk ist dafür jedenfalls bestens gerüstet.
Die Hände des Piloten legen sich auf die tief montierten Griffe und sein Oberkörper spannt sich dabei leicht über den Tank. Die Füße ruhen auf den sportlich weiter hinten angebrachten Rasten. In dieser versammelten, aber dennoch bequemen Sitzposition richtet sich der Blick des Fahrers wie von selbst auf den Einlenkpunkt der nächsten Kurve.
Genau hier gehört die Triumph Thruxton 900 hin, ins kurvige Asphaltband des Hinterlandes. Dank der geänderten Fahrwerksgeometrie, bei der der Lenkkopfwinkel von 61 auf 63 Grad steiler und damit handlicher gewählt wurde, lenkt die sportliche Engländerin im Gegensatz zur Bonneville leichtfüßiger ins und ums Eck. Auch ein Verdienst des kleineren 18-Zoll-Vorderrades und der längeren hinteren Federwege. Schnelle Kurven indes verlangen Körpereinsatz vom Thruxton-Treiber. Belohnt wird die Mühe mit satter Stabilität in Schräglage. Die ausreichend hoch montierte Fußrasten fräsen erst angenehm spät ihre Spuren in die Teerdecke.
Den gestiegenen dynamischen Ansprüchen folgen auch die beiden Scheibenbremsen. Vorne rotiert eine schwimmende 320 mm große Scheibe (310 mm bei der Bonneville), hinten wurde eine 255 mm starr montierte Scheibe verbaut. Beide werden bei Bedarf von je einem Zwei-Kolben-Schwimmsattel effektiv in die Mangel genommen.
Die Triumph Thruxton 900 verkörpert den Zeitgeist der Café Racer der fünfziger und sechziger Jahre auf beeindruckende Weise ohne altbacken zu wirken. Die Zeitreise zurück in die Zukunft kostet 8600 Euro.



