Einzylinder sind zu einer Rarität geworden. Suzuki erfreut die Zweiradgemeinde nun mit der Leichtenduro DR-Z4S. Sie und die Supermoto DR-Z4SM teilen sich Rahmen und Motor.
Leichte, puristische Einzylinder aus Japan sind zu einer Rarität geworden, da sich die Motorradmarken aus dem Hightech-Land lieber auf pure Leistung konzentrierten. Jetzt erinnert sich Suzuki mit der neuen DR-Z4S der eigenen Historie, denn eine DR-Z400 gab es bereits Anfang des Jahrtausends, und stellt ihr eine technisch weitgehend identische Supermoto-Version namens DR-Z4SM zur Seite. Beide puristisch gestylt, technisch jedoch fein ausgestattet unisono zum Preis von 9700 Euro ab sofort beim Händler.
An diesen Motorrädern ist nichts überflüssig, alles dient einem eindeutigen Zweck. Das machen die neuen Suzuki-Singles DR-Z4S und DR-Z4SM auf den ersten Blick mit ihrem athletischen Styling deutlich, angeführt von einem kleinen Projektionsscheinwerfer in der knappen Lampenmaske. Minimale Verkleidungsteile, der hochliegende Schalldämpfer und eine durchgehende Sitzbank unterstreichen die Zweckorientierung des japanischen Duos.
92 Zentimeter Sitzhöhe
Einsatzgemäß platziert die Enduro DR-Z4S ihren Piloten in luftigen 92 cm Höhe. Die schmale Kontur des straffen Polsters und soft abgestimmte Federelemente lassen aber auch bei Normalgroßen kein blümerantes Gefühl hinterm breiten, konischen Alulenker aufkommen, da der Boden immer in erreichbarer Nähe bleibt. Mit aufrechtem Oberkörper und gutem Griff auch bei stehendem Fahren im Gelände stellt sich schnell eine vertrauenerweckende Beherrschbarkeit ein, unterfüttert vom überschaubaren Gewicht von 151 Kilo.
Ein kurzer Druck aufs Starterknöpfchen genügt, dann springt der mit Flüssigkeitskühlung, vier Ventilen und zwei Nockenwellen modern konstruierte Einzylinder an. Wie bei der Ahnin DR-Z400 aus dem Jahre 2000 schöpft der Einzylinder aus 398 ccm Hubraum, die Leistungsausbeute fällt mit 28 kW/38 PS voll Führerschein-A2-tauglich aus und wird über ein nicht immer geschmeidiges Fünfganggetriebe sortiert. Angenehm geräuscharm entfaltet der Motor seine fein dosierbare Kraft, dafür stehen drei Motorkennfelder von zurückhalternd bis kräftigem Biss zur Verfügung. Kultiviert auch bei sehr niedrigen Drehzahlen tuckert die Suzuki bei Bedarf fast mit Standgas durchs Geläuf. Beim vorsichtigen Anfahren verlangt sie allerdings etwas Spiel mit der leichtgängigen Kupplung.
Stabil im Gelände
Im unbefestigten Gelände macht sich das offroadtaugliche Fahrwerk mit schmalem 21-Zöller vorn und einem 18-Zoll-Speichenrad hinten bezahlt. Erfreulich gripstarke IRC-Reifen nehmen es mit dem weichen, sandigen Geläuf auf. Gröberes Terrain oder kleinere Baumstämme landen in den langen Federwegen der voll einstellbaren Federelemente von KYB: Bei 28 Zentimetern vorn und 29,6 hinten generieren diese mächtige 30 Zentimeter Bodenfreiheit. Damit bügelt die DR-Z4S schluckfreudig über nahezu jedes Hindernis hinweg und legt auch bei flotterem Tempo auf anspruchsvollem Geläuf eine ausgeprägte Stabilität an den Tag, die den Geländeausflug selbst weniger Erfahrenen leicht macht.
Offroad, aber auch auf der Straße kommt weitere Unterstützung von den elektronischen Helferlein: Die dreistufige Traktionskontrolle bietet mit dem G-Modus ein maßgeschneidertes Gelände-Programm, das mit minimalem Schlupf am Hinterrad für guten Grip auf losem Untergrund sorgt. Könner können sie ganz abschalten und freuen sich über das erstmals von Suzuki bei einem straßenzugelassenen Modell erlaubte Abschalten des ABS nicht nur hinten, sondern auch vorne – ein nur für versierte Geländefahrer empfehlenswertes Vorgehen. Alle anderen goutieren die gut dosierbare Bremswirkung der Einzelscheibe im Vorderrad, deren Bremshebel leider nicht einstellbar ausgeführt ist.
Tankvolumen bei 8,7 Liter
Schlank und gewichtssparend fasst der Tank 8,7 Liter, das soll mit dem versprochenen moderaten Verbrauch von 3,5 Litern für knapp 250 Kilometer reichen. Die spult der DR-Treiber am liebsten eben im Gelände oder auf verwinkelten Hinterlandstraßen ab, Schnellstraßen zählen nicht zu ihrem bevorzugten Einsatzgebiet. Zwar sind 139 km/h Spitzentempo durchaus autobahntauglich, doch käme ihr hier ein als Overdrive ausgelegter sechster Gang sehr zupass.
Besondere Extras hat die DR-Z4S keine zu bieten, dafür erfüllt sie den Anspruch an eine unkomplizierte Wanderenduro mit einem guten Maß Reisetauglichkeit und robuster Technik – Inspektionsintervalle alle 6.000 Kilometer – aufs Beste. Da hat sie in der Mittelklasse kaum Konkurrenz, das spiegelt der selbstbewusste Preis von 9.700 Euro wider.
Gleichzeitig mit der Einsteigerenduro bringt Suzuki mit der DR-Z4SM eine motor- und ausstattungsmäßig identische Supermoto zum gleichen Preis. Mit 17-Zoll-Fahrwerk und Straßenreifen, knapperen Federwegen und 89 Zentimeter Sitzhöhe empfiehlt sie sich als urbaner Straßenfeger, dank 154 Kilo immer noch leicht beherrschbar. (SP-X)

