Das bidirektionale Laden entlastet das Stromnetz – und ist damit gut für die Energiewende. Zugleich können Besitzer eines entsprechenden Fahrzeugs damit auch Geld verdienen.
Mit dem Handel von Strom aus der E-Autobatterie können Fahrzeugbesitzer Geld verdienen. Ab 2030 kann der Erlös pro Jahr 500 Euro und mehr betragen, wie eine Studie des Rainer-Lemoine-Instituts im Auftrag der Agora Verkehrswende ergeben hat. Möglich macht den finanziellen Gewinn das bidirektionale Laden.
Es ermöglicht, das E-Auto bei niedrigen Strompreisen „vollzutanken“ und die Energie zu Hochpreiszeiten zurück ins Netz zu verkaufen. Noch höher können die Erlöse ausfallen, wenn der Strom nicht eingekauft, sondern per Photovoltaikanlage selbst erzeugt wird.
Technische Voraussetzung müssen passen
Die erlösbaren Beträge sind allerdings stark von Strompreisen und Marktbedingungen abhängig. Zudem muss sowohl die technische Ausstattung des jeweiligen Haushalts passen als auch die Fahrzyklen. Wer etwa tagsüber mit dem E-Auto unterwegs ist, kann keinen billigen Sonnenstrom tanken. Wer immer nach Sonnenuntergang lädt, bekommt nur teuren Strom in den Akku.
„Elektrofahrzeuge bieten dem Stromsystem wichtige Flexibilität. Indem sie Strom aus ihrer Batterie ins Netz einspeisen, können sie schwankende Verfügbarkeiten von Wind- und Solarenergie ausgleichen und die Netzstabilität erhöhen. Das ermöglicht einen größeren Anteil erneuerbarer Energien am Strommix und günstigere Strompreise“, sagte Christian Hochfeld, der Direktor der Agora Verkehrswende. „Gleichzeitig können die finanziellen Anreize den Hochlauf der Elektromobilität beschleunigen. Im besten Falle können damit die Stromkosten für die jährliche Fahrleistung eines E-Autos vollständig kompensiert werden – emissionsfrei zum Nulltarif!“, so Hochfeld weiter.
Hochlauf 2027 oder 2028 erwartet
Theoretisch ist in Deutschland schon heute das bidirektionale Laden möglich. Allerdings bieten längst nicht alle E-Autos und auch nicht alle Energiemanagementsysteme in den Haushalten die notwendigen Funktionalitäten. Zudem sind einige rechtliche Rahmenbedingungen aktuell noch unklar. Die Bundesregierung rechnet mit einem breiten Hochlauf erst 2027 oder 2028.
„Um das Potenzial des bidirektionalen Ladens voll auszuschöpfen, sind Reformen der politischen Rahmenbedingungen erforderlich“, sagt dann auch Fanny Tausendteufel, Projektleiterin bei Agora Verkehrswende. „Es gilt, ein effizientes Regelwerk zu schaffen, das tragfähige Geschäftsmodelle für Vehicle-to-Grid-Anwendungen ermöglicht. Wer die Flexibilität seines E-Autos für das Stromsystem zur Verfügung stellt, sollte davon auch finanziell profitieren.“ (mit SP-X)



