Smart #2 Concept: «Der Geist des Fortwo hat immer weitergelebt»

Smart #2 Concept: «Der Geist des Fortwo hat immer weitergelebt»
Smart-Deutschlandchef Florian Nemitz neben dem #2 Concept. © Smart

Der Smart #2 ist noch ein Concept. Doch das, was gerade bei der Europapremiere in Rom vom Innenraum und Technik gezeigt wurde, ist vielversprechend.

Wer an die Marke Smart denkt, denkt vor allem an den Fortwo. Der Zweisitzer war zwar kein wirtschaftlicher Erfolg, doch er stand wie kaum ein anderes Fahrzeug für ein ideales Stadtfahrzeug.

Davon kann beim #1, #3 und dem #5 keine Rede sein. Es sind die Modelle, mit denen das Joint Venture von Mercedes und Geely die Marke zu neuem Leben verhelfen wollte. Anders ausgedrückt: damit wollte man endlich auch wirtschaftlich erfolgreich sein. Mit Blick auf Europa und den deutschen Markt kann von einer Erfolgsgeschichte bisher nicht gesprochen werden. Hört man sich im Handel um, fremdeln viele Kundinnen und Kunden nach wie vor mit der aktuellen Modellpalette aus großen SUVs und SUV-Coupés. Mit dem, was die Kundschaft mit Smart assoziiert, hat dieses Trio nichts gemein.

Die Absatzzahlen untermauern das. In Deutschland kam Smart in den ersten fünf Monaten des Jahres nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) auf gerade einmal 3284 Neuzulassungen. Das ist zwar ein Plus von fast 104 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, aber nach wie vor eher homöopathisch. Mit dem neuen #2 Concept, der gerade in Rom seine Europapremiere feierte, soll nun aber die bekannte Smart-DNA als ein radikales Mobilitätskonzept die Kundinnen und Kunden verstärkt zum Kauf animieren. Im Oktober stellt Smart auf der Paris Motor Show das Serienmodell vor. Es wird in der ersten Jahreshälfte des kommenden Jahres auf den Markt kommen.

Eigene Plattform wurde entwickelt

Der Smart #2 hat eine neue Plattform bekommen. Foto: Smart

„Der #2 trifft genau das, was viele Kundinnen und Kunden mit Smart verbinden“, sagt Deutschlandchef Florian Nemitz im Gespräch mit der Autogazette. Sicherlich, so sagt auch Manager, sei der Fortwo kein wirtschaftlicher Erfolg gewesen. „Aber er hat sich bei den Kunden durchgesetzt und ist bis heute emotional stark mit der Marke verbunden. Der Geist des Fortwo hat immer weitergelebt.“ Seit seiner Gründung im Jahr 1994 hat sich Smart immer wieder neu erfunden – und tut es mit dem #2 erneut.

Die Verantwortlichen um Europachef Wolfgang Ufer und Deutschlandchef Nemitz jedenfalls sind zuversichtlich, dass der #2 funktioniert – auch wirtschaftlich. Dazu beitragen soll eine neue Plattform, die so genannte Electric Compact Architecture (ECA). Sie wurde extra für den #2 entwickelt, so Ufer. Dass man für den #2 extra eine neue Plattform entwickelt zeige, welches Vertrauen man in die Marke setze, so der Europachef. „Diese neue Plattform bietet uns die Möglichkeit einer anderen Wirtschaftlichkeit“, so Nemitz. „Ohne dieser wirtschaftliche Perspektive hätten wir am Ende auch keine Genehmigung für das Projekt erhalten“, fügt er hinzu.

Länge von unter 2,80 Meter

Der Smart #2 hat eine Länge von unter 2,80 Meter. Foto: Smart

Mit dieser neuen Plattform lassen sich übrigens Radstände von 1,87 bis 2,5 Meter realisieren, sodass der Fantasie für weitere Ableger (beispielsweise ein Cabrio oder ein #4) keine Grenzen gesetzt werden. Mit einer Länge von derzeit 2,79 Meter findet sich im Innenraum ausreichend Platz für zwei Erwachsene. Die nehmen auf einer durchgehenden Sitzbank Platz, wobei die Fahrerin oder der Fahrer auf ein Cockpit nach dem S-Form-Prinzip schauen. Folgt man den Designern, soll auch durch die durchgehende Sitzbank für die Insassen ein „Gefühl von gemeinsamem Raum und Praktikabilität“ geschaffen werden. Das Cockpit bzw. der Rest des Innenraums dürfte wohl auch mit verschiedenen Lichtelementen besonders in Szene gesetzt werden. Dazu schweigt man sich noch aus.

Der #2 ist zwar mit den Abmessungen ein klassischen Stadtfahrzeug, ermöglicht mit seiner Batterie mit einer Kapazität von 35,7 kWh eine angestrebte Reichweite von rund 300 Kilometern. An einem DC-Lader soll sich der Akku von 10 auf 80 Prozent in weniger als 20 Minuten mit Energie befüllen lassen. „Mit dieser Reichweite können wir urbane Mobilität abdecken, denken aber nicht mehr nur an die Stadt, sondern auch an Pendler“, so Nemitz.

Der Smart #2 wird eine durchgängige Sitzbank haben. Foto: Smart

Dass die Sicherheit natürlich bei einem kleinen Fahrzeug im Fokus steht, versteht sich quasi von allein. Entsprechend wurde die aus dem Fortwo bekannte Tridion-Zelle weiter entwickelt und auf die nächste Generation dieses ultrakompakten Zweisitzers übertragen.

Verdoppelung des Absatzes in Deutschland

Mit Blick auf den wirtschaftlichen Erfolg setzt man bei Smart mit Blick auf Europa und den deutschen Markt auf die Verbundenheit der Kundschaft. In Deutschland gibt es auf den Straßen immer noch über 300.000 Smart Zweisitzer. In Italien als dem einst wichtigsten Markt der Marke wurden sogar mehr als 600.000 Einheiten des Smart Fortwo abgesetzt. Noch heute bestimmt er mit das Stadtbild von Rom. Kein Wunder, dass die Europapremiere des #2 Concept in der italienischen Hauptstadt stattfand.

Auch wenn der #2 erst kommendes Jahr seinen Markteintritt feiert, will Smart in diesem Jahr deutlich wachsen. Das Ziel ist eine Verdoppelung zum Vorjahr (4726). Das ist ambitioniert, aber erreichbar, wie Nemitz glaubt. So verweist er darauf, dass der #5, der als Gamechanger für die Marke bezeichnet wurde, immer besser bei der Kundschaft ankommt. Hier hätte man in den zurückliegenden Monaten eine starke Nachfrage gehabt, die indes auch zu höheren Lieferzeiten geführt habe. „Der hohe Auftragsbestand wird nun nach und nach abgearbeitet und die Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert, was sich dann auch in den Zulassungszahlen widerspiegeln wird“, so Nemitz.

Natürlich räumt auch der Deutschlandchef ein, dass die bisherigen Smart-Modelle bei den Kunden erklärungsbedürftig waren. „Wenn man mit einem neuen Auto startet, verbindet nicht jeder sofort einen #1 optisch mit Smart. An diesem Verständnis mussten wir gemeinsam mit unserem Netzwerk arbeiten. Beim #5 sehen wir aber, dass er zwar kein klassischer Smart ist, aber ein Segment trifft, das positiv auf #1 und #3 abstrahlt.“

Endlich: 2027 kommt der Smart #2 auf den Markt, wieder ein Zweisitzer. Foto: Smart

Mit dem #2 wird Smart indes nicht mehr die Mühe haben, dieses Modell der Kundschaft erklären zu müssen. Dass Fahrzeugkonzept ist altbekannt – und genau das, was man von der Marke erwartet. Es sind Aussichten, die den neuen Deutschlandchef optimistisch in die Zukunft blicken lassen. Mit seinen jetzigen Modellen würde man den Kunden Fahrzeuge mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis bieten, ist Nemitz überzeugt.

Gerade auch in der Flotte sieht er Wachstumspotenzial für die Marke. Zusammen mit Wolfgang Ufer („Er war ein maßgeblicher Treiber des #2“, Nemitz) habe er als Vertriebschef in den zurückliegenden Jahren das Fundament für einen Markterfolg aufgebaut. „Meine Aufgabe ist es nun, auf diesem Fundament aufzubauen und in die Skalierung zu kommen – der #2 wird ein wichtiger Volumentreiber.“

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